Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 47 (2021) - Oktober (463 - 480)

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom und Karzinomentstehung
M. Orth1, K. Rasche2
1 Medizinische Klinik III, Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik GmbH, Mannheim, 2 Bergisches Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Universität Witten/Herdecke HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

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DOI 10.5414/ATX02587

Abstrakt

Während es über den Zusammenhang zwischen Chronodysruption, insbesondere in Folge von Schichtarbeit, und der Entstehung von Karzinomen keinen Zweifel gibt, steht der Zusammenhang zwischen schlafbezogenen Atmungsstörungen, insbesondere dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom und Karzinomentstehung immer noch unter Debatte. Dies rührt daher, dass Studien zu diesem Thema überwiegend retrospektiv und nicht mit dem primären Endpunkt „Karzinominzidenz bei obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom“ durchgeführt wurden und z. T. diametrane Ergebnisse liefern, wobei die meisten Untersuchungen für einen entsprechenden Zusammenhang sprechen. Für die Karzinomentstehung beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ist in erster Linie die Hypoxämie als entscheidender Faktor anzusehen. Sowohl in experimentellen Untersuchungen an Zellen als auch im Tierexperiment konnte nachgewiesen werden, dass die Hypoxämie das Wachstum und die Ausbreitung maligner Zellen im Vergleich zu normoxischen Bedingungen beschleunigt. Interessant hierbei ist, dass nicht die chronische, also andauernde Hypoxämie, sondern vielmehr die intermittierende ­Hypoxämie in Verbindung mit normoxämen Phasen den stärksten Wachstumsreiz ausübt. Denkbar ist aber auch, dass die Schlaffragmentierung, die dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ebenso immanent ist, einen prokarzinogenen Effekt hat. Studien zu dieser Frage liegen bislang nicht vor. Um die Frage nach einem Zusammenhang zwischen obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom und Karzinom­entstehung letztendlich beantworten zu können, bedarf es prospektiver Untersuchungen an großen Patientenkollektiven unter Ausschluss aller Risikofaktoren, die zur Karzinom­entstehung beitragen können.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Medizinische Klinik III, Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik GmbH, Mannheim,
  • 2 Bergisches Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Universität Witten/Herdecke HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

Adresse

Prof. Dr. med. M. Orth
Medizinische Klinik III
Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH
Bassermannstraße 1
68165 Mannheim
Email: [email protected]

Citation

M. Orth und K. Rasche.Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom und Karzinomentstehung. 2021; 47: 463-480. doi: 10.5414/ATX02587.

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