Allergologie, Jahrgang 48 (2025) - Mai (249 - 257)

Psychosoziale Beeinträchtigungen bei chronischer Urtikaria, verzögerte Überweisung an Spezialzentren und Inanspruchnahme alternativmedizinscher Behandlungen
J. Zarnowski1, P. Kage1, 2, R. Treudler1, 3
1 Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipzig, 2 Hautarztpraxis, Freiberg, 3 Institut für Allergieforschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member der Freien Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin

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DOI 10.5414/ALX02554

Abstrakt

Hintergrund: Die chronische idiopathische Urtikaria (CIU) stellt eine in der allergologischen Praxis weit verbreitete Erkrankung dar. Trotz verbesserter therapeutischer Möglichkeiten in der letzten Dekade leiden Betroffene häufig unter einer erheblichen Krankheitslast und werden unzureichend behandelt. Unser Ziel war es, die psychiatrischen Komorbiditäten, sozialen Beeinträchtigungen und Behandlungslücken zu erfassen.
Methoden: Bei erwachsenen Patienten mit CIU wurden demografische Daten, die Krankengeschichte und psychosozialen Belastungen erfragt. Mit validierten Fragebögen wurden zudem die Urtikariaaktivität, Krankheitskontrolle, Beeinträchtigung der Lebensqualität und psychiatrische Komorbiditäten erfasst.
Ergebnisse: 82 Patienten (78% weiblich; 47,5 ± 14,8 Jahre) wurden eingeschlossen, 65,9% zeigten eine unzureichende Krankheitskontrolle, 11% berichteten über eine Selbstmedikation der Urtikariasymptome mit Alkohol, Nikotin oder Marihuana. 19,5% suchten alternativmedizinische Hilfe, 54,9% versuchten eine Ernährungsumstellung. Die Inanspruchnahme von alternativmedizinischen Behandlungen war signifikant mit einer höheren Krankheitsaktivität assoziiert; eine selbstinitiierte Ernährungsumstellung zeigte eine signifikante Assoziation mit einer unzureichenden Krankheitskontrolle. Eine verzögerte Überweisung an ein auf Urtikaria spezialisiertes Zentrum war signifikant assoziiert mit anamnestisch erfassten psychiatrischen Erkrankungen, einer Selbstmedikation mit Drogen sowie selbstinitiierten Ernährungsumstellungen.
Schlussfolgerung: Unsere Daten zeigen eine unzureichende Krankheitskontrolle der CIU bei vielen Betroffenen. Wir konnten erhebliche psychosoziale Beeinträchtigungen erfassen, welche mit einer verzögerten Überweisung an Urtikaria-Zentren, alternativmedizinischen Behandlungen, Selbstmedikation mit Drogen und selbstinitiierter Ernährungsumstellungen assoziiert sind.

Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren

PubMedCentral

Allergologie select

Zitierung:
Zarnowski J, Kage P, Treudler R. Substantial psychosocial impairments in patients with chronic urticaria are associated with delayed referral to urticaria centers, non-academic treatments, and dietary changes. Allergol Select. 2025; 9: 8-15.
DOI 10.5414/ALX02554E

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipzig,
  • 2 Hautarztpraxis, Freiberg,
  • 3 Institut für Allergieforschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member der Freien Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin

Adresse

Dr. med. Julia Zarnowski
Klinik für Dermatologie, Venerologie und
Allergologie
Universitätsklinikum Leipzig A.ö.R.
Philipp-Rosenthal-Straße 69
04103 Leipzig
Email: [email protected]

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Citation

J. Zarnowski, P. Kage und R. Treudler. Psychosoziale Beeinträchtigungen bei chronischer Urtikaria, verzögerte Überweisung an Spezialzentren und Inanspruchnahme alternativmedizinscher Behandlungen. 2025; 48: 249-257. doi: 10.5414/ALX02554.

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