Leitlinie
Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen
Guideline on allergen-specific immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases
O. Pfaar, C. Bachert, A. Bufe, R. Buhl, C. Ebner, P. Eng, F. Friedrichs, T. Fuchs, E. Hamelmann, D. Hartwig- Bade, T. Hering, I. Huttegger, K. Jung, L. Klimek, M.V. Kopp, H. Merk, U. Rabe, J. Saloga, P. Schmid-Grendelmeier, A. Schuster, N. Schwerk, H. Sitter, U. Umpfenbach, B. Wedi, S. Wöhrl, M. Worm und J. Kleine-Tebbe
Price
42.00 $
Jahrgang 38 p. 431 - 470
Abstract
Allergologie, Jahrgang 38, Nr. 9/2015, S. 431–470
Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen
O. Pfaar1,2, C. Bachert3, A. Bufe4, R. Buhl5, C. Ebner6, P. Eng7, F. Friedrichs8, T. Fuchs9, E. Hamelmann10, D. Hartwig-Bade11, T. Hering12, I. Huttegger13, K. Jung14, L. Klimek1, M.V. Kopp15, H. Merk16, U. Rabe17, J. Saloga18, P. Schmid-Grendelmeier19, A. Schuster20, N. Schwerk21, H. Sitter22, U. Umpfenbach23, B. Wedi24, S. Wöhrl25, M. Worm26 und J. Kleine-Tebbe27; Kommentierende Teilnahme und Prozessbegleitung: S. Kaul28 und A. Schwalfenberg29
1Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 2Universitäts-HNO-Klinik Mannheim, 3HNO-Universitätsklinik, Gent, Belgien, 4Abt. für Experimentelle Pneumologie, Ruhr-Universität Bochum, 5III. Med. Klinik und Poliklinik, Schwerpunkt Pneumologie, Johannes-Gutenberg-Univ., Mainz; 6Ambulatorium für Allergie und klinische Immunologie, Wien, Österreich, 7Klinik für Kinder und Jugendliche, Aarau und Kinderspital Luzern, Schweiz, 8Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Laurensberg, 9Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Göttingen, 10Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderzentrum Bethel, Evang. Krankenhaus Bielefeld, 11HNOPraxis, Lübeck, 12Lungenarztpraxis Tegel, Berlin, 13Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Paracelsus Med. Privatuniversität, Salzburger Landeskliniken, Salzburg, Österreich, 14Praxis für Dermatologie, Erfurt, 15Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, UKSH, Univ. zu Lübeck, Airway Research Center North (ARCN), Mitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL), 16Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik, RWTH, Aachen, 17Abt. Pneumologie, Klinik III, Johanniterkrankenhaus im Flämig, Treuenbrietzen, 18Hautklinik und Poliklinik, Universitätsmed., Johannes Gutenberg-Univ., Mainz, 19Allergiestation, Dermatologische Universitätsklinik, Zürich, Schweiz, 20Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf, 21Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmed., Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie, Med. Hochschule Hannover, 22Institut für theoretische Chirurgie, Univ. Marburg; 23Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Viersen, 24Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Med. Hochschule Hannover, 25Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ), Wien, Österreich, 26Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 27Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 28Abteilung Allergologie, Paul- Ehrlich-Institut, Langen, 29Deutscher Allergie- und Asthmabund, Mönchengladbach
Die vorliegende Leitlinie (LL) (S2k) zur (allergen-) spezifischen Immuntherapie (SIT) wurde von den deutschen, österreichischen und schweizerischen allergologischen Fachverbänden im Konsens mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Kinder- und Jugendmedizin, Pneumologie sowie einer deutschen Allergikerselbsthilfeorganisation (Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB)) nach Kriterien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erarbeitet. Die SIT ist eine kausale immunmodulierende Therapie. Durch die Gabe von Allergenextrakten werden spezifische blockierende Antikörper, toleranzinduzierende Zellen und Botenstoffe aktiviert, die eine weitere Verstärkung der durch Allergene ausgelösten Immunantwort verhindern, die spezifische Immunantwort blockieren und die Entzündungsreaktion im Gewebe dämpfen. Produkte zur subkutanen Immuntherapie (SCIT) oder sublingualen Immuntherapie (SLIT) sind aufgrund ihrer heterogenen Zusammensetzung derzeit nicht vergleichbar. Desgleichen sind die angegebenen Allergenkonzentrationen unterschiedlicher Hersteller aufgrund unterschiedlicher Methoden zur Messung der wirksamen Inhaltsstoffe zurzeit nicht vergleichbar. Zur SCIT werden nicht modifizierte Allergene als wässrige oder physikalisch gekoppelte (Semidepot-)Extrakte sowie chemisch modifizierte Extrakte (Allergoide) als Semidepotextrakte eingesetzt. Die Allergenextrakte zur SLIT werden als wässrige Lösungen oder Tabletten angewandt. Die klinische Wirksamkeit einer SIT wird mithilfe verschiedener Scores als primärer und sekundärer Zielparameter erfasst. Die European Medicines Agency (EMA) sieht für den primären Zielparameter einen kombinierten Symptom- und Medikationsscore vor. Für eine Vergleichbarkeit verschiedener Studienergebnisse ist zukünftig eine Harmonisierung der Auswertescores, z.B. durch den von der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) empfohlenen kombinierten Symptom- und Medikationsscore (CSMS), erstrebenswert. Die aktuellen CONSORT(„consolidated standards of reporting trials“-Empfehlungen der ARIA/ GA2LEN-Gruppe geben Standards fü die Auswertung, Darstellung und Veröfentlichung von Studienergebnissen vor. Präarate, die häfige Allergenquellen enthalten (Pollen der Süßräer oder von Birke, Erle und Hasel, Hausstaubmilben, Bienen- und Wespengift), bedüfen in Deutschland aufgrund der Therapieallergene-Verordnung (TAV) in jedem Fall der Zulassung. Im Zulassungsverfahren werden diese auf Qualitä, Sicherheit und Wirksamkeit üerprüt. Aus Sicht der Autoren sollten zugelassene Allergenpräarate mit dokumentierter Wirksamkeit und Sicherheit oder im Rahmen der TAV verkehrsfäige Präarate, die bereits in klinischen Studien nach World-Allergy-Organization(WAO)- oder EMA- Standards eine Wirksamkeit und Sicherheit dokumentiert haben, bevorzugt eingesetzt werden. Individualrezepturen dienen der Verordnung seltener Allergenquellen (z.B. Pollen von Esche, Beifußoder Ambrosia, Schimmelpilz Alternaria, Tierallergene) zur SIT. Sie könen nicht mit den TAV-Allergenen gemischt werden. Die allergische Rhinitis und ihre Folgeerkrankungen (wie Asthma bronchiale) verursachen volkswirtschaftlich enorme direkte und indirekte Kosten. Entsprechend werden die Therapieoptionen, insbesondere der SIT, sozioöonomisch anhand von Kosten-Nutzenund Kosten-Effektivitäs-Analysen beurteilt. Die SIT ist auf lägere Dauer betrachtet im Vergleich zur Pharmakotherapie bei allergischer Rhinitis und allergischem Asthma deutlich kosteneffektiver –ein Effekt, der stark von der Compliance der Patienten beeinflusst wird. Metaanalysen belegen eindeutig die Wirksamkeit von SCIT und SLIT fü bestimmte Allergene und Altersgruppen. Die Daten der kontrollierten Studien unterscheiden sich hinsichtlich ihres Umfangs, ihrer Qualitä und Dosierungsschemata und erfordern eine produktspezifische Bewertung. Es empfiehlt sich daher die Beurteilung der Einzelpräarate nach klar definierten Kriterien. Eine verallgemeinernde Üertragung der Wirksamkeit von Einzelpräaraten auf alle Präarate einer Applikationsform verbietet sich. Auf der Internetseite der DGAKI (www.dgaki.de/leitlinien/s2k-leitlinie-sit) finden sich Tabellen mit einer präaratespezifischen Darstellung der in Deutschland sowie in der Schweiz und Öterreich auf dem Markt befindlichen SIT-Produkte. Die Tabelle listet Studien fü Erwachsene und Kinder auf, das Jahr der Zulassung, den zugrunde gelegten Score, die Anzahl der randomisierten und ausgewerteten Patienten, und das Auswertungsverfahren (ITT, FAS, PP) fü Gräer- und Birkenpollen- sowie Hausstaubmilbenallergene sowie den Genehmigungsstatus fü die Durchfürung klinischer Studien. Die Wirksamkeit der SCIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis bei Pollenallergie im Erwachsenenalter durch zahlreiche Studien sehr gut und im Kindes- und Jugendalter durch wenige Studien belegt. Bei Hausstaubmilbenallergie im Erwachsenenalter ist die Wirksamkeit durch einige und im Kindesalter durch wenige kontrollierte Studien belegt. Bei Schimmelpilzallergie (insbesondere Alternaria) liegen unabhägig vom Alter nur wenige kontrollierte Studien vor. Bei einer Tierallergie (in erster Linie auf Katzenallergene) finden sich nur kleine Studien mit teilweise methodischen Mägeln. Zur Wirksamkeit bei atopischer Dermatitis zeigte sich bisher nur ein moderater und uneinheitlicher Therapieeffekt bei einer hohen Heterogenitä der durchgefürten Studien. Bei kontrolliertem Asthma bronchiale (Global Initiative for Asthma (GINA)2007) bzw. bei intermittierendem und geringgradig persistierendem Asthma (GINA 2005) ist die SCIT fü einzelne Präarate gut untersucht und als Therapieoption neben Allergenkarenz und Pharmakotherapie empfehlenswert, sofern ein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen respiratorischen Symptomen und entsprechendem Allergen besteht. Die Wirksamkeit der SLIT ist bei der allergischen Rhinokonjunktivitis durch eine Gräerpollenallergie bei Erwachsenen und Kindern sehr gut und bei Baumpollenallergie bei Erwachsenen gut belegt. Bei der Hausstaubmilbenallergie belegen neue kontrollierte Studien mit teilweise hohen Patientenzahlen die Wirksamkeit der SLIT bei Erwachsenen. Im Vergleich zur allergischen Rhinokonjunktivitis finden sich nur begrenzt Studien zur Wirksamkeit der SLIT bei allergischem Asthma. Dabei zeigen neuere Studien eine Wirksamkeit auf die Asthmasymptome in der Subgruppe gräerpollenallergischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener mit Asthma und eine Wirksamkeit der SLIT bei primä hausstaubmilbenallergischem Asthma bei Jugendlichen ab einem Alter von 14 Jahren und bei Erwachsenen. Sekundäpräentive Aspekte, insbesondere die Reduktion von Neusensibilisierungen und ein vermindertes Asthmarisiko, sind wichtige Grüde, den Therapiebeginn im Kindes- und Jugendalter frü zu wälen. Dabei sollten solche Produkte berüksichtigt werden, fü die entsprechende Effekte gezeigt worden sind. Bei Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis kann eine SCIT oder SLIT mit Pollen- oder Milbenallergenextrakten durchgefürt werden, deren Wirksamkeit in mindestens einer doppelblind placebokontrollierten Studie gezeigt wurde. Derzeit erfolgen klinische Studien in den Indikationen Asthma und Hausstaubmilbenallergie, deren Ergebnisse teilweise publiziert sind bzw. noch ausstehen (vgl. DGAKI-Tabelle „enehmigte/ evtl. abgeschlossene Studien“via www.dgaki.de/leitlinien/ s2k-leitlinie-sit (nach www.clinicaltrialsregister. eu)). Bei der Indikationsstellung sind Faktoren, die die klinische Wirksamkeit erhöen, zu beachten. Unterschiede zwischen SCIT und SLIT sind in erster Linie bei den Kontraindikationen zu berüksichtigen. Auch bei Vorliegen von Kontraindikationen kann im begrüdeten Einzelfall eine Indikation zur SIT vorliegen. Die Injektionen zur SCIT sowie die Einleitung der SLIT werden von einem Arzt durchgefürt, der mit dieser Therapieform Erfahrung hat und bei einem allergologischen Zwischenfall zur Notfallbehandlung befäigt ist. Eine vorherige Aufkläung mit Dokumentation ist erforderlich („herapieinformationsblatt“ Abb. 5 und 6; als Handout auch via www.dgaki.de/leitlinien/s2k-leitlinie-sit). Die Therapie sollte entsprechend der Fach- und Gebrauchsinformation des Herstellers durchgefürt werden. Sofern die SIT nach der Indikationsstellung von einem anderen Arzt durch- oder weitergefürt wird, ist eine enge Zusammenarbeit erforderlich, um eine konsequente Umsetzung und risikoarme Durchfürung der Therapie sicherzustellen. Generell wird die Durchfürung sowohl der SCIT als auch der SLIT nur mit Präaraten empfohlen, fü welche ein entsprechender Nachweis der klinischen Wirksamkeit aus entsprechenden Studien vorliegt. Die Therapieadhäenz der SIT-Patienten ist unabhägig von der Applikationsform niedriger als von äztlicher Seite angenommen wird; sie ist allerdings fü den Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung. Die Verbesserung der Adhäenz in der SIT ist eine der wichtigsten Aufgaben in der Zukunft, um eine kausale Wirksamkeit der Therapie zu gewärleisten. Das Auftreten schwerer, potenziell lebensbedrohlicher systemischer Reaktionen bei der SCIT ist mölich, aber bei Einhaltung aller Sicherheitsmaßahmen sehr selten. Die meisten unerwüschten Reaktionen sind leicht bis mittelschwer und lassen sich gut behandeln. Dosisabhägige unerwüschte lokale Symptome im Mund- und Rachenraum treten häfig bei der SLIT auf. Systemische Reaktionen hingegen sind zwar beschrieben, kommen aber deutlich seltener vor als bei der SCIT. Die SLIT zeigt im Hinblick auf anaphylaktische und andere schwere systemische Reaktionen ein besseres Sicherheitsprofil als die SCIT. Das Risiko und die Folgen unerwüschter systemischer Reaktionen im Rahmen einer SIT könen durch Schulung des Personals, Beachtung der Sicherheitsstandards und rasche Anwendung von Notfallmaßahmen –einschließich der früzeitigen Adrenalin-i.m.-Gabe –wirksam vermindert werden. Details der Akuttherapie und des Managements anaphylaktischer Reaktionen finden sich in der aktuellen Anaphylaxie- S2-Leitlinie der AWMF. Die SIT zeigt in vielen Bereichen (z.B. Allergencharakterisierung, neue Applikationswege, Adjuvanzien, schnellere und sichere Aufdosierung) einige innovative Entwicklungen, die teilweise bereits auf ihre klinische Wirksamkeit untersucht werden.Correspondence to:
Prof. Dr. Oliver Pfaar
HNO-Universitätsklinik Mannheim
und
Zentrum für Rhinologie and Allergologie
An den Quellen 10
D–65189 Wiesbaden, Deutschland
Email: [email protected]
Ambulante pädiatrische Pneumologie
DMP Asthma bronchiale – erfolgreich bei Kindern und Jugendlichen
DMP bronchial asthma – successful in children and adolescents
G. Schauerte, A. Weber und U. Umpfenbach
Price
42.00 $
Jahrgang 43 (2017) p. 40 - 47
Abstract
Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 43, Nr. 1/2017, S. 40-47
DMP Asthma bronchiale – erfolgreich bei Kindern und Jugendlichen
G. Schauerte1, A. Weber2 und U. Umpfenbach3
1CJD Berchtesgaden – Asthmazentrum, Berchtesgaden, 2Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, DMP-Projektbüro Köln, 3Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Viersen-Dülken
2006 wurde in Deutschland das Disease- Management-Programm (DMP) Asthma bronchiale eingeführt, in das Kinder ab dem 5. Lebensjahr eingeschrieben werden können. Die Daten aus der verpflichtenden Dokumentation und deren Evaluation werden von den meisten kassenärztlichen Vereinigungen und einigen bundesweit agierenden Krankenkassen öffentlich zugänglich gemacht. Diese wurden gesichtet und die wichtigsten Ergebnisse hieraus bezüglich Kindern und Jugendlichen dargestellt. Vermutlich nur ca. 25% der einschreibefähigen Kinder und Jugendlichen nehmen am DMP Asthma bronchiale teil. Die Teilnahme am DMP führt nachweislich zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomlast. Die meisten Qualitätsziele im DMP (Vermeidung stationärer Notfälle; Überprüfung der Inhalationstechnik; Ausgabe eines Selbstmanagementplans; Verwendung eines inhalativen Corticosteroids, sobald eine Dauertherapie indiziert ist) wurden bei Kindern und Jugendlichen (in Höhe der zuvor festgelegten Zielwerte von mindestens 90%) erreicht. Nach Teilnahme an einer Asthmaschulung zeigen sich nochmals deutliche Verbesserungen hinsichtlich des Kontrollgrads der Erkrankung.Correspondence to:
Dr. med. Gerd Schauerte
Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin
1. Vorsitzender der AG Asthmaschulung
im Kindes- und Jugendalter e.V.
CJD Berchtesgaden – Asthmazentrum
Buchenhöhe 46
83471 Berchtesgaden
http://www.cjd-berchtesgaden.de
Email: [email protected]
Lungenfunktionsdiagnostik, Teil 3
Qualitätsziele bei der Lungenfunktionsdiagnostik in der pädiatrisch-pneumologischen Praxis
Quality goals in pulmonary function diagnostics in the pediatric pneumological practice
M. Dahlheim, U. Umpfenbach und H.-J. Smith
Price
42.00 $
Jahrgang 47 (2021) p. 307 - 321
Abstract
Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 47, Nr. 8/2021, S. 307-321
Qualitätsziele bei der Lungenfunktionsdiagnostik in der pädiatrisch-pneumologischen Praxis
M. Dahlheim1, U. Umpfenbach2 und H.-J. Smith3
1Praxis für Kinderpneumologie, Mannheim, 2Praxis für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Kinderpneumologie, Viersen, 3Research in Respiratory Diagnostics, Berlin
Die Lungenfunktionsdiagnostik ist wesentlicher Bestandteil der kinderpneumologischen Diagnostik. Sie kann durch geübte Untersucher bei Kindern ab dem Alter von 3 Jahren erfolgreich durchgeführt werden. Dabei ist insbesondere in den unteren Altersstufen die Kontrolle der erreichten Qualität der Untersuchung von eminenter Bedeutung. Eine gut durchgeführte Lungenfunktionsuntersuchung zeigt in der Regel, ob eine normale Ruhelungenfunktion, eine obstruktive, eine restriktive oder eine kombiniert obstruktiv-restriktive Ventilationsstörung vorliegt. Auch kann ein in der Lungenfunktion erfahrener Arzt bei obstruktiver Ventilationsstörung zwischen zentraler und peripherer Obstruktion unterscheiden. Über das Maß der spirometrischen Basisuntersuchung hinaus liefert die Bodyplethysmographie zusätzliche Informationen, wie den spezifischen Atemwegswiderstand als Globalparameter, den zentral orientierten Atemwegswiderstand und die absoluten Lungenvolumina als Kennwerte der Lungenperipherie. Sowohl Spirometrie als auch Bodyplethysmographie können im Rahmen einer Provokationstestung [1] oder einem Bronchodilatationstest zum Nachweis einer bronchialen Hyperreagibilität oder einer reversiblen bronchialen Obstruktion eingesetzt werden. Der nachfolgende Artikel befasst sich mit der Durchführung, Qualitätssicherung und Befundung von Lungenfunktionsuntersuchungen.Correspondence to:
Dr. med. Marcus Dahlheim
Collinistraße 11
68161 Mannheim
und
Dr. med. Ulrich Umpfenbach
Venloer Str. 67
41751 Viersen
Email: [email protected] und [email protected]
Leitlinie
S3-Leitlinie Allergieprävention
S3 Guideline Allergy Prevention
M.V. Kopp, C. Muche-Borowski, M. Abou-Dakn, B. Ahrens, K. Beyer, K. Blümchen, P. Bubel, A. Chaker, M. Cremer, R. Ensenauer, M. Gerstlauer, U. Gieler, I.M. Hübner, F. Horak, L. Klimek, B.V. Koletzko, S. Koletzko, S. Lau, T. Lob-Corzilius, K. Nemat, E.M.J. Peters, A. Pizzulli†, I. Reese, C. Rolinck-Werninghaus, E. Rouw, B. Schaub, S. Schmidt, J.O. Steiß, A.K. Striegel, Z. Szépfalusi, D. Schlembach, T. Spindler, C. Taube, V. Trendelenburg, R. Treudler, U. Umpfenbach, C. Vogelberg, M. Wagenmann, A. Weißenborn, T. Werfel, M. Worm, H. Sitter und E. Hamelmann
Jahrgang 45 (2022) p. 153 - 194
Abstract
Allergologie, Jahrgang 45, Nr. 3/2022, S. 153-194
S3-Leitlinie Allergieprävention*
M.V. Kopp1**, C. Muche-Borowski2, M. Abou-Dakn3, B. Ahrens4, K. Beyer5, K. Blümchen4, P. Bubel6, A. Chaker7, M. Cremer8, R. Ensenauer9, M. Gerstlauer10, U. Gieler11, I.M. Hübner12, F. Horak13, L. Klimek14, B.V. Koletzko15, S. Koletzko16, S. Lau5, T. Lob-Corzilius17, K. Nemat18, E.M.J. Peters11, A. Pizzulli†19, I. Reese20, C. Rolinck-Werninghaus21, E. Rouw22, B. Schaub23, S. Schmidt24, J.O. Steiß25, A.K. Striegel26, Z. Szépfalusi27, D. Schlembach28, T. Spindler29, C. Taube30, V. Trendelenburg5, R. Treudler31, U. Umpfenbach32, C. Vogelberg33, M. Wagenmann34, A. Weißenborn35, T. Werfel36, M. Worm37, H. Sitter38 und E. Hamelmann39**
1Airway Research Center North, Universität zu Lübeck, Mitglied des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, Universitätsklinik für Kinderheilkunde, Inselspital, Bern, Schweiz, 2Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, 3Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Tempelhof, 4Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Frankfurt, 5Immunologie und Intensivmedizin, Klinik für Pädiatrie m.S. Pneumologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, 6HNO-Facharztpraxis, Eisleben, 7HNO-Klinik, Klinikum rechts der Isar, TU München, München, 8Ökotrophologin, Journalistin, Idstein/Taunus, 9Institut für Kinderernährung, Max Rubner-Institut, Karlsruhe, 10Kinderklinik, Universitätsklinikum Augsburg, 11Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des UKGM, Universitätsklinik, Giessen, 12Arbeitsgemeinschaft Dermatologiche Prävention e.V., Hamburg, 13Allergiezentrum Wien West, Wien, Österreich, 14Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 15Integriertes Sozialpädiatrisches Zentrum, Dr. von Haunerschen Kinderspital, LMU Klinikum der Universität München, München, 16Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung, Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU Klinikum der Universität München, München, 17Kinder- und Jugendmedizin, Christliches Kinderhospital Osnabrück, 18Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt, Dresden, 19Schwerpunktpraxis für Allergologie und Lungenheilkunde im Kinder- und Jugendalter, Berlin, 20Ernährungsberatung und -therapie mit Schwerpunkt Allergologie, München, 21Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Berlin, 22Kinderarztpraxis, Bühl, 23Asthma- und Allergieambulanz, Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU Klinikum der Universität, München, 24Allgemeine Pädiatrie, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, 25Facharztpraxis für Kinder- und Jugendmedizin, Fulda, 26Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum, Köln, 27Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich, 28Klinik für Geburtsmedizin, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin, 29Hochgebirgsklinik Davos, Schweiz, 30Klinik für Pneumologie, Ruhrlandklinik, Westdeutsches Lungenzentrum am Universitätsklinikum, Essen, 31Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipziger Allergie-Centrum LICA – CAC, Universitätsmedizin, Leipzig, 32Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Dülken, 33Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität, Dresden, 34HNO-Klinik, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf, 35Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin, 36Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, 37Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Campus Charité Mitte, Universitätsmedizin Berlin, Berlin, 38Institut für Chirurgische Forschung, Philipps-Universität, Marburg, 39Kinder-Zentrum Bethel, Evangelisches Klinikum Bethel, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum OWL, Universität Bielefeld, Bielefeld
Hintergrund: Die anhaltend hohe Prävalenz allergischer Erkrankungen in westlichen Industrienationen und die eingeschränkten Möglichkeiten einer kausalen Therapie machen eine evidenzbasierte Primärprävention notwendig. Methoden: Die Empfehlungen der in letzter Fassung 2014 veröffentlichten S3-Leitlinie Allergieprävention wurden auf der Basis einer aktuellen systematischen Literatursuche überarbeitet und konsentiert. Die Evidenzsuche erfolgte für den Zeitraum 06/2013 – 11/2020 in den elektronischen Datenbanken Cochrane und MEDLINE, sowie in den Referenzlisten von aktuellen Übersichtsarbeiten und durch Hinweise von Experten. Die aufgefundene Literatur wurde in zwei Filterprozessen zunächst nach Titel und Zusammenfassung und die verbliebenen Arbeiten im Volltext auf Relevanz hin überprüft. Die danach eingeschlossenen Studien wurden nach Evidenzgrade geordnet und die Studienqualität i.S. des Verzerrungspotenzials (niedrig/hoch) angegeben. Die überarbeiteten Empfehlungen wurden unter Beteiligung von Vertretern der relevanten Fachgesellschaften und (Selbsthilfe-)Organisationen formal abgestimmt und konsentiert (nominaler Gruppenprozess). Von 5.681 Treffern wurden 286 Studien eingeschlossen und bewertet. Ergebnisse: Einen wichtigen Stellenwert in der aktualisierten Leitlinie nehmen wieder Empfehlungen zur Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie des Säuglings in den ersten Lebensmonaten ein: Dabei wurden viele der bisherigen Empfehlungen durch die aktuelle Datenlage bestätigt. Präzisiert wurde, dass für den Zeitraum der ersten 4 – 6 Monate nach Geburt nach Möglichkeit ausschließlich gestillt werden soll und auch mit Einführung von Beikost weitergestillt werden soll. Neu ist die Empfehlung, dass eine Zufütterung von kuhmilchbasierter Formulanahrung in den ersten Lebenstagen bei Stillwunsch der Mutter vermieden werden sollte. Ferner wurde festgestellt, dass die Evidenz für eine klare positive Empfehlung für hydrolysierte Säuglingsnahrung bei nicht gestillten Risikokindern aktuell nicht mehr ausreicht. Aktuell wird daher empfohlen zu prüfen, ob bis zur Einführung von Beikost eine Säuglingsanfangsnahrung mit in Studien zur Allergieprävention nachgewiesener Wirksamkeit verfügbar ist. Schließlich wurden auf Basis der EAACI-Leitlinie zur Prävention der Hühnereiallergie die Empfehlung ausgesprochen, durcherhitztes (zum Beispiel verbackenes oder hartgekochtes), aber nicht „rohes“ Hühnerei (auch kein Rührei) mit der Beikost einzuführen und regelmäßig weiter zu geben. Die Empfehlung zur Einführung von Erdnuss in der Beikost wurde für den deutschsprachigen Raum zurückhaltend formuliert: In Familien mit bereits bestehendem regelmäßigem Erdnusskonsum kann zur Prävention einer Erdnussallergie bei Säuglingen mit atopischer Dermatitis (AD) die regelmäßige Gabe von erdnusshaltigen Nahrungsmitteln in altersgerechter Form (zum Beispiel Erdnussbutter) mit der Beikost erwogen werden. Vor der Einführung muss insbesondere bei Säuglingen mit moderater bis schwerer AD eine klinisch relevante Erdnussallergie ausgeschlossen werden. Für eine allergiepräventive Wirksamkeit von Präbiotika oder Probiotika, Vitamin D oder anderen Vitaminen in Form von Präparaten fehlt weiterhin ausreichende Evidenz, sodass in der aktuellen Leitlinie erstmals Empfehlungen gegen deren Supplementierung verabschiedet wurden. Die Biodiversität spielt für die Entwicklung einer immunologischen Toleranz gegenüber Umwelt- und Nahrungsmittelallergenen eine wichtige Rolle: So gibt es deutliche Hinweise darauf, dass das Aufwachsen auf dem Bauernhof mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung von Asthma und allergischen Erkrankungen assoziiert ist. Dies wird mit einer frühzeitigen unspezifischen Immunstimulation unter anderem durch die größere mikrobielle Biodiversität des Hausstaubs in diesem Lebensraum in Verbindung gebracht. Dieser Aspekt spiegelt sich auch in den Empfehlungen zur Tierhaltung wie der, zu der eine differenzierte Stellungnahme erfolgte: In Familien ohne erkennbares erhöhtes Allergierisiko soll die Haustierhaltung mit Katzen oder Hunden nicht generell eingeschränkt werden. Familien mit erhöhtem Allergierisiko (d. h. Vater, Mutter oder Geschwisterkind sind von einer atopischen Erkrankung betroffen) oder Familien mit Kindern mit bereits bestehender atopischer Dermatitis sollten eine Katze nicht neu anschaffen – im Gegensatz dazu sollte von einer Hundehaltung jedoch nicht abgeraten werden. Interventionen zur Reduktion der Exposition gegenüber Hausstaubmilbenallergenen im Haushalt, zum Beispiel die Verwendung milbenallergendichter Matratzenüberzüge („encasings“), sollten nicht mit dem Ziel einer primären Allergieprävention erfolgen. Kinder, die durch einen Kaiserschnitt geboren wurden, haben ein geringfügig erhöhtes Asthmarisiko – dies soll bei der Beratung zum Geburtsmodus außerhalb von Notfallsituationen berücksichtigt werden. Auch aktuelle Arbeiten stützen die Empfehlungen zu Luftschadstoffen: Die aktive und passive Exposition gegenüber Tabakrauch erhöhen das Allergierisiko und sind deshalb zu vermeiden. Die Exposition gegenüber Stickoxiden, Ozon und Feinstaub der Partikelgröße < 2,5 Mikrometer (PM 2,5) ist mit einem erhöhten Risiko, besonders für Asthma, verbunden. Daher sollte die Exposition gegenüber Emissionen gegenüber Stickoxiden, Ozon und Feinstaub (PM 2,5) gering gehalten werden. Die Autor/-innen dieser Leitlinie sprechen sich einhellig für den Erlass entsprechender Verordnungen zur Minimierung dieser Luftschadstoffe aus. Es gibt keine Belege, dass Impfungen das Allergierisiko erhöhen, umgekehrt aber Hinweise, dass Impfungen das Allergierisiko senken können. Alle Kinder, auch Risikokinder, sollen auch aus Gründen der Allergieprävention nach den aktuellen Empfehlungen der STIKO geimpft werden. Schlussfolgerung: Die Konsentierung von Empfehlungen in dieser Leitlinie beruht auf einer umfangreichen Evidenzgrundlage. Die Aktualisierung der Leitlinie ermöglicht evidenzbasierte und aktuelle Empfehlungen zur Prävention allergischer Erkrankungen.Correspondence to:
Prof. Dr. Matthias Kopp
Medizinbereich Kinder und Jugendliche
Insel Gruppe AG, Inselspital, Universität Bern
Freiburgstrasse 15, 3010 Bern, Schweiz
und
Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann
Kinder-Zentrum Bethel, Evangelisches Klinikum Bethel
Universität Bielefeld
Burgsteig 13
33617 Bielefeld
Email: [email protected] und [email protected]
Ambulante pädiatrische Pneumologie
Start zur „grünen“ Kinderpneumologie- Praxis
Start of the „green“ pediatric pneumology doctor`s office
H.U. Umpfenbach
Price
42.00 $
Jahrgang 50 (2024) p. 12 - 18
Abstract
Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 50, Nr. 1/2024, S. 12-18
Start zur „grünen“ Kinderpneumologie- Praxis
H.U. Umpfenbach
Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Viersen-Dülken
Der Klimawandel erfordert auch in der kinderpneumologischen Praxis konkrete klimaneutrale Maßnahmen. Wichtig ist es, das Bewusstsein für die Problematik der CO2-Emission bei Ärzten und ihren Mitarbeitern, aber auch – soweit möglich – bei Patienten und ihren Angehörigen zu wecken, damit das notwendige Engagement für konsequentes Handeln gebahnt wird. Letztlich können (müssen) in einer kinderärztlichen Praxis alle Bereiche des täglichen Lebens einer gründlichen Prüfung unterzogen werden.Correspondence to:
Dr. med. Hans-Ulrich Umpfenbach
Praxis für Kinder- und Jugendmedizin
Venloer Str. 67
41751 Viersen-Dülken
Email: [email protected]
Übersicht
Klimawandel und Allergie im Kindesalter
Climate change and childhood allergy
J.O. Steiß und U. Umpfenbach
Price
42.00 $
Jahrgang 49 (2026) p. 105 - 114
Abstract
Allergologie, Jahrgang 49, Nr. 3/2026, S. 105-114
Klimawandel und Allergie im Kindesalter
J.O. Steiß1#2 und U. Umpfenbach3
1Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Gießen, 2Schwerpunktpraxis Kinder-Pneumologie und Allergologie, Fulda, 3Schwerpunktpraxis Kinder-Pneumologie und Allergologie, Viersen
Allergische Erkrankungen zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und weisen seit Jahren eine anhaltend hohe Prävalenz auf. Parallel hierzu verändern sich Umwelt- und Klimabedingungen in erheblichem Ausmaß. Dazu gehören verlängerte Vegetations- und Pollensaisons, eine erhöhte Pollenbelastung, das Auftreten neuer Allergenquellen durch invasive Pflanzenarten, die Ausbreitung vektorassoziierter Infektionskrankheiten infolge veränderter Insektenpopulationen sowie hohe Belastungen durch Luft- und Innenraumschadstoffe. Diese Faktoren beeinflussen sowohl die Entstehung als auch den Verlauf sowie die Versorgung allergischer Erkrankungen und wirken sich direkt und indirekt auf die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, erläutert relevante klimatische und umweltmedizinische Wirkmechanismen und beleuchtet spezifische Vulnerabilitäten im Kindesalter. Daraus werden Implikationen für klinische Versorgung, Präventionsstrategien und gesundheitspolitische Maßnahmen abgeleitet. Abschließend werden bestehende Forschungslücken identifiziert und konkrete Handlungsempfehlungen für Praxis, Public Health und zukünftige Forschung formuliert.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Jens-Oliver Steiß
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin,
Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Justus-Liebig-Universität Gießen
Feulgenstraße 12
35385 Gießen
Email: [email protected]