Psychopathy und die Rückfallprognose für Gewalttaten Norbert Nedopil Psychiatrische Klinik Klinikum Innenstadt der Universität München, München
DOI 10.5414/NEPBand23034
Abstrakt
Das Psychopathy-Konzept wurde ursprünglich von Hare zur zuverlässigen Erfassung einer Persönlichkeit entwickelt, um Gefängnisinsassen zu charakterisieren und den Umgang mit ihnen zu erleichtern. Im Laufe der Jahre wurde erkannt, dass es sich aus mehreren Facetten zusammensetzt, die faktorenanalytisch bestimmbar waren. Derzeit wird von Cooke eine Drei-Faktoren-Struktur angegeben, die (1) ein arrogantes und auf Täuschung angelegtes zwischenmenschliches Verhalten, (2) eine gestörte Affektivität und (3) ein impulsives und verantwortungsloses Verhaltensmuster enthält. Hare hat in einem Zwei- Faktoren-vier-Facetten Modell den drei Faktoren noch ein „rule braking behavior“ hinzugefügt. Unabhängig von der Funktion der PCL-R als Erfassungsinstrument für das Psychopathy-Konzept hat sich die PCL-R als weltweit am meisten angewendetes und am besten untersuchten Prognoseinstrument für kriminelle Rückfälle erwiesen. Die überragende Bedeutung der PCL-R bei der Risikoeinschätzung (insbesondere für gewalttätige Rückfälle) hat sich auch in dem Münchner Prognose Projekt (MPP) an 262 Probanden erwiesen. Gleichzeitig ist allerdings auch bei Anwendung dieses Instrumentes die Zahl der „Falsch Positiven“ mit minimal 60% noch relativ hoch. Diese Zahlen mahnen weiterhin zur Vorsicht und dazu, die prognostische Kompetenz nicht zu überschätzen auch wenn Prognoseinstrumente zu Hilfe genommen werden.
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