Lungenfunktion und Blutgase älterer silikosekranker Uranbergleute im Vergleich zu lungengesunden Probanden
W. Marek1, A. Flechsig4, H. Gespers2, E. Marek1, J. Riebe1, N. Kotschy-Lang3
1 Forschungsinstitut für Frühdiagnose des Bronchialkarzinoms, Augusta-Kranken-Anstalt, Bochum, 2 Evangelisches Krankenhaus, Castrop-Rauxel, 3 Berufsgenossenschaftliche Klinik für Berufskrankheiten, Falkenstein, 4 Helios Klinikum, Aue
DOI 10.5414/ATP30584
Abstrakt
Die Referenzwerte der ventilatorischen Lungenfunktion und der arteriellen Blutgase wurden vornehmlich an Probanden im mittleren Lebensabschnitt gewonnen. Für ältere Probanden muß daher eine Extrapolation über den Geltungsbereich der Sollwertfunktion durchgeführt werden, die insbesondere unter dem Aspekt der Begutachtung zu Unsicherheiten in der Beurteilung führt. Wir überprüften daher die Lungenfunktion (Spirometrie, Fluß-Volumenkurve und Bodyplethysmographie) mit Hilfe eines Ganzkörperplethysmographen und untersuchten Blutgasproben aus dem hyperämisierten Ohrläppchen an einem Kollektiv von 254 ehemaligen Uranbergleuten mit Silikose, anerkannt und entschädigt als Berufskrankheit nach Nr. 4101 der BKV. Weitere 134 anamnestisch lungengesunde Probanden (62 Männer im Alter von 25 – 59 Jahren und 72 Männer von 60 – 90 Jahren) dienten als Vergleichsgruppen. Die totale Resistance (Rt) der Patienten (Mittelwert 0,47 ± 0,28 kPa/l/s) war hochsignifikant (p < 0,00005) erhöht gegenüber den älteren (0,18 ± 0,06 kPa/l/s) und den jüngeren Probanden (0,19 ± 0,07). Ebenso verhielt sich die spezifische Resistance (sRt) 2,05 ± 1,56 kPa*s gegenüber 0,73 ± 0,24 bzw. 0,80 ± 0,27. Die relative Einsekundenkapazität betrug im Mittel 59,9 ± 13,5% gegenüber 76,9 ± 6,6% bzw. 83,4 ± 5,1% bei den Kontrollprobanden. Die Vital- (VCIN) und die totale Lungenkapazität (TLC) waren um 13 bzw. 10% kleiner als bei der altersentsprechenden Kontrollgruppe. Die deutlichsten Einschränkungen fanden sich in der maximalen exspiratorischen Atemstromstärken (PEF) und um mehr als 50% bei MEF75,50,25. Der Sauerstoffpartialdruck (PaO2) lag bei den Patienten im Mittel bei 70,7 ± 7,5 mmHg, Median 70,4 bei einer Spannweite von 91,5 – 43,8 mmHg. Diese Werte entsprechen 89,6 ± 9,5% des Sollwertes nach Ulmer. Der Mittelwert für den PaCO2 betrug 38,7 ± 3,5 mmHg, bei einer Spannweite von 48,9 – 27,8 mmHg. Die Meßwerte der ventilatorischen Lungenfunktion und des Sauerstoffpartialdruckes von lungengesunden älteren Probanden liegen im Mittel leicht über den extrapolierten Sollwerten der europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EC) [63]. Der Altersgang entspricht weitgehend dem im mittleren Lebensalter. Die beschriebenen Ergebnisse erlauben daher eine Berechnung der Sollwerte über den angegebenen Bereich hinaus und können auch für diesen Altersbereich in die Begutachtung einfließen. Im Vergleich zu den Werten lungengesunder älterer Probanden waren Rt und sRt deutlich erhöht, während FEV1 und die maximalen exspiratorischen Atemstromstärken der Silikosekranken deutlich eingeschränkt waren.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Forschungsinstitut für Frühdiagnose des Bronchialkarzinoms, Augusta-Kranken-Anstalt, Bochum,
- 2 Evangelisches Krankenhaus, Castrop-Rauxel,
- 3 Berufsgenossenschaftliche Klinik für Berufskrankheiten, Falkenstein,
- 4 Helios Klinikum, Aue
Adresse
PD Dr. rer. nat. W. Marek
Forschungsinstitut für Frühdiagnose des Bronchialkarzinoms
Augusta-Kranken-Anstalt
Bergstraße 26
D-44791 Bochum
Email:
[email protected]
Citation
W. Marek, A. Flechsig, H. Gespers, E. Marek, J. Riebe und N. Kotschy-Lang. Lungenfunktion und Blutgase älterer silikosekranker Uranbergleute im Vergleich zu lungengesunden Probanden. 2004; 30: 584-597. doi: 10.5414/ATP30584.