Neuropsychiatrie, Band 25 - Ausgabe 2 (75 - 84)

Psychopharmakatherapie der Schizophrenie in der forensischen und in der Allgemeinpsychiatrie
Thomas Stompe1,2, Hans Schanda1,2
1 Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, 2 Justizanstalt Göllersdorf

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DOI

Abstrakt

Hintergrund: Während die Behandlung schizophrener Psychosen in der allgemeinen Psychiatrie vorwiegend auf Symptomreduktion, Herstellung der Arbeits- und Beziehungsfähigkeit und Gewinn an Lebensqualität abzielt, bezieht die forensische Psychiatrie aufgrund des Auftrags des Gesetzgebers verstärkt den Abbau aggressiver Verhaltensweisen und die Sicherung der medikamentösen Compliance in ihr Behandlungskonzept mit ein. Ungeklärt ist bisher, ob sich daraus auch unterschiedliche psychopharmakologische Behandlungsstrategien ergeben. Methode: Aus den Entlassungsbriefen von 91 männlichen Patienten der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Wien (PUK-W) und den Behandlungsunterlagen von 132 männlichen Patienten der Justizanstalt Göllersdorf (JAGÖ) wurden folgende Parameter erhoben: antipsychotische Medikamente und deren Applikationsform sowie Psychopharmaka aus anderen Wirkstoffgruppen. Aus diesen Daten wurden für beide Gruppen die Gesamt- Chlorpromazinäquivalente errechnet. Weiters wurden Antipsychotikakombinationen sowie etwaige medikamentöse Augmentationsstrategien verglichen. Ergebnisse: In der JAGÖ werden signifikant häufiger Depotpräparate eingesetzt. Überraschenderweise unterscheiden sich die Gesamt-Chlorpromazinäquivalente nicht von den in der PUK-W verabreichten. Kombinationen von zwei oder mehreren Antipsychotika sind in beiden Gruppen häufig. In der JAGÖ überwiegen Kombinationen von Antipsychotika der 1. Generation (FGA) und Antipsychotika der 2. Generation (SGA), in der PUK-W Kombinationen von zwei oder mehr SGA. In der PUK-W werden häufiger Antidepressiva und Benzodiazepine verordnet, in der JAGÖ häufiger Anticholinergika. Schlussfolgerungen: Da Patienten mit Schizophrenie häufig non-compliant sind und medikamentöse Non-Compliance ein wesentlicher Prädiktor für Delinquenz ist, liegt der Behandlungsschwerpunkt in der forensischen Psychiatrie auf der antipsychotischen Depotmedikation. Daraus ergeben sich jedoch keine höheren Antipsychotikadosen. Die hohe Polypharmazierate in beiden Gruppen ist ein Hinweis auf das bekannte Problem, dass die an hochselektionierten Patientenkollektiven gewonnen Behandlungsrichtlinien im klinischen Alltag oft nicht umsetzbar sind.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien,
  • 2 Justizanstalt Göllersdorf

Adresse

Prof. Dr. Thomas Stompe
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychiatrie
Allgemeines Krankenhaus Wien
Email: [email protected]

Citation

T. Stompe und H. Schanda.Psychopharmakatherapie der Schizophrenie in der forensischen und in der Allgemeinpsychiatrie. 2011; 25: 75-84. doi: .

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