Allergologische In-vitro-Diagnostik und die Kreuzreaktionen
U. Jappe
Abteilung Allergologie, Paul-Ehrlich-Institut, Langen
DOI 10.5414/ALP33043
Abstrakt
Unter einer Kreuzreaktion versteht man die Bindung von Antikörpern an bzw. die Aktivierung spezifisch sensibilisierter T-Lymphozyten mit unterschiedlichen Substanzen (Proteine, Kohlenhydrate, Glykoproteine), die identische oder ähnliche antigene Determinanten aufweisen. Diese Antigen-Ähnlichkeit kann zum einen auf der Sequenz, zum anderen auf der Konformation beruhen. Zudem sind viele Allergene Glykoproteine, die sich aus einem Protein und einer oder mehreren kovalent gebundenen Kohlenhydratseitenketten zusammensetzen. Glykoepitope, zumeist N-Glykane, können strukturelle Ähnlichkeiten mit Allergenen auch außerhalb phylogenetisch verwandter Proteinfamilien aufweisen (Pollen, Latex, Insektengifte). Dies unterscheidet sie von klassischen Peptid-Epitopen. Sie werden deshalb als kreuzreaktive Kohlenhydratdeterminanten (Cross-reactive Carbohydrate Determinants: CCD) bezeichnet. Ihre klinische Relevanz wird kontrovers diskutiert. Sie beeinträchtigen die Spezifität der allergologischen In-vitro-Diagnostik, was die Identifikation der für eine oft schwere Symptomatik ursächlichen Allergene erschwert. Auch die Zugehörigkeit zu bestimmten Proteinfamilien, wie zum Beispiel Profiline, Lipid-Transferproteine und Bet-v-1-homologe Proteine, ist häufig Ursache von Kreuzreaktionen. In der sogenannten “Component-Resolved-Diagnosis” (CRD) zum Nachweis spezifischer IgE-Antikörper werden anstelle von Extrakten natürliche oder rekombinante Einzelallergene eingesetzt, um deren Bedeutung je nach Allergenquelle und individuellem Patienten zu klären. Werden in der CRD Einzelallergene eingesetzt, die kreuzreaktive Strukturelemente aufweisen, erhöht sich in der Regel die Sensitivität des Testverfahrens, nicht aber notwendigerweise die diagnostische Spezifität. Zelluläre Methoden zum indirekten Nachweis einer IgE-vermittelten Sensibilisierung gelten nach wie vor als ergänzende Verfahren, die nicht, wie anfänglich gedacht, dem direkten IgE-Nachweis hinsichtlich der Kreuzreagibilität zum Beispiel durch CCD klar überlegen sind, sondern Einzelfallanalysen vorbehalten bleiben sollten. Der Einsatz von Marker- bzw. CCD-Screening-Allergenen, ergänzenden Inhibitionstests und die gezielte Verwendung von (rekombinanten) Einzelallergenen kann die durch Kreuzreaktionen eingeschränkte Spezifität des IgE-Nachweises verbessern.
Autoreninformation
Autoren
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- Abteilung Allergologie, Paul-Ehrlich-Institut, Langen
Adresse
Prof. Dr. med. Uta Jappe
Klinische und Molekulare Allergologie
Forschungszentrum Borstel
Parkallee 35
D–23845 Borstel
Email:
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Citation
U. Jappe. Allergologische In-vitro-Diagnostik und die Kreuzreaktionen. 2010; 33: 43-51. doi: 10.5414/ALP33043.