Systemische Therapie mit Aerosolen : Allgemeine Grundlagen zur pulmonalen Verabreichung von Makromolekülen zur systemischen Therapie
R. Siekmeier1, G. Scheuch2
1 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn, 2 Inamed GmbH, Gemünden/Wohra
DOI 10.5414/ATP31374
Abstrakt
Die Behandlung pulmonaler Erkrankungen durch Aerosolinhalation stellt eine seit vielen Jahren etablierte Therapieform dar. Ein vergleichsweise neues Gebiet ist demgegenüber die systemische Therapie durch Inhalation von Aerosolen. Deren Anwendung wird jedoch durch die hohen Anfordernisse an die Exaktheit und Reproduzierbarkeit der verabreichten Dosis, die geringe Menge inhalierter Substanz im Vergleich zur im Gerät verbleibenden Substanzmenge, mögliche allergische Reaktionen nach pulmonaler Aerosoldeposition sowie die Variabilität des Transportes der Substanz aus den Alveolen in die Zirkulation, erschwert. Die anfangs bestehenden Probleme wurden in den letzten Jahren zunehmend gelöst: Durch den Einsatz von Aerosolgeneratoren, die die Herstellung eines Aerosols mit genau charakterisierter und optimierter Partikelgröße erlauben, und Durchführung eines standardisierten Atemmanövers gelang es, größere Substanzmengen reproduzierbar im alveolären Bereich zu deponieren. Moderne Aerosolgeneratoren erlauben eine weitgehend verlustfreie Vernebelung der eingesetzten Substanzmenge. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, daß keine relevanten allergischen Reaktionen nach Inhalation systemisch wirksamer Substanzen beobachtet werden. Die möglichen Einflußfaktoren pulmonaler Veränderungen auf das Resorptionsverhalten im alveolären Bereich wurden in einer Reihe von Studien untersucht, wobei ein relevanter Einfluß nur in wenigen Fällen (exogen-allergische Alveolitis, aktive Sarkoidose, aktives Rauchen) nachgewiesen werden konnte. Zunehmend wurden Untersuchungen zur pulmonalen Applikation höhermolekularer systemisch wirkender Substanzen (z.B. Insulin, Heparin, Interleukin-2) durchgeführt, deren Ergebnisse zeigen, daß die kontrollierte Aerosoltherapie eine non-invasive Alternative zur Applikation dieser Substanzen mit der Spritze darstellt. Die vorliegende Übersichtsarbeit gibt eine kurze Einführung in die zur Verabreichung zur Verfügung stehenden Methoden, die Mechanismen der pulmonalen Absorption von Biotherapeutikasubstanzen und die Möglichkeiten zur Steigerung der Absorption als Voraussetzung zur inhalativen Behandlung systemischer Erkrankungen.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn
- 2 Inamed GmbH, Gemünden/Wohra
Adresse
Prof. Dr. med. habil. R. Siekmeier
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
D-53175 Bonn
Email:
[email protected]
Citation
R. Siekmeier und G. Scheuch.Systemische Therapie mit Aerosolen : Allgemeine Grundlagen zur pulmonalen Verabreichung von Makromolekülen zur systemischen Therapie. 2005; 31: 374-386. doi: 10.5414/ATP31374.