Lungentransplantation heute: Eine etablierte Therapie bei Lungenerkrankungen im Endstadium
M. Kamler1, R. Ragette2, U. Herold1, I. Aleksic1, G. Marggraf1, H. Teschler2, H. Jakob1
1 Westdeutsches Herzzentrum Essen, Universitätsklinikum Essen, 2 Abteilung Pneumologie, Ruhrlandklinik, Universität Duisburg-Essen
DOI 10.5414/ATP31547
Abstrakt
20 Jahre nach ersten erfolgreichen isolierten Lungentransplantation durch J. Cooper, hat sich die Lungentransplantation zur akzeptierten Behandlungsmethode bei Lungenerkrankung im Endstadium entwickelt. Weltweit wurden bisher ca. 15 000 Lungen transplantiert, dabei ca. 6 500 bilaterale Lungentransplantationen und ca. 7 500 Einzellungentransplantationen, zusätzlich 2 955 Herz-Lungen [63]. Durchgeführt wurden sie in ca. 180 Zentren für Lungentransplantation weltweit. Zur Zeit kann man davon ausgehen, daß ca. 100 Zentren weltweit aktiv Lungen transplantieren in der Größenordnung von ca. 1 500 Lungen/Jahr. Die Anzahl der Zentren, die Herz-Lungen transplantieren, liegt bei ca. 35. Diese Angaben beziehen sich auf die freiwilligen Selbstangaben durch die Transplantationszentren. Insgesamt dürfte die Anzahl etwas höher liegen. Weltweit gibt es dabei weniger als 10 Zentren die über 30 Lungen/Jahr transplantieren. Über 100 Zentren transplantieren weniger als 20 Lungen/Jahr, ca. 15 Zentren liegen bei 20 – 30 Lungen/Jahr. Am Universitätsklinikum Essen werden im Jahr 2004 voraussichtlich ca. 30 Lungentransplantationen durchgeführt. Die Anzahl der Patienten auf der Warteliste hat dabei gegenüber der konstanten Anzahl der Spender deutlich zugenommen. Innerhalb von zwei Jahren versterben ca. 25% der Patienten auf der Warteliste und nur 57% können dabei transplantiert werden, wie eine Studie von De Meester und Mitarbeitern aus dem Jahre 2001 zeigte [10]. Das Spenderalter hat im Lauf der letzten Jahre zugenommen und liegt in 50% der Fälle zwischen 50 und 64 Jahren. Das Empfängeralter hat sich ebenfalls erhöht und liegt zu 50% zwischen 50 und 64 Jahren. Das “ideale” Empfängeralter mit dem niedrigsten Risiko liegt zwischen 32 und 50 Jahren. Die Anstrengungen, die Zahl der Spender zu steigern, z.B. durch verbesserte Auswahl der Spender sowie durch Verbesserung der Lungenkonservierung, konnte dem bisher nur gering entgegenwirken. Es gelang jedoch, die perioperative Mortalität aufgrund verbesserter chirurgischer Techniken, verbesserter Organkonservierung und immunsuppressiver/ antibiotischer Protokolle auf 10 – 15% zu senken. Die Diagnostik von akuten Abstoßungen konnte verbessert werden, ebenso die Differenzierungsmethoden zwischen Abstoßung und Infektion. So ist es gelungen, die Überlebensrate im Langzeitverlauf deutlich anzuheben. Die 1-Jahresüberlebensrate liegt bei ca. 80%, nach drei Jahren bei 58% und nach fünf Jahren bei ca. 50% [63]. Trotzdem steht die Lungentransplantation in bezug auf Überlebensrate hinter anderen Organtransplantationen zurück. Ursächlich dafür ist ein aufgrund chronischer Abstoßung auftretendes Bronchiolitis-obliterans-Syndrom (BOS), welches das Hauptproblem im Langzeitverlauf nach Lungentransplantation bildet. Die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität werden durch die Lungentransplantation jedoch entscheidend verbessert [36]. In diesem Artikel sollen die gängigen Indikationen, die Empfängerauswahl sowie die Spenderauswahl, die chirurgische Technik und die grundlegenden Prinzipien der Nachsorge nach Lungentransplantation diskutiert werden. In den Richtlinien der International Society of Heart and Lung Transplantation (ISHLT), American Thoracic Society (ATS) und der American Society of Transplant Physicians (ASTP) im Jahr 1998 [39] werden die gängigen Indikationen und Kriterien zur Aufnahme auf die Warteliste (Listung) angegeben. Inzwischen gibt es einige weitere Kriterien zur Listungsempfehlung aufgrund neuerer Erkenntnisse in bezug auf Prognose, alternative Therapien und Überlebensraten. Dies sollte berücksichtigt werden, um die Patienten für die Lungentransplantation auszuwählen, die, im Hinblick auf den Mangel an Spenderorganen, am meisten von der Transplantation profitieren.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Westdeutsches Herzzentrum Essen, Universitätsklinikum Essen
- 2 Abteilung Pneumologie, Ruhrlandklinik, Universität Duisburg-Essen
Adresse
Dr. med. M. Kamler
Westdeutsches Herzzentrum Essen
Abteilung Thorax und Kardiovaskuläre Chirurgie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
D-45122 Essen
Email:
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Citation
M. Kamler, R. Ragette, U. Herold, I. Aleksic, G. Marggraf, H. Teschler und H. Jakob.Lungentransplantation heute: Eine etablierte Therapie bei Lungenerkrankungen im Endstadium. 2005; 31: 547-561. doi: 10.5414/ATP31547.