Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 30 - November 2004 (545 - 550)

Wolfgang T. Ulmer zum 80. Geburtstag
J. Kowalski

   

 

DOI 10.5414/ATP30545

Abstrakt

Zuallererst möchte ich mich herzlich für die Einladung bedanken und meine Freude zum Ausdruck bringen, daß es mir ermöglicht wurde, an diesen bedeutenden Festlichkeiten teilnehmen zu dürfen.

Gleichzeitig möchte ich nicht versäumen, noch einmal unserem sehr geehrten und lieben Jubilar, Professor Ulmer, zu seinem stolzen Geburtstag recht herzlich viel Gesundheit zu wünschen, und viel, viel Erfolg und Zufriedenheit in seinen unermüdlichen Bestrebungen, die weitere Entwicklung der Pneumologie zu sichern.

All die vergangenen, vielen Jahre waren ausgefüllt mit unermüdlicher Schaffenskraft zugunsten der deutschen und europäischen Medizin.

Es ist jedoch zu bemerken, daß beim Erreichen seines 65. Lebensjahres und dem offiziellen Übergang in den Ruhestand Professor Ulmer neue organisatorische Verpflichtungen auf sich nahm und sich weiterhin mit voller Kraft der medizinischen Forschung widmete.

Eine wesentliche Aufgabe für die nächsten Jahre wurde damit auch die deutsch-polnische Kooperation. Die ersten sporadischen Kontakte nach Polen wurden jetzt in eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit entsprechenden gemeinsam formulierten wissenschaftlichen Programmen umgesetzt.

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit umfaßte grundsätzlich zwei medizinische Arbeitsgruppen in Lublin und in Warschau.

Die Lubliner Arbeitsgruppe wurde lange Jahre geleitet von Herrn Professor Janusz Hanzlik, dem Direktor der Klinik für Innere Krankheiten der Medizinischen Fakultät der Medizinischen Hochschule in dieser Stadt.

Die Hauptproblematik dieser Arbeitsgruppe war in den 80er Jahren der Aufbau eines fachlichen Gesundheitsdienstes, vorgesehen für die erste im Lubliner Raum neuerbaute und eröffnete Kohlengrube. Das bedeutete die Errichtung eines modernen Lungenfunktionslabors zu Versorgung der Bergleute. Das Faszinierende dabei war die Ermittlung des Einflusses der Untertagearbeit auf die Lungenfunktion bei den neu eingesetzten Bergleuten, wobei die meisten von ihnen früher Landarbeiter und Bauern im Lubliner Bezirk waren und somit keinerlei Beziehung zum Kohlenstaub und zur Untertagetätigkeit hatten.

In Kooperation mit Professor Ulmer wurde ein Untersuchungsmuster ausgearbeitet. Die Organisation des Lubliner Lungenfunktionslabors wurde nach dem Bochumer Muster aufgebaut. Dank der Unterstützung Professor Ulmers wurde für das geplante Projekt ein Bodytest-Gerät von der Firma Boehringer-Ingelheim zur Verfügung gestellt und in Lublin aufgebaut. Die notwendige Erfahrung im Bereich der Lungenfunktions-Untersuchungstechnik konnten sich die Assistenten aus der Lubliner Universitätsklinik in den Einrichtungen der Klinik “Bergmannsheil” in Bochum in mehrwöchigen Kursen aneignen. Professor Ulmer sorgte dafür, daß die jungen Ärzte auch die in Bochum ausgearbeiteten Interpretationsprinzipien der Atemmechanik und Blutgasanalyse erlernen konnten.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden danach auf verschiedenen Symposien in Lublin und in Bochum diskutiert. Auch mehrere Publikationen wurden angefertigt und in deutschen und polnischen Fachzeitschriften gemeinsam publiziert. Ich glaube sagen zu dürfen, daß dieses Projekt einen bedeutenden Aufschwung der Pathophysiologie der Atmung an der Medizinischen Fakultät in Lublin zur Folge hatte. Als weitere wesentliche Resultate der Kooperation dürfen mehre Doktorarbeiten wie auch zwei Habilitationen, die an der Medizinischen Fakultät in Lublin vorgelegt wurden, angesehen werden.
Die Warschauer Arbeitsgruppe war mit der Lungenklinik der Medizinischen Fakultät der Warschauer Medizinischen Hochschule verbunden. Leiter der Klinik war Professor Waclaw Droszcz, das Lungenfunktionslabor stand jedoch unter meiner Leitung. Auch hier wurden gemeinsame Studien vorgenommen. Eine von ihnen befaßte sich mit der Emphysemdiagnostik aufgrund der in Bochum initiierten Analyse der Lungenmechanik. Auch verschiedene pathogenetische Aspekte der Atemwegsobstruktion wurden untersucht.

Viele Symposien wurden gemeinsam in Bochum wie auch in Polen organisiert. Darunter zwei in Lublin, zwei in Warschau, danach in Katowice, Lodz, Gdansk und zwei in Zakopane. Jedes Jahr war Professor Ulmer anwesend und hielt einen Vortrag. Dabei möchte ich besonders die Besuche und interessanten Vorträge junger Deutscher bei den in Polen organisierten Veranstaltungen hervorheben. Diese Kollegen kamen sowohl vom Klinikum “Bergmannsheil” als auch vom Physiologischen Institut der Ruhr-Universität.

Dem Beispiel Professor Ulmers folgten auch viele weitere Kollegen. In Erinnerung bleiben die Vorträge von Herrn Professor K.-M. Müller, Professor G. Schultze-Werninghaus, Professor K. Morgenroth aus Bochum wie auch weiterer Persönlichkeiten, wie Professor R. Ferlinz, Professor Johannes Piiper, Professor H. Magnussen, Professor K. Rasche und vieler anderer.

Zu einem Austausch der wissenschaftlichen Erfahrungen und zu persönlichen Begegnungen verhalfen auch die Einladungen der polnischen Kollegen zu den jährlichen Dezember-Tagungen in Bochum.

Mit voller Verantwortung möchte ich feststellen, daß in diesen vielen Jahren zum bedeutenden Austausch der medizinischen Erfahrungen wie auch zu persönlichen Begegnungen ein wesentlicher Beitrag geleistet wurde.

Die Folge davon ist, daß die deutschsprachige Pneumologie in Polen gut bekannt wurde. Als Ausdruck dafür kann die Würdigung vieler deutscher Kollegen durch die Polnische Gesellschaft für Pneumologie angesehen werden. Im Lauf der Jahre wurden Professor Wolfgang T. Ulmer wie auch drei weitere Professoren, Prof. Gerhard Schultze-Werninghaus, Prof. Rudolf Ferlinz und Prof. Helgo Magnussen, zu Ehrenmitgliedern der Polnischen Gesellschaft für Pneumologie ernannt. Außerdem ist Professor Ulmer zum Doctor honoris causa durch die Medizinische Fakultät der Medizinischen Hochschule in Lublin ernannt und somit zum Ehrenmitglied der Medizinischen Fakultät dieser Hochschule gewählt worden.

Die deutsch-polnische Arbeitsgruppe wurde aufgrund ihrer wissenschaftlichen und organisatorischen Erfolge als eigenständiger Organisationskreis der Polnischen Gesellschaft für Pneumologie anerkannt. Dadurch bekam die deutsch-polnische Arbeitsgruppe einen offiziellen Status in Polen.

Die finanzielle Unterstützung erfolgte sowohl durch polnische Institutionen als auch durch die in unserem Kreis gut bekannte Rhein-Ruhr-Stiftung Essen. Auch die Verwaltung des Klinikums “Bergmannsheil” wie auch die pharmazeutische Industrie griffen unter die Arme. Wir bedanken uns alle für diese sehr oft bedeutende Hilfe.

Lieber Professor Ulmer, für all das Gesagte, und aus Zeitmangel Ungesagte, möchte ich Ihnen meinen herzlichsten Dank aussprechen. Dieser Dank gilt auch den vielen weiteren Kollegen, die sich der Aufgabe, den Menschen zu helfen, angeschlossen haben.

Dieser Dank erfolgt auch im Namen vieler polnischer Kollegen, die unserem Jubilar und vielen deutschen Kollegen freundschaftlich verbunden sind.

Zusammen haben wir versucht, einen Beitrag für das gemeinsame und nicht immer friedliche Europa beizusteuern.

Ich hoffe, daß wir alle annehmen dürfen, mit dem gemeinsamen Projekt – der deutsch-polnischen Kooperation – zum Wohl und Ansehen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Bochum einen Beitrag geleistet zu haben.

Bevor ich schließe, möchte ich mich auch an die Frau Gemahlin, sehr geehrte Frau Eva Ulmer, wenden und ihr auch für ihre Unterstützung und Toleranz hinsichtlich der häufigen Abwesenheit ihres Gatten herzlich danken.

Prof. Dr. J. Kowalski, Warschau

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J. Kowalski.Wolfgang T. Ulmer zum 80. Geburtstag. 2004; 30: 545-550. doi: 10.5414/ATP30545.

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