Abstract
Dermatologie in Beruf und Umwelt, Jahrgang 59, Nr. 2/2011, S. 50–54
Berufliche UV-Exposition als Risikofaktor für nichtmelanozytären Hautkrebs – epidemiologische Evidenz zur Frage einer neuen Berufskrankheit
J. Schmitt1, A. Bauer2, A. Seidler1 und T.L. Diepgen3
1Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, 2Klinik und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, 3Universitätsklinikum Heidelberg, Klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie, Heidelberg
Einleitung: Exposition gegenüber UVStrahlung gilt als bedeutendste Einzelursache für kutane Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome. In Deutschland sind Beschäftigte an vielen Arbeitsplätzen einer zum Teil wesentlich erhöhten berufsbedingten UV-Exposition ausgesetzt. Daher wird derzeit diskutiert, das kutane Plattenepithelkarzinom bzw. Basalzellkarzinom durch berufsbedingte UV-Stahlung in die Berufskrankheitenliste aufzunehmen. Methodik: Publizierte Studien (Kohortenstudien und Fall-Kontroll-Studien), die den epidemiologischen Zusammenhang berufsbedingter natürlicher UV-Exposition und Risiko für kutane Plattenepithelkarzinome bzw. Basalzellkarzinome belegen, werden systematisch zusammengefasst – mit einer Meta-Analyse (random effects model) qualitativ homogener Studien unter Berücksichtigung maximal adjustierter Odds Ratios (OR). Der Einfluss der methodischen Studienqualität auf die Stärke des Zusammenhangs von beruflicher UV-Exposition und Hautkrebsrisiko wird anhand einer Sensitivitätsanalyse untersucht. Ergebnisse: Insgesamt 18 Studien untersuchten den Zusammenhang von beruflicher UV-Exposition und Plattenepithelkarzinom- Risiko, wobei 16 Studien konsistent eine Erhöhung des Risikos für Plattenepithelkarzinome bei berufl ich UV-Exponierten fanden. Zwei Studien fanden keinen Zusammenhang. Insgesamt fand sich ein statistisch signifi kanter und relevanter Zusammenhang von berufl icher Exposition gegenüber natürlicher UV-Strahlung und dem Auftreten kutaner Plattenepithelkarzinome (gepooltes OR = 1,77; 95% Konfi denz-Intervall (95%KI) 1,40 – 2,22). Es gibt deutliche Hinweise für eine Unterschätzung des wahren Zusammenhangs von beruflicher UV-Exposition und Plattenepithelkarzinom-Risiko durch ungenaue Expositionserfassung. Auch die insgesamt 24 epidemiologischen Studien zum Stellenwert von berufl icher UV-Exposition als Risikofaktor für das Basalzellkarzinom zeigten insgesamt einen signifi kanten Zusammenhang (gepooltes OR = 1,42; 95%KI 1,23 – 1,66). Die Mehrzahl der Studien fand einen positiven und keine Studie einen signifi kanten inversen Zusammenhang von berufl icher UV-Exposition und Basalzellkarzinomrisiko. Schlussfolgerung: Epidemiologische Studien belegen einen positiven, statistisch signifi kanten und relevanten Zusammenhang von berufsbedingter UVExposition und Plattenepithelkarzinom-Risiko, so dass nach Ansicht der Autoren ein wesentliches Kritierium für die Aufnahme in die Berufskrankheitenliste erfüllt ist. Für das Basalzellkarzinom deutet die Studienevidenz ebenfalls auf eine signifi kante Assoziation mit berufsbedingter UV-Licht-Exposition hin. Jedoch sind die Studienergebnisse weniger einheitlich als beim Plattenepithelkarzinom und der Effekt – zumindest in den bisher vorliegenden Studien, in denen die berufl iche und außerberufl iche UV-Exposition nicht hinreichend differenziell erfasst wurde – ist weniger deutlich. Aus diesem Grund ist nach Ansicht der Autoren vor einer möglichen Aufnahme des Basalzellkarzinoms durch berufsbedingte UV-Exposition in die Berufskrankheitenliste zunächst weitere methodisch hochwertige epidemiologische Evidenz notwendig.Correspondence to:
Prof. Dr. med. J. Schmitt, MPH
Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Fetscherstraße 74
D–01307 Dresden
Email: [email protected]
Abstract
Dermatologie in Beruf und Umwelt, Jahrgang 65, Nr. 1/2017, S. 13-14
Forschungsprojekt „Durch UVStrahlung induzierte bösartige Hauttumore“ – Berufliche und außerberufliche Exposition gegenüber UV-Strahlung und Hautkrebs
J. Schmitt1,2, E. Haufe1,2, F. Trautmann2, J.P. Allam3, K. Bachmann4, A. Bauer5, T. Bieber3, S. Bonness6, R. Brans7, B. Brecht2, T. Brüning8, I. Bruhn5, H. Drexler9, S. Dugas-Breit10, P. Elsner11, M. Fartasch8, M. Gina11, S. Grabbe12, W. Grobe3, S.M. John7, P. Knuschke13, D. Küster1,2, B. Lang12, S. Letzel14, L. Ruppert4, H.J. Schulze10, A. Seidler1, T. Stange2, V. Stephan2, A. Thielitz6, W. Weistenhöfer9, S. Westerhausen15, M. Wittlich15, E. Zimmermann4 und T.L. Diepgen4
1Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät der TU Dresden, 2Zentrum für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Universitätsklinikum Dresden, 3Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Bonn, 4Institut für Klinische Sozialmedizin, Universität Heidelberg, 5Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Dresden, 6Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück, Standort BG Klinikum Hamburg, 7Fachgebiet Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie, Universität Osnabrück und Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück, 8Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV, Ruhr-Universität Bochum (IPA), 9Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universität Erlangen-Nürnberg, 10Abteilung Dermatologie, dermatologische Strahlentherapie und Dermatohistopathologie, Fachklinik Hornheide, 11Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Jena, 12Hautklinik und Poliklinik, Universität Mainz, 13Bereich Experimentelle Photobiologie, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Dresden, 14Institut für Arbeits- und Sozialmedizin, Universität Mainz, 15Referat Strahlung, Institut für Arbeitsschutz der DGUV, Sankt Augustin
Correspondence to:
Prof. Dr. T.L. Diepgen
Universitätsklinikum Heidelberg
Abt. Klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie
Voßstraße 2
69115 Heidelberg
Email: [email protected]