Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 31 - Juli 2005 (335 - 335)

Editorial: Aerosole in der Medizin
Gerhard Scheuch

   

 

DOI 10.5414/ATP31335

Abstrakt

Die Kombination Aerosol und Medizin ist wahrscheinlich schon mehrere tausend Jahre alt. In der ayurvedischen Medizin des alten Indiens wurde schon vor 4.000 Jahren das “Rauchen von getrocknetem Stechapfel” gegen Lungenerkrankungen eingesetzt. Auch die Indianer Nordamerikas inhalierten den Rauch halluzinogener Pflanzen mit ihren Pfeifen.

Und in Aerosolen lebte der Mensch schon immer, denn Aerosole sind ubiquitär. Wir können ihnen nicht ausweichen. Selbst in der saubersten Umgebungsluft befinden sich mehrere tausend Partikel pro ml. Unsere Atmungsorgane haben sich an diese Situation angepaßt und effektive Filtersysteme (Nase, Rachen, Atemwege) und Reinigungsmechanismen (mukoziliare Abwehr und Makrophagen) entwickelt.

Heute kennen wir in der Aerosolmedizin zwei Aspekte, nämlich Aerosole mit negativen Auswirkungen und mit positiven Effekten auf die Gesundheit.

Zum einen beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen von inhalativen Schadstoffen. Da ist natürlich in erster Linie der Zigarettenrauch zu nennen, der Hunderttausende von Patienten in die pneumologischen Praxen bringt. Auf der anderen Seite bestimmt gerade eine sogenannte Feinstaubproblematik die Schlagzeilen der Tagespresse. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, daß unser Leben unter ständiger Feinstaubbelastung gesundheitliche Auswirkungen hat. So wurde in amerikanischen Studien schon vor etwa 10 Jahren festgestellt, daß ein Anstieg von nur 10 µg/m3 Feinstaubkonzentration die Lebenserwartung reduziert und die Mortalität um etwa 1% ansteigen läßt (die Mortalität an chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, Lungenkrebs und auch an Herz-Kreislauferkrankungen steigt sogar um bis zu 3,5%, wenn der Feinstaub-Mittelwert um 10 µg/m3 ansteigt).

Und es gibt auf der anderen Seite auch die guten Aerosole in der Inhalationstherapie. Immer mehr Medikamente gegen Lungenerkrankungen kommen auf den Markt. Inhalative Steroide und bronchialerweiternde Wirkstoffe werden schon lange eingesetzt. Nun gibt es aber auch inhalative Antibiotika, die die Lebenserwartung von Mukoviszidosepatienten signifikant verlängert haben. Und schon bald wird Insulin nicht mehr gespritzt werden müssen, sondern kommt in inhalativer Form auf den Markt. Weitere Wirkstoffe, die systemisch wirken müssen, aber nicht oral verabreicht werden können, werden folgen.

Und “last but not least” werden Aerosole auch zur Diagnostik eingesetzt und können dort wertvolle Dienste leisten.
Die Aerosolmedizin ist eine junge Disziplin, die nur durch multidisziplinäre Zusammenarbeit ihre Fortschritte erzielen kann und wird. So arbeiten in den Forschungszentren Mediziner, Physiker, Ingenieure, Biologen und Pharmakologen eng zusammen.
In diesem Themenheft werden sie Beiträge dieser verschiedenen Disziplinen finden, und vielleicht wird dadurch ihr Interesse an der Aerosolmedizin geweckt, von der sie in den nächsten Jahren nicht nur in den Schlagzeilen der Tagespresse noch mehr hören werden.

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Dr. med. G. Scheuch
Inamed GmbH
Intelligent Aerosol Medicine
Wohraer Straße 37
D–35285 Gemünden
Email: [email protected]

Citation

Gerhard Scheuch.Editorial: Aerosole in der Medizin. 2005; 31: 335-335. doi: 10.5414/ATP31335.

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