Historisches zur Befeuchterkrankheit: in der Schweiz beschrieben – in den 70er Jahren inhalativ provoziert
B. Wüthrich1,2
1 Allergiestation, Dermatologische Klinik, UniversitätsSpital Zürich, 2 Praxis für Allergologie, klinische Immunologie und Dermatologie, Spital Zollikerberg
DOI 10.5414/ATP33238
Abstrakt
1959 hat E. Pestalozzi aus der Allergiestation der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich erstmals das Krankheitsbild des “Befeuchterfiebers” als febrile Gruppenerkrankung in einer Modellschreinerei durch Inhalation von mit Schimmelpilzen kontaminiertem Befeuchterwasser beschrieben [1]. In den Jahren 1969 und 1970 wurden in derselben Klinik 6 Fälle von Befeuchterkrankheit diagnostiziert und abgeklärt, die in einer nicht veröffentlichten medizinischen Inauguraldissertation (Baumann-Kuhn E., Universität Zürich, 1973) zusammengestellt wurden. Die Patienten (5 Männer und eine Frau) litten immer am Nachmittag des Arbeitstages, also ungefähr 6 – 8 Stunden nach Arbeitsbeginn, unter allgemeinem Unwohlsein, Müdigkeit, Fieber mit Schüttelfrost, Schweißausbruch, Dyspnoe, Husten, Auswurf und gastrointestinalen Beschwerden. Im Schub war die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht, im Blutbild ließ sich eine Leukozytose nachweisen, in 3 Fällen war das Thorax-Röntgenbild pathologisch; in 2 Fällen wurde eine vermehrte Zeichnung beidseits basal bzw. beim dritten Patienten 3 – 4 mm große Fleckschatten über der ganzen Lunge nachgewiesen. Die Diagnose “Befeuchterfieber” wurde bestätigt durch die Tatsache, daß die Patienten nach dem Abschalten bzw. Entfernen der Befeuchteranlage am Arbeitsplatz beschwerdefrei wurden, bei Wiedereinschalten jedoch sofort wieder erkrankten. Im Befeuchterwasser ließen sich verschiedene Schimmelpilz- und Bakterienspezies kultivieren. Mittels aus dem Befeuchterwasser hergestellten Extrakten wurden intrakutane und inhalative Provokationstests durchgeführt. Es konnte bei 3 Patienten im Inhalationstest (in einem Fall nach Alcaligenes faecalis, in 2 Fällen nach Pseudomonas fluorescens) eine verzögerte Frühreaktion mit Fieberanstieg, Unwohlsein, zum Teil mit Gliederschmerzen und Husten provoziert und objektiv im Labor eine Leukozytose nachgewiesen werden. Bei einem vierten Patienten führte die Inhalation von Monilia-Extrakt (Hollister-Stier) zu einer massiven Sofortreaktion mit Husten, starker Dyspnoe, FEV1-Abfall und allgemeinem Unwohlsein, welche eine intensive Notfalltherapie erforderte. Provokationstests mit anderen Bakterien- oder Schimmelpilzextrakten waren negativ. Pathogenetisch wurde eine Hypersensitivitätsreaktion von Typ III postuliert, obwohl sich in der Immunelektrophorese keine Präzipitine nachweisen ließen, in 4 Fällen war jedoch die Präzipitinreaktion gegen Heuextrakte positiv. Gegen eine toxische Reaktion oder eine Infektionskrankheit sprach die Tatsache, daß im Gegensatz zu der ursprünglichen Beobachtung von Pestalozzi, bei den gleichen Expositionsbedingungen nur ein einzelner Arbeiter erkrankte. Auch aufgrund der Literatur wurde die Befeuchterkrankheit als ein Syndrom verschiedener Ätiologie, jedoch wahrscheinlich einheitlicher Pathogenese angesehen.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Allergiestation, Dermatologische Klinik, UniversitätsSpital Zürich,
- 2 Praxis für Allergologie, klinische Immunologie und Dermatologie, Spital Zollikerberg
Adresse
Prof. em. Dr. med. B. Wüthrich
Facharzt FMH für Allergologie und Dermatologie
Spital Zollikerberg
Trichtenhauserstrasse 20
CH-8125 Zollikerberg
Email:
[email protected]
Citation
B. Wüthrich.Historisches zur Befeuchterkrankheit: in der Schweiz beschrieben – in den 70er Jahren inhalativ provoziert. 2007; 33: 238-246. doi: 10.5414/ATP33238.