Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 51 (2026) - 1. Quartal (30 - 39)

Shared Decision-Making in der klinischen Akut- und Notfallmedizin
M. Brauchle1, 2, K. Fuest3
1 Landeskrankenhaus Feldkirch, Pflegeschule Vorarlberg-Standort Feldkirch, Feldkirch, Österreich, 2 PMU-Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich, 3 TUM-Universitätsklinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München

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DOI 10.5414/IBX00692

Abstrakt

Shared Decision-Making (SDM) gewinnt in der Notfallaufnahme zunehmend an Bedeutung, obwohl Zeitdruck, diagnostische Unsicherheit und unterschiedliche Patientenvoraussetzungen Herausforderungen darstellen können. Die Implementation fördert Vertrauen und patientenzentrierte Entscheidungen und kann sowohl medizinische als auch wirtschaftliche Vorteile erbringen. Auch wenn Barrieren auf Patienten-, Behandler- und Systemebene bestehen, zeigt die Literatur, dass SDM „im Akutsetting“ wirksam sein kann, wenn geeignete Kommunikationsstrategien, Entscheidungshilfen und organisatorische Rahmenbedingungen implementiert werden.
Hintergrund: Shared Decision-Making (SDM) ist ein zentraler Bestandteil patientenzentrierter Medizin und gewinnt in Notfallsituationen zunehmend an Bedeutung. Die besonderen Bedingungen der Notaufnahme – Zeitdruck, unvollständige Diagnostik sowie emotionale Belastung der Patient/-innen – können jedoch einen strukturierten Entscheidungsprozess beeinträchtigen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass SDM auch in diesem Kontext realisierbar ist und Vertrauen sowie die Versorgungsqualität verbessern kann.
Methoden: Dieser Übersichtsartikel fasst die aktuelle Evidenz, Herausforderungen und ethische Aspekte von SDM in der klinischen Akut- und Notfallmedizin zusammen. Zusätzlich wurden Arbeiten zur Implementierung inkludiert.
Ergebnisse: Barrieren für SDM in der Notaufnahme umfassen vor allem Zeitdruck, begrenzte Gesundheitskompetenz, Sprachhindernisse und organisatorische Einschränkungen wie fehlende Privatsphäre. Dennoch belegen Studien, dass SDM und Patient Decision Aids (PtDAs) Wissen und Zufriedenheit steigern und in einzelnen Fällen unnötige Diagnostik sowie Aufnahmen reduzieren können. Ethisch ist SDM der Ausdruck der Achtung der Autonomie, kann jedoch Konflikte erzeugen, wenn Patientenwünsche und medizinische Indikationen auseinandergehen oder Ressourcen knapp sind. Im klinischen Team können sowohl moralische Belastung als auch Verbesserungen der interprofessionellen Kommunikation entstehen. Förderliche Faktoren sind klare Kommunikationsstrukturen, Entscheidungshilfen wie z. B. Dolmetscher und institutionelle Unterstützung durch den Träger.
Schlussfolgerungen: SDM ist auch im dynamischen Umfeld der klinischen Akut- und Notfallmedizin sinnvoll und prinzipiell umsetzbar. Eine breitere Implementierung erfordert strukturierte Entscheidungshilfen, angepasste Kommunikationsformen sowie zusätzliche Evidenz zur Gesundheitskompetenz.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Landeskrankenhaus Feldkirch, Pflegeschule Vorarlberg-Standort Feldkirch, Feldkirch, Österreich,
  • 2 PMU-Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich,
  • 3 TUM-Universitätsklinikum rechts der Isar, Technische Universität München, München

Adresse

Priv. Doz. Dr. med. Kristina Fuest
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
TUM Universitätsklinikum Rechts der Isar
Ismaninger Str. 22
81675 München
Email: [email protected]

Citation

M. Brauchle und K. Fuest.Shared Decision-Making in der klinischen Akut- und Notfallmedizin. 2026; 51: 30-39. doi: 10.5414/IBX00692.

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