Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 37 - Dezember (503 - 512)

Gesundheitliche Auswirkungen des Einsatzes von Biodiesel in Österreich
H.-P. Hutter1, P. Wallner1,3, M. Kundi1, B.C. Krüger2, I. Schicker2, H. Moshammer1
1 Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien, 2 Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur, Wien, 3 Medizin und Umweltschutz [mus], Wien

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DOI 10.5414/ATX01723

Abstrakt

Biokraftstoffe sollen in zunehmendem Maß als Ersatz für fossile Kraftstoffe eingesetzt werden. Bisher gibt es für Österreich keine Daten, wie sich eine (teilweise) Umstellung auf Biodiesel auf Luftqualität und Gesundheit auswirkt. Es wurden die Immissionskonzentrationen von Feinstaub (PM10, PM2,5) und Stickstoffdioxid (NO2) für die Regionen Wien und Niederösterreich/Burgenland abgeschätzt. Basis dafür waren die Daten der jährlichen Emissionen aus der Verbrennung von Kraftstoffen. Die Modellrechnungen wurden für einen Monat Dauer (Januar) durchgeführt. Es wurden zwei Szenarien gerechnet: (1) Der fossile Treibstoff für Kraftfahrzeuge wird zu 10% (B10) oder (2) vollständig durch Biodiesel (B100) ersetzt. Die Referenzwerte wurden für das Jahr 2007 (UNECE/EMEP-Datenbasis) ermittelt. Zur Abschätzung der gesundheitlichen Effekte wurden Daten zu Expositions- Wirkungsbeziehungen von PM10, PM2,5 und NO2 für die Allgemeinbevölkerung aus epidemiologischen Studien herangezogen. Berechnet wurden die Effekte auf die Gesamtsterblichkeit und die spezifische Mortalität für Lungenkrebs sowie respiratorische und kardiovaskuläre Todesursachen. Die Modellrechnungen ergeben für den Winter unter Szenario B10 nur geringe Änderungen der Immissionskonzentrationen. Während die Partikelimmissionen unter Szenario B100 im Vergleich zum Referenzszenario abnehmen (PM10: –7,2%; PM2,5: –8,3%), steigen die Stickstoffdioxidimmissionen (+11%). Da für die Expositions-Wirkungsbeziehungen von Feinstaub und NO2 ein monotoner Verlauf zugrunde gelegt wird, resultiert aus einer Reduktion der Immissionen eine Abnahme der erwarteten Zahl von Sterbefällen, während ein Anstieg diese erhöht. Die Reduktion der Feinstaubbelastung (PM2,5) für B10 würde in Wien zu einer Abnahme der vorzeitigen Todesfälle um 12 Fälle pro Jahr führen, für B100 sind es 73 Fälle. Bei einer Zunahme der NO2-Belastung ist im Prinzip eine Zunahme vorzeitiger Todesfälle zu erwarten. Da aber NO2 als Indikator einer komplexen Immissionssituation dient, ist es bei einer Änderung der Zusammensetzung nicht ohne weiteres möglich, die NO2-assoziierte Zunahme vorzeitiger Todesfälle abzuschätzen. Würde man einen direkten Effekt von NO2 annehmen, dann wären unter B10 44 und unter B100 71 zusätzliche vorzeitige Todesfälle zu erwarten. In den Biodiesel-Szenarien könnte der negative Effekt des Anstieges bei den Emissionen von Stickstoffoxiden die positiven Effekte der reduzierten Feinstaubemissionen überwiegen. Da der negative Effekt von NO2 oft deutlich geringer ist oder sogar verschwindet, wenn die Feinstaubimmissionen mitberücksichtigt werden, könnte trotz des Anstiegs der NO2-Belastung auch ein positiver Nettoeffekt resultieren.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien,
  • 2 Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur, Wien,
  • 3 Medizin und Umweltschutz [mus], Wien

Adresse

PD Dipl.-Ing. Dr. med. univ. H.-P. Hutter
Institut für Umwelthygiene
Zentrum für Public Health
Medizinische Universität Wien
Kinderspitalgasse 15
A-1095 Wien, Österreich
Email: [email protected]

Citation

H.-P. Hutter, P. Wallner, M. Kundi, B.C. Krüger, I. Schicker und H. Moshammer.Gesundheitliche Auswirkungen des Einsatzes von Biodiesel in Österreich. 2011; 37: 503-512. doi: 10.5414/ATX01723.

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