Editorial: Schimmelpilze in Innenräumen – Gratwanderung zwischen Energiesparen und Gesundheitsrisiko
H. Schweisfurth, Cottbus
DOI 10.5414/ATP31008
Abstrakt
Schimmelpilze kommen in unserer Umwelt ubiquitär vor und erfüllen wichtige Funktionen bei Entstehen und Abbau von biologischen Prozessen. Seit der Entdeckung des Penicillins durch A. Fleming 1928 ist bekannt, dass Schimmelpilze auch das Wachstum von Bakterien hemmen und damit als Antibiotikum zum Wohle der Menschheit beitragen. Leider profitiert der Mensch aber nicht nur vom Segen der Schimmelpilze, sondern er erfährt auch die unangenehmen Eigenschaften spätestens dann, wenn er sich in geschlossenen Räumen aufhält, die er sich häufig mit Schimmelpilzen und anderen Mikroorganismen teilen muß. Durch falsch verstandene Energiesparmaßnahmen wie das Abdichten von Fenstern wird eine geringe Luftwechselrate verursacht und die Luftfeuchtigkeit erhöht. Damit werden ideale Wachstumsbedingungen für Schimmelpilze geschaffen. Besonders gefährdet ist das Schlafzimmer, in dem häufig eine intensive Schimmelpilzflora auftritt. Allerdings ist es oft schwierig, den Nachweis eines Schimmelpilzbefalls zu führen, da ausgewiesene Experten selten zur Verfügung stehen und oft mehrere Methoden eingesetzt werden müssen. Dazu gehören die Messung kultivierbarer Schimmelpilze durch Sedimentation oder Oberflächenkontaktproben, Bestimmung von Gesamtsporenzahl und der Microbial Volatile Organic Compounds (MVOC). Häufig scheitert die baubiologische Untersuchung auf Schimmelpilzbefall an der ungeklärten Kostenfrage. Außerdem kommt hinzu, dass der Nachweis von kultivierbaren Schimmelpilzen noch nicht beweist, ob eine Erkrankung durch Schimmelpilze ausgelöst wurde. Oft sind Schimmelpilze Teil einer Gesamtbelastung aus weiteren Mikroorganismen, Allergenen, Mykotoxinen, Endotoxinen und Staubpartikeln, so dass dadurch die Erforschung der Ursache einer Erkrankung extrem erschwert wird. Eine besondere Herausforderung ist der Nachweis eines allergischen Asthmas bronchiale oder einer exogen allergischen Alveolitis (EAA) durch Schimmelpilze. Die Diagnose einer Schimmelpilzallergie vom Sofort- oder verzögerten Typ wird dadurch noch erschwert, dass etwa 100 000 Schimmelpilzarten bekannt sind, von denen einzelne Spezies bis zu 30 Allergene aufweisen. Außerdem stehen für die baubiologisch relevanten Schimmelpilze keine kommerziellen Antigene für die Diagnostik zur Verfügung. Da das allergische Asthma bronchiale und die EAA bei anhaltender Exposition weiter fortschreiten, sind neben der präzisen Diagnostik auch oft sehr kostenintensive bautechnische Maßnahmen zur Vermeidung einer weiteren Schimmelpilzexposition zwingend notwendig. Damit bewirken die Aktivitäten, die zur Energieeinsparung geführt haben, auf der anderen Seite weitaus höhere Ausgaben für die bautechnische Sanierung und für die Diagnostik und Therapie der Erkrankungen, die durch Schimmelpilze verursacht werden. Daher sollte das Prinzip der Vorsorge Anwendung finden, dass die Belastungen durch Schimmelpilze und andere Mikroorganismen in Innenräumen minimiert werden, um das Entstehen von Krankheiten zu vermeiden. Auch wäre zu wünschen, die Kooperation zwischen Baubiologen und pneumologisch tätigen Ärzten zu intensivieren, um der Herausforderung einer effektiven Bekämpfung der Schimmelpilzentstehung und -verbreitung gerecht zu werden.
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Prof. Dr. med. H. Schweisfurth
3. Medizinische Klinik – Pneumologie
Carl-Thiem-Klinikum Cottbus
Akademisches Lehrkrankenhaus der Humboldt-Universität zu Berlin (Charité)
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Citation
H. Schweisfurth, Cottbus.Editorial: Schimmelpilze in Innenräumen – Gratwanderung zwischen Energiesparen und Gesundheitsrisiko. 2005; 31: 8-8. doi: 10.5414/ATP31008.