Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 49 (2023) - April (163 - 173)

Ist die In-vitro-Zytokinfreisetzung ein geeigneter Marker, um die Diagnostik bei schimmelpilzbedingten Atemwegssymptomen zu verbessern? – Eine Proof-of-Concept- Studie
V. Liebers, S. Kespohl, G. Borowitzki, H. Stubel, M. Raulf
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)

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DOI 10.5414/ALX02299

Abstrakt

Schimmelpilzbefall in Innenräumen kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, darunter allergische und nichtallergische Atemwegsbeschwerden. Insbesondere wenn die Beschwerden nicht allergisch bedingt sind, fehlen Diagnoseinstrumente, welche die schimmelpilzbedingten Gesundheitsprobleme erklären könnten. Als Proof-of-Concept wurde in der vorliegenden Studie ein Vollblut-Test (VBT) verwendet, um die zelluläre Reaktion durch Messung der Zytokinfreisetzung (IL-1β und IL-8) nach In-vitro-Stimulation zu bestimmen. Von insgesamt 48 Personen standen Blutproben zur Verfügung. Mittels Fragebogen wurden Beschwerden und eine mögliche Schimmelpilzexposition dokumentiert. Die spezifische In-vitro-Zellreaktivität wurde mit E. coli-Endotoxin und Extrakten verschiedener Schimmelpilze (Aspergillus fumigatus, Penicillium chrysogenum, Aspergillus versicolor und Cladosporium herbarum) getestet. Um die schimmelpilzinduzierte Immunantwort mittels VBT zu charakterisieren, verglichen wir die folgenden Gruppen: Asthmatiker versus Nichtasthmatiker, Schimmelpilz-Sensibilisierte versus nicht Schimmelpilz-Sensibilisierte, Schimmelpilz-Exponierte versus nicht Schimmelpilz-Exponierte. Als Reaktion auf die Stimulation mit Endotoxin wurde bei Schimmelpilz-Sensibilisierten eine signifikant höhere IL-1β-Freisetzung festgestellt als bei nicht Sensibilisierten. Darüber hinaus zeigte das Blut von Asthmatikern im Vergleich zu dem von Nichtasthmatikern eine signifikant höhere IL-8- und IL-1β-Freisetzung nach Stimulation mit P. chrysogenum und Endotoxin. Es wurde jedoch kein signifikanter Unterschied in der Höhe der Zytokinfreisetzung zwischen der schimmelpilzexponierten und der nicht exponierten Gruppe beobachtet, weder nach Endotoxin – noch nach Schimmelpilzstimulation. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der in dieser Studie verwendete VBT kein geeignetes Instrument für die klinische Routinediagnostik ist. Unsere Daten deuten darauf hin, dass der VBT krankheitsbedingte zelluläre Unterschiede widerspiegelt, aber nicht die Schimmelpilzexposition anzeigt. In Kombination mit weiteren Daten kann der VBT jedoch ein hilfreiches und interessantes Werkzeug in der Forschung sein, zum Beispiel bei der Beschreibung der komplexen Immunantwort auf Schimmelpilze.


Erstpublikation in Allergologie select, mit freundlicher Genehmigung der Autoren:


PubMedCentral

Allergologie select

Zitierung:
Liebers V, Kespohl S, Borowitzki G, Stubel H, Raulf M. Is in vitro cytokine release a suitable marker to improve the diagnosis of suspected mold-related respiratory symptoms? A proof-of-concept study. Allergol Select. 2022; 6: 133-141. DOI 10.5414/ALX02299E

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)

Adresse

Dr. rer. nat. Verena Liebers
Abteilung Kompetenz-Zentrum Allergologie/Immunologie
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der
Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Email: [email protected]

Citation

V. Liebers, S. Kespohl, G. Borowitzki, H. Stubel und M. Raulf.Ist die In-vitro-Zytokinfreisetzung ein geeigneter Marker, um die Diagnostik bei schimmelpilzbedingten Atemwegssymptomen zu verbessern? – Eine Proof-of-Concept- Studie. 2023; 49: 163-173. doi: 10.5414/ALX02299.

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