Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 35 - November (459 - 470)

Die ambulante medizinische Rehabilitation für Patienten mit Asbestose unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeitseffekten
S. Dalichau1, A. Demedts2, A. im Sande3, T. Möller1
1 Berufsgenossenschaftliche Unfall-Ambulanz und Reha-Zentrum am Airport Bremen, 2 Facharztpraxis für Lungen- und Bronchialheilkunde, Bremen, 3 Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd, Bezirksverwaltung Bremen

   

 

DOI 10.5414/ATP35459

Abstrakt

Einleitung: Die vorliegende Studie verfolgt die Fragestellung, ob und inwieweit Asbestose-Patienten von einer intensiven ambulanten medizinischen Rehabilitation (AMR) profitieren können, die sich überwiegend aus bewegungs- und sporttherapeutischen Inhalten konstituiert und in Anlehnung an das Hamburger Modell insbesondere auf die Sicherung von Nachhaltigkeitseffekten ausgelegt ist. Methodik: Im Rahmen eines vorexperimentellen Studiendesigns durchliefen 184 männliche Asbestose-Patienten im Lebensalter von 66,8 ± 5,1 Jahren 5-mal wöchentlich à 6 Stunden über 3 Wochen Phase 1 (Aufbauphase) der AMR, bestehend aus standardisierten Inhalten der pneumologischen Rehabilitation. In der direkt folgenden Phase 2 (Stabilisierungsphase) der AMR absolvierten die Patienten einmal wöchentlich à 3 Stunden über 12 Wochen weitere therapeutische Applikationen mit Schwerpunkt auf der Bewegungs- und Sporttherapie. Anschließend überführte die Reha-Einrichtung die Patienten bei Interesse in wohnortnahe Gesundheitssportgruppen (Erhaltungsphase). Die Effekte der AMR wurden zu Beginn (T1), am Ende der Aufbau- (T2) und Stabilisierungsphase (T3) sowie 6 Monate nach T3 (T4) mittels eines geeigneten Assessments evaluiert. Ergebnisse: Gemessen an T1 zeigte sich sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit (6-Minuten-Gehtest, Handkraft-Test, PWC-Test) als auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36) der Patienten in T2 signifikant verbessert. Während sich die Parameter “Vitalkapazität” und “1-Sekunden-Kapazität” über den Untersuchungszeitraum nicht veränderten, konnte der Messwert des arteriellen Sauerstoffdrucks in T2 ebenfalls statistisch bedeutend gesteigert werden. In T3 wurden die positiven Effekte bestätigt. 149 Patienten (81%) des Kollektivs betrieben auch 6 Monate nach T3 noch regelmäßig Gesundheitssport und konnten ihren Health Outcome in T4 erhalten, während die Reha-Effekte der 35 “Sportabbrecher” wieder auf den status quo ante in T1 zurückfielen. Schlussfolgerungen: Trotz einer irreversiblen Lungenerkrankung mit restriktiver Funktionsstörung können gezielte bewegungs- und sporttherapeutische Interventionen eine Konditionierung im Sinne einer Aktivierung vorhandener körperlicher Leistungsreserven sowie konsekutiv eine Vergrößerung der Lebensqualität und Belastbarkeit im Alltag bewirken. Diese positiven Effekte lassen sich durch ein regelmäßiges Training (einmal wöchentlich) nachhaltig stabilisieren. Damit betonen die Ergebnisse die Notwendigkeit der Einbindung von Nachsorgestrategien in das Rehabilitationskonzept.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Berufsgenossenschaftliche Unfall-Ambulanz und Reha-Zentrum am Airport Bremen,
  • 2 Facharztpraxis für Lungen- und Bronchialheilkunde, Bremen,
  • 3 Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd, Bezirksverwaltung Bremen

Adresse

Prof. Dr. rer. nat. S. Dalichau
BG Unfall-Ambulanz und Reha-Zentrum am Airport Bremen
Industriestraße 3
D–28199 Bremen
Email: [email protected]

Citation

S. Dalichau, A. Demedts, A. im Sande und T. Möller.Die ambulante medizinische Rehabilitation für Patienten mit Asbestose unter besonderer Berücksichtigung von Nachhaltigkeitseffekten. 2009; 35: 459-470. doi: 10.5414/ATP35459.

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