Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 51 (2026) - 2. Quartal (102 - 110)

Akzidentelle Hypothermie und extrakorporale Rewarming-Verfahren – Narrative Übersicht mit Fallbericht
H. Molecki1, 2, T. Scheller1, S. Leinen3
1 Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Medizincampus Trier der Universitätsmedizin Mainz, Trier, 2 DRK Kreisverband Trier-Saarburg e.V, Saarburg, 3 Abteilung Anästhesie & Intensivmedizin, Kreiskrankenhaus Saarburg, Saarburg

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DOI 10.5414/IBX00681

Abstrakt

Hintergrund: Akzidentelle Hypothermie ist ein seltenes, aber potenziell reversibles Notfallbild mit hoher Mortalität, insbesondere bei hypothermiebedingtem Kreislaufstillstand. Extrakorporale Life-Support-Verfahren (ECLS), insbesondere die veno-arterielle ECMO (VA-ECMO), haben sich in den letzten Jahren als zentrale Therapieoption zur Wiedererwärmung und Kreislaufunterstützung etabliert.
Ziel: Darstellung von Pathophysiologie, klinischer Stadieneinteilung und aktuellen Therapiealgorithmen akzidentieller Hypothermie mit Fokus auf extrakorporale Rewarming-Verfahren, ergänzt durch einen Fallbericht mit komplexem ­ECMO-Verlauf.
Methodik: Narrative Übersicht auf Basis einer strukturierten Literaturrecherche in PubMed (Suchzeitraum bis Januar 2026) unter Verwendung der Suchbegriffe „accidental hypothermia“, „ECLS“, „ECMO“, „rewarming“ sowie relevanter Leitlinien (ERC 2025, Wilderness Medical Society 2019, ICAR MedCom). Eingeschlossen wurden systematische Reviews, Metaanalysen, Leitlinien und ausgewählte Originalarbeiten. Ergänzend wurde ein anonymisierter klinischer Fall mit tief hypothermem Kreislaufstillstand und ECLS-Therapie analysiert.
Ergebnisse: Die revidierte Schweizer Stadieneinteilung ermöglicht eine prähospitale Risikostratifikation und unterstützt die Entscheidung über Transportmodus und Zielklinik. Passive und aktive externe Maßnahmen sind bei milder bis moderater Hypothermie ausreichend; bei schweren Verläufen mit hämodynamischer Instabilität oder Herzstillstand werden aktive interne Verfahren (Dialyse, Thoraxlavage) und v. a. ECLS empfohlen. Registerdaten und Metaanalysen zeigen eine Assoziation zwischen ECLS und höheren Überlebensraten sowie besserem neurologischem Outcome bei selektionierten Patienten. Der HOPE-Score unterstützt die Indikationsstellung, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung. Der Fallbericht illustriert typische Komplikationen, darunter Blutungs-, Ischämie- und Weaning-assoziierte Probleme, im Kontext eines ausgeprägten Postreanimationssyndroms, Kapillarlecks und Multiorganversagens.
Schlussfolgerung: Akzidentelle Hypothermie erfordert standardisierte Algorithmen, enge Koordination zwischen Präklinik und ECLS-Zentrum sowie eine frühzeitige Identifikation potenzieller ECLS-Kandidaten. ECLS-basierte Rewarming-Strategien bei hypothermiebedingtem Kreislaufstillstand sind mit einer relevanten Überlebenswahrscheinlichkeit bei selektionierten Patienten assoziiert, gehen jedoch mit erheblichen Komplikationsrisiken und einem hohen Ressourcenbedarf einher.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Medizincampus Trier der Universitätsmedizin Mainz, Trier,
  • 2 DRK Kreisverband Trier-Saarburg e.V, Saarburg,
  • 3 Abteilung Anästhesie & Intensivmedizin, Kreiskrankenhaus Saarburg, Saarburg

Adresse

Dr. med. Thomas Scheller
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier
Medizincampus Trier der Universitätsmedizin Mainz
Nordallee 1
54292 Trier
Email: [email protected]

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Citation

H. Molecki, T. Scheller und S. Leinen.Akzidentelle Hypothermie und extrakorporale Rewarming-Verfahren – Narrative Übersicht mit Fallbericht. 2026; 51: 102-110. doi: 10.5414/IBX00681.

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