Was bringt die Zusatztherapie mit inhalativen Glukokortikosteroiden bei der schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung?
P. Kardos
Gemeinschaftspraxis und Zentrum für Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Maingau-Krankenhaus, Frankfurt am Main
DOI 10.5414/ATP33365
Abstrakt
Inhalative Kortikosteroide (ICS) sind das Rückgrat der Asthmatherapie, ihre Rolle in der Behandlung von COPD ist weniger klar. Hoffnungen im Hinblick auf die Verlangsamung der Progression der COPD unter ICS konnten in 3 großen Studien nicht bestätigt werden. In der internationalen GOLD- und in der Deutschen Leitlinie wurden ICS bei schwerer COPD mit häufigen Exazerbationen empfohlen, obwohl hierfür die Evidenz schwach war. In der kürzlich publizierten deutschen VIVACE-Studie konnte erstmals eine signifikante und klinisch sehr relevante Reduktion der Exazerbationsfrequenz um 35% durch zusätzliches ICS bei Patienten mit schwerer COPD und häufigen Exazerbationen nachgewiesen werden. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass dieser Effekt über die bekannte, die Exazerbationsfrequenz reduzierende Wirkung von Salmeterol hinaus in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 994 Teilnehmern nachgewiesen wurde. Das Studiendesign mit einem Salmeterol- und einem Salmeterol + Fluticason-Arm entspricht der Behandlung in der klinischen Routine. Die günstigen Ergebnisse dieser Studie konnten in einer weiteren randomisierten, kontrollierten Studie (TORCH) mit den gleichen Substanzen bei mehr als 6.000 Patienten wiederholt werden. Darüber hinaus fand sich dort eine Reduktion der Gesamtmortalität über 3 Jahre von 17,5%, wenn man die Kombinationstherapie mit Plazebo vergleicht. Allerdings verfehlte diese Reduktion knapp die statistische Signifikanz. Beide Studien zeigten auch mäßiggradige, signifikante Besserungen bei der Lungenfunktion und in der Lebensqualität. Letztere hängt aber zum größten Teil nicht von der Pharmakotherapie, sondern von den Exazerbationen ab, welche auf die Lebensqualität einen stark negativen Einfluss haben. In beiden Studien wurden Pneumonien in den jeweiligen mit ICS behandelten Armen signifikant häufiger klinisch diagnostiziert, Röntgenaufnahmen wurden allerdings nicht durchgeführt. Hier sind weitere Studien erforderlich, auch wenn diese Pneumonien nicht zu vermehrten Todesfällen geführt haben.
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- Gemeinschaftspraxis und Zentrum für Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Maingau-Krankenhaus, Frankfurt am Main
Adresse
Dr. med. P. Kardos
Gemeinschaftspraxis und Zentrum für
Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin
Maingau-Krankenhaus
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Citation
P. Kardos.Was bringt die Zusatztherapie mit inhalativen Glukokortikosteroiden bei der schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung?. 2007; 33: 365-371. doi: 10.5414/ATP33365.