Nahrungsmittelprovokationen
Durchführung von Nahrungsmittelprovokationen in Kliniken und Tageskliniken
Food challenge testing in hospitals and day hospitals
L. Lange1, S. Gernert, H. Ott und A. Arens
Price
42.00 $
Jahrgang 39 p. 508 - 514
Abstract
Allergologie, Jahrgang 42, Nr. 11/2016, S. 508-514
Durchführung von Nahrungsmittelprovokationen in Kliniken und Tageskliniken
L. Lange1, S. Gernert1, H. Ott2 und A. Arens2
1St. Marien-Hospital, Bonn, 2Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult, Hannover
Die Durchführung von Nahrungsmittelprovokationen ist für die Diagnostik einer Nahrungsmittelallergie häufig unerlässlich, um Fehldiagnosen zu verhindern. Solche Provokationen sind aufwändig und auch in erfahrenen Händen nicht risikolos durchführbar. Sie erfordern ein erfahrenes Team aus Allergologen, Ernährungsfachkräften und anderen medizinischen Fachkräften wie Krankenschwestern. Die unmittelbare Nähe einer Intensivstation ist bei Patienten mit dem Risiko für schwere allergische Reaktionen notwendig. Dies bedingt, dass derartige Provokationen in aller Regel in Kliniken oder angeschlossenen Tageskliniken durchgeführt werden müssen. Diese Übersicht beschreibt die notwendigen organisatorischen Bedingungen für die Planung und Durchführungen von Nahrungsmittelprovokationen in derartigen Einrichtungen.Correspondence to:
Dr. Lars Lange
Abteilung für Pädiatrie
St. Marien-Hospital
Robert-Koch-Straße 1
53115 Bonn
Email: [email protected]
Transition
Transition bei Nahrungsmittelallergien
Transition in food allergies
S. Gernert, I. Reese und L. Lange
Price
42.00 $
Jahrgang 40 (2017) p. 385 - 390
Abstract
Allergologie, Jahrgang 40, Nr. 9/2017, S. 385-390
Transition bei Nahrungsmittelallergien
S. Gernert1, I. Reese2 und L. Lange1
1St. Marien-Hospital, Bonn, 2Praxis für Ernährungsberatung und -therapie, München
Die Transition von Kindern mit primären Nahrungsmittelallergien von der Betreuung beim Kinderarzt in die Erwachsenenmedizin stellt eine besondere Herausforderung dar. Ein zentraler Unterschied ist, dass Kinderärzte in der Regel alle von der Allergie betroffenen Organsysteme behandeln, während in der Erwachsenenmedizin meist eher eine Betreuung bei mehreren Fachärzten erfolgt, die sich mit schwerpunktmäßig einzelnen Organsystemen widmen. Hier können zum Beispiel allergologisch versierte Ernährungsfachkräfte ein Bindeglied darstellen. Es ist empfehlenswert, vor Eintritt in das Erwachsenenalter den aktuellen Status quo der Nahrungsmittelallergie zu überprüfen. Hierzu gehört eine erneute Diagnostik um zu überprüfen welche Allergien und Risikofaktoren in welcher Ausprägung bestehen. Zusätzlich müssen die Jugendlichen mit dem Ziel eines kompetenten Selbstmanagements geschult werden.Correspondence to:
Dr. Lars Lange
St. Marien-Hospital
Abteilung für Pädiatrie
Robert-Koch-Str. 1
53115 Bonn
Email: [email protected]
Nahrungsmittelallergie
Akute FPIES-Reaktionen nach negativer Provokation – Bericht über 3 Fälle
Acute FPIES after a negative challenge – a report of 3 cases
L. Lange und S. Gernert
Price
42.00 $
Jahrgang 44 (2021) p. 548 - 553
Abstract
Allergologie, Jahrgang 44, Nr. 7/2021, S. 548-553
Akute FPIES-Reaktionen nach negativer Provokation – Bericht über 3 Fälle
L. Lange und S. Gernert
Abteilung für Pädiatrie, GFO-Kliniken Bonn, St. Marien-Hospital
Das Food Protein-induced Enterocolitis Syndrome (FPIES) ist eine schwere immunologisch, nicht IgE-vermittelte Unverträglichkeitsreaktion auf Nahrungsmittel, die vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern beobachtet wird. Es gibt keine laborchemischen Marker zur Diagnostik oder Vorhersage weiterer Reaktionen. Da ein Teil der Kinder auf mehrere Nahrungsmittel reagiert, erfolgt die Einführung neuer Nahrungsmittel mit einem Risiko für die Entwicklung weiterer FPIES-typischer Unverträglichkeitsreaktionen teilweise unter stationärer Überwachung. Wir berichten hier drei Fälle, bei denen die Kinder nach negativer stationärer Exposition einige Tage später zu Hause allergisch reagierten. Als Konsequenz empfehlen wir, neu eingeführte Nahrungsmittel mit einem hohen Risiko für die Entwicklung eines akuten FPIES nach einer negativen Provokation ohne wesentliche Pause regelmäßig weiter zu verabreichen.Correspondence to:
Dr. med. Lars Lange
Abteilung für Pädiatrie
GFO-Kliniken Bonn, St. Marien-Hospital
Robert-Koch-Straße 1
53115 Bonn
Email: [email protected]
Gastrointestinale nicht IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien
FPIES: Daten für Deutschland im internationalen Vergleich
FPIES: data for Germany in international comparison
S. Gernert, A. Finger und L. Lange
Price
42.00 $
Jahrgang 45 (2022) p. 734 - 741
Abstract
Allergologie, Jahrgang 45, Nr. 10/2022, S. 734-741
FPIES: Daten für Deutschland im internationalen Vergleich
S. Gernert1, A. Finger1#2 und L. Lange1
1GFO-Kliniken, Bonn, St. Marien-Hospital, Abteilung für Pädiatrie, 2Helios Universitätsklinikum Wuppertal, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Das Food protein-induced enterocolitis syndrome (FPIES) ist eine seltene, nicht IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie. Die auslösenden Nahrungsmittel unterscheiden sich deutlich von den typischen Auslösern einer IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie. Bis vor kurzem gab es keine Daten zu Auslösern von FPIES in Deutschland. Um eine Beratungsgrundlage für die Betreuung deutscher Patienten zu schaffen wurde eine große Multicenter-Studie initiiert und Ende 2021 veröffentlicht. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede im internationalen Vergleich. Häufigste Auslöser für FPIES in Deutschland sind Kuhmilch, Fisch, Gemüse und Fleisch. Die meisten Kinder (84%) reagieren nur auf ein Nahrungsmittel. Die Prognose ist abhängig vom Auslöser meist gut. Für die Beratung von Patienten mit FPIES sollten regionale Daten verwendet werden. In diesem Artikel werden hierfür konkrete Empfehlungen gegeben.
Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren:


Zitierung:
Gernert S, Finger A, Lange L. FPIES: Data for Germany in international comparison. Allergol Select. 2022; 6: 233-240. DOI 10.5414/ALX02363ECorrespondence to:
Dr. Sunhild Gernert
Abteilung für Pädiatrie
GFO-Kliniken Bonn
Sr. Marien-Hospital
Robert-Koch-Str. 1, 53115 Bonn
Email: [email protected]
Leitlinie
Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie
Diagnosis and treatment of Hymenoptera venom allergy
F. Ruëff, A. Bauer, S. Becker, R. Brehler, K. Brockow, A.M. Chaker, U. Darsow, J. Fischer, T. Fuchs, M. Gerstlauer, S. Gernert, E. Hamelmann, W. Hötzenecker, L. Klimek, L. Lange, H. Merk, N.K. Mülleneisen, I. Neustädter, W. Pfützner, W. Sieber, H. Sitter, C. Skudlik, R. Treudler, B. Wedi, S. Wöhrl, M. Worm und T. Jakob
Price
42.00 $
Jahrgang 46 (2023) p. 649 - 689
Abstract
Allergologie, Jahrgang 46, Nr. 10/2023, S. 649-689
Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie
F. Ruëff1, A. Bauer2, S. Becker3, R. Brehler4, K. Brockow5, A.M. Chaker6, U. Darsow5, J. Fischer7, T. Fuchs8, M. Gerstlauer9, S. Gernert10, E. Hamelmann11, W. Hötzenecker12, L. Klimek13, L. Lange10, H. Merk14, N.K. Mülleneisen15, I. Neustädter16, W. Pfützner17, W. Sieber18, H. Sitter19, C. Skudlik20, R. Treudler21, B. Wedi22, S. Wöhrl23, M. Worm24 und T. Jakob25
1Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technischen Universität Dresden, 3Universität HNO-Klinik, Tübingen, 4Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatologie und Umweltmedizin, Universitätsklinikum Münster, 5Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München, 6Universität HNO-Klinik, Technische Universität München, 7Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum Oldenburg, 8Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, 9Klinik für Kinder und Jugendliche, Universitätsklinikum Augsburg, 10Abteilung für Pädiatrie, St. Marien- Hospital, GFO Kliniken, Bonn, 11Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Zentrum Bethel, Universitätsklinikum OWL, Universität Bielefeld, 12Med Campus III, Kepler Universitätsklinikum GmbH, Linz, Österreich, 13Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 14Klinik für Dermatologie und Allergologie, Rheinisch- Westfälische Technische Hochschule Aachen, 15Asthma-Allergiezentrum, Leverkusen, 16Cnopfsche Kinderklinik, Nürnberg, 17Klinik für Dermatologie und Allergologie, UKGM Standort Marburg, Philipps-Universität Marburg, 18Krankenhaus Wörth an der Donau, 19Institut für Theoretische Chirurgie, Philipps-Universität Marburg, 20Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück und BG Klinikum Hamburg, Osnabrück und Hamburg, 21Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universität Leipzig, 22Comprehensive Allergy Center, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover, 23Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ), Wien, Österreich, 24Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité Mitte, Berlin, 25Klinik für Dermatologie und Allergologie, UKGM Standort Gießen, Justus Liebig Universität Gießen
Bei einem Stich von Hymenopteren (Blattflügler) wie zum Beispiel Bienen oder Wespen wird Hymenopterengift (HG) in die Haut injiziert. Einige Bestandteile der HGe sind potenzielle Allergene und können bei entsprechend sensibilisierten Individuen verstärkte lokale und/oder systemische allergische Reaktionen (SAR) verursachen. Etwa 3% der Allgemeinbevölkerung entwickeln im Lauf ihres Lebens SAR nach einem Hymenopterenstich. Diese Leitlinie stellt das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei SAR nach einem Hymenopterenstich dar. Nach einer verstärkten lokalen Reaktion ist i. d. R. zwar eine symptomatische Therapie, jedoch keine spezifische Diagnostik oder eine Allergen-Immuntherapie mit HG (HG-AIT) erforderlich. Nach einer SAR sollen in der Anamnese mögliche Risikofaktoren für häufigere Stichereignisse und für schwerer verlaufende anaphylaktische Reaktionen erfasst werden. Für schwerere Reaktionen stellen Mastzellerkrankungen und vor allem im Kindesalter unkontrolliertes Asthma die wichtigsten Risikofaktoren dar. Daher sollen ab einer über die Haut hinausgehenden SAR (gemäß Klassifikation nach Ring und Messmer > Schweregrad I) zur Erfassung einer möglichen Mastozytose eine Bestimmung der basalen Serumtryptase und eine Hautinspektion erfolgen. Nach Asthmasymptomen soll gezielt gefragt werden. Der Nachweis einer HG-Sensibilisierung erfolgt mittels Bestimmung von spezifischen IgE-Antikörpern (sIgE) gegen Bienen- und/oder Wespengift bzw. deren Komponenten, gegebenenfalls auch gegen andere Gifte. Bei negativen Testergebnissen, die weniger als 2 Wochen nach der Stichreaktion erhoben wurden, sollen die Tests wiederholt werden (frühestens ab 4 – 6 Wochen nach der Stichreaktion). Wurde primär nur die Bestimmung von sIgE gegen die Gesamtgiftextrakte vorgenommen, soll bei Doppelsensibilisierung oder einem nicht plausiblen Ergebnis eine Testung von sIgE gegen die verschiedenen Giftkomponenten erfolgen. Hauttests können unterbleiben, wenn mit In-vitro-Verfahren bereits eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Kann weder mittels Labordiagnostik noch mittels Hauttests eine therapierelevante Entscheidung getroffen werden, können gegebenenfalls zusätzlich zelluläre Tests durchgeführt werden. Die Therapie einer HG-Allergie umfasst Expositionsprophylaxe, Selbsthilfemaßnahmen des Patienten (einschließlich der Anwendung einer Notfallmedikation) bei erneutem Stich und eine HG-AIT. Nach einer SAR vom Schweregrad I und wenn keine sonstigen Risikofaktoren für häufigere Stiche oder schwerere Verläufe einer Anaphylaxie vorliegen, sind weder die Verordnung eines Adrenalin-Autoinjektors (AAI) noch die Durchführung einer HG-AIT erforderlich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch bei vorangegangener SAR vom Schweregrad I eine AIT vorgenommen werden, zum Beispiel bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Einschränkung der Lebensqualität durch eine unterlassene HG-AIT. Kontraindikationen der HG-AIT sind zu beachten, wobei sie in begründeten Einzelfällen unter Abwägung von Nutzen und Risiko dennoch erfolgen kann. Die Anwendung von Betablockern und ACE-Hemmern stellen keine Kontraindikation für die Durchführung einer HG-AIT dar. Die Patienten sollten über mögliche Interaktionen aufgeklärt werden. Für die HG-AIT soll der Giftextrakt verwendet werden, der gemäß der Anamnese und der Ergebnisse der allergologischen Diagnostik krankheitsursächlich war. Ist bei Doppel-Sensibilisierung und unklarer Anamnese hinsichtlich des Auslösers auch mit zusätzlichen diagnostischen Verfahren keine Festlegung auf das krankheitsursächliche Gift möglich, soll eine HG-AIT mit beiden Giftextrakten erfolgen. Die Standarderhaltungsdosis der HG-AIT beträgt 100 µg HG. Bei Bienengiftallergie und erhöhtem Stichrisiko oder dem Risiko für besonders schwere Anaphylaxie kann bei Erwachsenen ab Beginn eine Erhaltungsdosis von 200 µg erwogen werden. Die Gabe eines nicht sedierenden H1-blockierenden Antihistaminikums zur Minderung von Nebenwirkungen ist möglich. Die Erhaltungsdosis sollte im 1. Jahr im Abstand von 4 Wochen und, unter Berücksichtigung der Herstellerinformationen je nach verwendetem Präparat ab dem 2. Jahr alle 5 – 6 Wochen erfolgen, bei Verwendung eines Depotpräparats kann ab dem 3. Jahr das Intervall auf 8 Wochen ausgedehnt werden. Im Falle bedeutsamer wiederholt auftretender Systemreaktionen im Zuge der HG-AIT sollen diese Reaktion begünstigende Ko-Faktoren ermittelt und ausgeschaltet werden. Ist dieses nicht möglich oder liegen keine entsprechenden Ko-Faktoren vor, ist eine präventive Gabe eines H1-blockierenden Antihistaminikum nicht wirksam und hat eine Höherdosierung der HG-AIT nicht eine Verträglichkeit der HG-AIT bewirkt, sollte eine begleitende Behandlung mit einem Anti-IgE-Antikörper (Omalizumab) im Rahmen eines Off-label-use vorgenommen werden. Unter stationärer Überwachung und Notfallbereitschaft vorzunehmende Stichprovokationen zur Überprüfung des Therapieerfolges können aus Praktikabilitätsgründen nur wenigen Patienten angeboten werden. Voraussetzung dafür ist, dass die HG-AIT in der geplanten Erhaltungsdosis vertragen wird. Wenn unter Anwendung eines ACE-Hemmers ein Therapieversagen evident ist, sollte das Absetzen des ACE-Hemmers erwogen werden. Bei fehlender Toleranzinduktion soll eine Erhöhung der Erhaltungsdosis auf 200 µg bis maximal 400 µg, bei Kindern maximal 200 µg HG erfolgen. Falls sich auch durch eine Erhöhung der Erhaltungsdosis kein ausreichender Schutz erreichen lässt und Risikofaktoren für eine schwere Verlaufsform der Anaphylaxie nach Stich bestehen, sollte während der relevanten Insektenflugzeit eine Komedikation mit einem Anti-IgE-Antikörper (Omalizumab) im Rahmen eines Off-label-use erwogen werden. Bei Patienten ohne besondere Risikokonstellationen kann die HG-AIT nach 3 – 5 Jahren beendet werden, sofern die Erhaltungstherapie ohne wiederholte anaphylaktische Nebenwirkungen vertragen wurde. Eine längere bzw. dauerhafte HG-AIT kann erwogen werden u. a. bei Vorliegen einer Mastozytose, Z. n. Herz-/Kreislauf- oder Atemstillstand aufgrund eines Hymenopterenstichs (Schweregrad IV) oder anderen besonderen Konstellationen für ein erhöhtes individuelles Risiko erneuter und/oder schwerer SAR (zum Beispiel hereditäre Alpha-Tryptasämie). Bei stark erhöhter, nicht vermeidbarer Insektenexposition kann bei Erwachsenen die HG-AIT bis zum Ende des intensiven Kontaktes erfolgen. Auf die Verordnung eines AAI kann bei Patienten mit Anamnese eines SAR Schweregrad I bzw. II und fehlendem Vorliegen von Risikofaktoren verzichtet werden, wenn die Erhaltungsdosis einer HG-AIT erreicht und vertragen wurde, ebenso nach Beendigung einer HG-AIT. Bei Patienten mit SAR Schweregrad > III oder bei Patienten mit SAR Schweregrad II und zusätzlichen Risikofaktoren für ein Nicht-Ansprechen auf die HG-AIT oder eine erneute schwere Stichreaktion, sollen diese sowohl während als auch nach Ende der HG-AIT ein Notfallset mit AAI mitführen.
Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren
Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren


Zitierung:
Ruëff F, Bauer A, Becker S, Brehler R, Brockow K, Chaker AM, Darsow U, Fischer J, Fuchs T, Gerstlauer M, Gernert S, Hamelmann E, Hötzenecker W, Klimek L, Lange L, Merk H, Mülleneisen NK, Neustädter I, Pfützner W, Sieber W, Sitter H, Skudlik C, Treudler R, Wedi B, Wöhrl S, Worm M, Jakob T. Diagnosis and treatment of Hymenoptera venom allergy. Allergol Select. 2023; 7: 154-190.
DOI 10.5414/ALX02430ECorrespondence to:
Prof. Dr. med. Franziska Ruëff
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum der Universität München
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Email: [email protected]
Leitlinie
Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie
Diagnosis and treatment of Hymenoptera venom allergy
F. Ruëff, A. Bauer, S. Becker, R. Brehler, K. Brockow, A.M. Chaker, U. Darsow, J. Fischer, T. Fuchs, M. Gerstlauer, S. Gernert, E. Hamelmann, W. Hötzenecker, L. Klimek, L. Lange, H. Merk, N.K. Mülleneisen, I. Neustädter, W. Pfützner, W. Sieber, H. Sitter, C. Skudlik, R. Treudler, B. Wedi, S. Wöhrl, M. Worm und T. Jakob
Jahrgang 72 (2024) p. 16 - 55
Abstract
Dermatologie in Beruf und Umwelt, Jahrgang 72, Nr. 1/2024, S. 16-55
Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie
F. Ruëff1, A. Bauer2, S. Becker3, R. Brehler4, K. Brockow5, A.M. Chaker6, U. Darsow5, J. Fischer7, T. Fuchs8, M. Gerstlauer9, S. Gernert10, E. Hamelmann11, W. Hötzenecker12, L. Klimek13, L. Lange10, H. Merk14, N.K. Mülleneisen15, I. Neustädter16, W. Pfützner17, W. Sieber18, H. Sitter19, C. Skudlik20, R. Treudler21, B. Wedi22, S. Wöhrl23, M. Worm24 und T. Jakob25
1Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technischen Universität Dresden, 3Universität HNO-Klinik, Tübingen, 4Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatologie und Umweltmedizin, Universitätsklinikum Münster, 5Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München, 6Universität HNO-Klinik, Technische Universität München, 7Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum Oldenburg, 8Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, 9Klinik für Kinder und Jugendliche, Universitätsklinikum Augsburg, 10Abteilung für Pädiatrie, St. Marien- Hospital, GFO Kliniken, Bonn, 11Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Zentrum Bethel, Universitätsklinikum OWL, Universität Bielefeld, 12Med Campus III, Kepler Universitätsklinikum GmbH, Linz, Österreich, 13Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 14Klinik für Dermatologie und Allergologie, Rheinisch- Westfälische Technische Hochschule Aachen, 15Asthma-Allergiezentrum, Leverkusen, 16Cnopfsche Kinderklinik, Nürnberg, 17Klinik für Dermatologie und Allergologie, UKGM Standort Marburg, Philipps-Universität Marburg, 18Krankenhaus Wörth an der Donau, 19Institut für Theoretische Chirurgie, Philipps-Universität Marburg, 20Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück und BG Klinikum Hamburg, Osnabrück und Hamburg, 21Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universität Leipzig, 22Comprehensive Allergy Center, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover, 23Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ), Wien, Österreich, 24Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité Mitte, Berlin, 25Klinik für Dermatologie und Allergologie, UKGM Standort Gießen, Justus Liebig Universität Gießen
Bei einem Stich von Hymenopteren (Blattflügler) wie zum Beispiel Bienen oder Wespen wird Hymenopterengift (HG) in die Haut injiziert. Einige Bestandteile der HGe sind potenzielle Allergene und können bei entsprechend sensibilisierten Individuen verstärkte lokale und/oder systemische allergische Reaktionen (SAR) verursachen. Etwa 3% der Allgemeinbevölkerung entwickeln im Lauf ihres Lebens SAR nach einem Hymenopterenstich. Diese Leitlinie stellt das diagnostische und therapeutische Vorgehen bei SAR nach einem Hymenopterenstich dar. Nach einer verstärkten lokalen Reaktion ist i. d. R. zwar eine symptomatische Therapie, jedoch keine spezifische Diagnostik oder eine Allergen-Immuntherapie mit HG (HG-AIT) erforderlich. Nach einer SAR sollen in der Anamnese mögliche Risikofaktoren für häufigere Stichereignisse und für schwerer verlaufende anaphylaktische Reaktionen erfasst werden. Für schwerere Reaktionen stellen Mastzellerkrankungen und vor allem im Kindesalter unkontrolliertes Asthma die wichtigsten Risikofaktoren dar. Daher sollen ab einer über die Haut hinausgehenden SAR (gemäß Klassifikation nach Ring und Messmer > Schweregrad I) zur Erfassung einer möglichen Mastozytose eine Bestimmung der basalen Serumtryptase und eine Hautinspektion erfolgen. Nach Asthmasymptomen soll gezielt gefragt werden. Der Nachweis einer HG-Sensibilisierung erfolgt mittels Bestimmung von spezifischen IgE-Antikörpern (sIgE) gegen Bienen- und/oder Wespengift bzw. deren Komponenten, gegebenenfalls auch gegen andere Gifte. Bei negativen Testergebnissen, die weniger als 2 Wochen nach der Stichreaktion erhoben wurden, sollen die Tests wiederholt werden (frühestens ab 4 – 6 Wochen nach der Stichreaktion). Wurde primär nur die Bestimmung von sIgE gegen die Gesamtgiftextrakte vorgenommen, soll bei Doppelsensibilisierung oder einem nicht plausiblen Ergebnis eine Testung von sIgE gegen die verschiedenen Giftkomponenten erfolgen. Hauttests können unterbleiben, wenn mit In-vitro-Verfahren bereits eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Kann weder mittels Labordiagnostik noch mittels Hauttests eine therapierelevante Entscheidung getroffen werden, können gegebenenfalls zusätzlich zelluläre Tests durchgeführt werden. Die Therapie einer HG-Allergie umfasst Expositionsprophylaxe, Selbsthilfemaßnahmen des Patienten (einschließlich der Anwendung einer Notfallmedikation) bei erneutem Stich und eine HG-AIT. Nach einer SAR vom Schweregrad I und wenn keine sonstigen Risikofaktoren für häufigere Stiche oder schwerere Verläufe einer Anaphylaxie vorliegen, sind weder die Verordnung eines Adrenalin-Autoinjektors (AAI) noch die Durchführung einer HG-AIT erforderlich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch bei vorangegangener SAR vom Schweregrad I eine AIT vorgenommen werden, zum Beispiel bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Einschränkung der Lebensqualität durch eine unterlassene HG-AIT. Kontraindikationen der HG-AIT sind zu beachten, wobei sie in begründeten Einzelfällen unter Abwägung von Nutzen und Risiko dennoch erfolgen kann. Die Anwendung von Betablockern und ACE-Hemmern stellen keine Kontraindikation für die Durchführung einer HG-AIT dar. Die Patienten sollten über mögliche Interaktionen aufgeklärt werden. Für die HG-AIT soll der Giftextrakt verwendet werden, der gemäß der Anamnese und der Ergebnisse der allergologischen Diagnostik krankheitsursächlich war. Ist bei Doppel-Sensibilisierung und unklarer Anamnese hinsichtlich des Auslösers auch mit zusätzlichen diagnostischen Verfahren keine Festlegung auf das krankheitsursächliche Gift möglich, soll eine HG-AIT mit beiden Giftextrakten erfolgen. Die Standarderhaltungsdosis der HG-AIT beträgt 100 µg HG. Bei Bienengiftallergie und erhöhtem Stichrisiko oder dem Risiko für besonders schwere Anaphylaxie kann bei Erwachsenen ab Beginn eine Erhaltungsdosis von 200 µg erwogen werden. Die Gabe eines nicht sedierenden H1-blockierenden Antihistaminikums zur Minderung von Nebenwirkungen ist möglich. Die Erhaltungsdosis sollte im 1. Jahr im Abstand von 4 Wochen und, unter Berücksichtigung der Herstellerinformationen je nach verwendetem Präparat ab dem 2. Jahr alle 5 – 6 Wochen erfolgen, bei Verwendung eines Depotpräparats kann ab dem 3. Jahr das Intervall auf 8 Wochen ausgedehnt werden. Im Falle bedeutsamer wiederholt auftretender Systemreaktionen im Zuge der HG-AIT sollen diese Reaktion begünstigende Ko-Faktoren ermittelt und ausgeschaltet werden. Ist dieses nicht möglich oder liegen keine entsprechenden Ko-Faktoren vor, ist eine präventive Gabe eines H1-blockierenden Antihistaminikum nicht wirksam und hat eine Höherdosierung der HG-AIT nicht eine Verträglichkeit der HG-AIT bewirkt, sollte eine begleitende Behandlung mit einem Anti-IgE-Antikörper (Omalizumab) im Rahmen eines Off-label-use vorgenommen werden. Unter stationärer Überwachung und Notfallbereitschaft vorzunehmende Stichprovokationen zur Überprüfung des Therapieerfolges können aus Praktikabilitätsgründen nur wenigen Patienten angeboten werden. Voraussetzung dafür ist, dass die HG-AIT in der geplanten Erhaltungsdosis vertragen wird. Wenn unter Anwendung eines ACE-Hemmers ein Therapieversagen evident ist, sollte das Absetzen des ACE-Hemmers erwogen werden. Bei fehlender Toleranzinduktion soll eine Erhöhung der Erhaltungsdosis auf 200 µg bis maximal 400 µg, bei Kindern maximal 200 µg HG erfolgen. Falls sich auch durch eine Erhöhung der Erhaltungsdosis kein ausreichender Schutz erreichen lässt und Risikofaktoren für eine schwere Verlaufsform der Anaphylaxie nach Stich bestehen, sollte während der relevanten Insektenflugzeit eine Komedikation mit einem Anti-IgE-Antikörper (Omalizumab) im Rahmen eines Off-label-use erwogen werden. Bei Patienten ohne besondere Risikokonstellationen kann die HG-AIT nach 3 – 5 Jahren beendet werden, sofern die Erhaltungstherapie ohne wiederholte anaphylaktische Nebenwirkungen vertragen wurde. Eine längere bzw. dauerhafte HG-AIT kann erwogen werden u. a. bei Vorliegen einer Mastozytose, Z. n. Herz-/Kreislauf- oder Atemstillstand aufgrund eines Hymenopterenstichs (Schweregrad IV) oder anderen besonderen Konstellationen für ein erhöhtes individuelles Risiko erneuter und/oder schwerer SAR (zum Beispiel hereditäre Alpha-Tryptasämie). Bei stark erhöhter, nicht vermeidbarer Insektenexposition kann bei Erwachsenen die HG-AIT bis zum Ende des intensiven Kontaktes erfolgen. Auf die Verordnung eines AAI kann bei Patienten mit Anamnese eines SAR Schweregrad I bzw. II und fehlendem Vorliegen von Risikofaktoren verzichtet werden, wenn die Erhaltungsdosis einer HG-AIT erreicht und vertragen wurde, ebenso nach Beendigung einer HG-AIT. Bei Patienten mit SAR Schweregrad > III oder bei Patienten mit SAR Schweregrad II und zusätzlichen Risikofaktoren für ein Nicht-Ansprechen auf die HG-AIT oder eine erneute schwere Stichreaktion, sollen diese sowohl während als auch nach Ende der HG-AIT ein Notfallset mit AAI mitführen.
Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren.Correspondence to:
Prof. Dr. med. Franziska Ruëff
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum der Universität München
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Email: [email protected]
Arzneimittelallergie, Teil 1: Klinische Präsentationen und Vorgehen bei Arzneimittelallergien
Delabeling durch direkte Provokationstestung bei anamnestisch verzögerter Beta-Laktam- Antibiotika-Reaktion im Kindes- und Jugendalter. Konsensuspapier der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, der Deutschen Gesellsc
“Delabeling” by direct provocation testing in children and adolescents with a suspected history of a delayed reaction to betalactam antibiotics – consensus paper of the Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmediz
I. Neustädter, S. Blatt, G. Wurpts, H. Dickel, C. Walter, W. Aberer, S. Bode, T. Buhl, S. Gernert, S. Harner, G. Heine, S. Kerzel, M. Köhler, L. Lange, J. List, H.F. Merk, T. Nüßlein, H. Ott, F. Sattler, A. Schuster, H. Straube, B. Wedi, T. Zuberbier und K. Brockow
Price
42.00 $
Jahrgang 48 (2025) p. 7 - 13
Abstract
Allergologie, Jahrgang 48, Nr. 1/2025, S. 7-13
Delabeling durch direkte Provokationstestung bei anamnestisch verzögerter Beta-Laktam- Antibiotika-Reaktion im Kindes- und Jugendalter. Konsensuspapier der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, der Deutschen Gesellsc
I. Neustädter1, S. Blatt1, G. Wurpts3, H. Dickel4, C. Walter5, W. Aberer6, S. Bode7, T. Buhl8, S. Gernert9, S. Harner10, G. Heine11, S. Kerzel10, M. Köhler12, L. Lange9, J. List13, H.F. Merk2, T. Nüßlein14, H. Ott15, F. Sattler12, A. Schuster16, H. Straube17, B. Wedi18, T. Zuberbier19 und K. Brockow2
1Kinder- und Jugendmedizin, Diakoneo Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik, Nürnberg, 2Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München, 3Klinik für Dermatologie und Allergologie, Aachener Comprehensive Allergy Center (ACAC), Universitätsklinik der RWTH Aachen, 4Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, St. Josef-Hospital, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, 5Praxis für Kinder- und Jugendmedizin Bad Homburg, 6Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz, Österreich, 7Universitätsklinik für Kinder- und Jugendliche, Ulm, 8Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsmedizin Göttingen, 9Abteilung für Pädiatrie, St. Marien Hospital, GFO Kliniken, Bonn, 10Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universität Regensburg, 11Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, 12Asthma- und Allergieambulanz, Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU Klinikum der Universität, München, 13Universität Freiburg, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Freiburg, 14Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Koblenz, 15Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult, Hannover, 16Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, 17Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, Darmstadt, 18Hannover Medical School, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Hannover, 19Allergologie und Immunologie, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Hintergrund: Circa 10% europäischer Kinder werden als allergisch auf Arzneimittel eingestuft. Bei der Mehrzahl der Kinder liegt keine Allergie auf Beta-Laktam-Antibiotika (BLA), sondern zumeist ein infektiöses Exanthem vor.
Methodik: In dieser Arbeit werden Ursachen und Folgen aufgezeigt und eine Empfehlung zur Diagnostik bei Verdacht auf eine BLA-Allergie bei anamnestisch verzögerter BLA-Reaktion aufgeführt. Dazu wurde durch E-Mail-Umlaufverfahren eine Vorlage angepasst und der Konsensus der Mitglieder der Arbeitsgruppen Arzneimittelallergie der beteiligten Fachgesellschaften eingeholt.
Ergebnis: Der anamnestische Hinweis auf eine BLA-Allergie kann sich negativ auf eine zukünftige antibiotische Behandlung auswirken. Dabei treten gerade bei Kindern mit fieberhaften Infekten häufig infektassoziierte Exantheme auf, die nicht in ursächlichem Zusammenhang mit der Arzneimittelverabreichung stehen. Umso wichtiger ist es bei Kindern und Jugendlichen mit Verdacht auf eine Überempfindlichkeitsreaktion, ein standardisiertes Vorgehen zur Abklärung empfehlen zu können. Durch die Anamnese sollte überprüft werden, ob das klinische Bild der Reaktion mit einer Arzneimittelallergie vereinbar ist oder ob eine alternative Diagnose gestellt werden muss. Ein milde verlaufendes makulopapulöses Exanthem (MPE) kann Ausdruck einer Arzneimittelallergie, aber auch eines unspezifischen Virusexanthems sein. Das unkomplizierte MPE geht ohne wesentlichen Systembefall sowie ohne Beteiligung der Schleimhäute und kutaner Blasenbildung einher. Nur bei einer geringen Zahl von Kindern mit unkomplizierten MPEs zeigen sich positive Hauttests und auch durch Provokationstestungen können nur ca. 7 bis 16% der BLA-Verdachtsdiagnosen bestätigt werden. Somit kann bei Kindern nach Auftreten von unkomplizierten MPE (benign rash) auch ohne vorherige Hauttests eine ambulante Arzneimittelprovokation erfolgen. In dieser Arbeit wird ein 3-tägiges ambulantes Direktprovokationsschema zum BLA-Delabeling bei Kindern mit unkompliziertem MPE vorgestellt.
Schlussfolgerung: Vielen Kindern und Jugendlichen werden nach unkompliziertem MPE auf ein BLA diese Antibiotika zukünftig unnötig vorenthalten. Ein 3-tägiges ambulantes Direktprovokationsschema kann helfen dieses zu vermeiden und Betroffene vor Fehldiagnosen zu bewahren.
Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren


Zitierung:
Neustädter I, Blatt S, Wurpts G, Dickel H, Walter C, Aberer W, Bode S, Buhl T, Gernert S, Harner S, Heine G, Kerzel S, Köhler M, Lange L, List J, Merk HF, Nüßlein T, Ott H, Sattler F, Schuster A, Straube H, Wedi B, Zuberbier T, Brockow K. “Delabeling” by direct provocation testing in children and adolescents with a suspected history of a delayed reaction to β-lactam antibiotics. Allergol Select. 2024; 8: 206-211.
DOI 10.5414/ALX02480ECorrespondence to:
Dr. med. Irena Neustädter
Cnopf'sche Kinderklinik/Klinik Hallerwiese
St.-Johannis-Mühlgasse 19
90419 Nürnberg
Email: [email protected]