Standards der mikrobiologischen Diagnostik von “aktiver” Tuberkulose in Deutschland
H. Hoffmann
Institut für Mikrobiologie und Laboratoriumsdiagnostik, Supranationales Referenzlabor der WHO für Tuberkulose, Asklepios Fachkliniken München-Gauting
DOI 10.5414/ATP33382
Abstrakt
Die sinkende Inzidenz der Tuberkulose (TB) in Deutschland erweckt den Eindruck, die Medizin hätte die Krankheit längst besiegt. Der Schein trügt. Weltweit tötet sie mehr Menschen als jede andere Infektion. Die Diagnose einer “aktiven” TB ist komplex. Sie ergibt sich aus der Zusammenschau anamnestischer, radiologischer, labormedizinischer, histologischer und mikrobiologischer Daten. Dabei ist die Mikrobiologie die einzige Disziplin, die durch den direkten Erregernachweis die Diagnose zweifelsfrei sichern kann. Um eine optimale Aussagekraft der mikrobiologischen TB-Diagnostik zu erreichen, müssen eine Reihe von Standards eingehalten werden. In der Präanalytik gilt es, das richtige und die ausreichende Menge von Untersuchungsgut zu gewinnen und den Versand so schonend wie möglich zu organisieren. Die Analytik sollte nur in optimal durchorganisierten Speziallabors mit entsprechender Sicherheitsstufe und mykobakteriologischer Erfahrung erfolgen. Für den direkten Erregernachweis stehen die Mikroskopie, die Kultur und Nukleinsäure-Amplifikationstechniken (NAT) wie z.B. die PCR zur Verfügung. Die Kultur ist der Goldstandard der TB-Diagnostik. Im Vergleich zu den anderen Verfahren besitzt sie die höchste Sensitivität und Spezifität. Jedes TB-Untersuchungsgut muss deshalb in Kultur genommen werden. Die Mikroskopie hilft insbesondere bei respiratorischen Sekreten, die Infektiosität des Patienten einzuschätzen. NATs helfen bei dringlichen Fällen, die Verdachtsdiagnose einer TB schnell zu sichern und zwischen nicht-tuberkulösen Mykobakterien und TB-Erregern zu differenzieren. Mit immunologischen oder serologischen Tests kann eine “aktive” TB weder diagnostiziert noch ausgeschlossen werden. Die Tests können aber wertvolle Zusatzinformationen für die Differenzialdiagnostik liefern. Die vorliegende Übersichtsarbeit soll dem Kliniker helfen, in der Präanalytik durch entsprechende Maßnahmen eine optimale Diagnostik zu bahnen, die richtigen diagnostischen Verfahren anzufordern und aus den Ergebnissen geeignete Schlüsse für das weitere Management der Patienten zu ziehen. Die wiedergegebenen Empfehlungen basieren vornehmlich auf den in den Normen des DIN und der MIQ5 festgehaltenen, derzeit gültigen Standards der Tuberkulosediagnostik.
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- Institut für Mikrobiologie und Laboratoriumsdiagnostik, Supranationales Referenzlabor der WHO für Tuberkulose, Asklepios Fachkliniken München-Gauting
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Dr. med. H. Hoffmann
IML, Supranationales Referenzlabor
der WHO für Tuberkulose
Asklepios-Fachkliniken München-Gauting
Robert-Koch-Allee 2
D-82131 Gauting
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Citation
H. Hoffmann.Standards der mikrobiologischen Diagnostik von “aktiver” Tuberkulose in Deutschland. 2007; 33: 382-392. doi: 10.5414/ATP33382.