Wie wirkt sich Feinstaubexposition auf die Progression von Asthmaerkrankungen aus?
R.M. von Borries1, K.-C. Bergmann2
1 Berlin, 2 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin
DOI 10.5414/ATX02415
Abstrakt
Einleitung: Als Feinstaub bezeichnet man Luftpartikel mit einem aerodynamischen Durchmesser < 10 μm, wobei drei Feinstaubgrößen unterschieden werden. Zu PM10 zählen alle Partikel mit einem Durchmesser < 10 µm. Partikel mit einer Größe von unter 2,5 µm werden zu PM2,5 gefasst. Ultrafeinpartikel weisen eine Größe von weniger als 0,1 µm auf. In Ballungsgebieten stellen Verkehrsemissionen die Hauptquelle von Feinstaub dar. Weitere wichtige anthropogene Quellen sind Staubaufwirbelungen, die Erosion von Straßenbelägen, Reifen- und Bremsabrieb sowie Verbrennungsvorgänge fossiler Brennstoffe. Nach Eintritt in den menschlichen Organismus wirken sich Feinstaubpartikel besonders auf respiratorische und kardiovaskuläre Krankheitsbilder aus. Aufgrund der verstärkten Feinstaubbelastung im Kontext des Klimawandels untersucht diese Arbeit, ob Feinstaubpartikel-Exposition Asthma-Erkrankungen begünstigen kann. Tiefergreifend wird beleuchtet, inwiefern physikalische und chemische Eigenschaften der Partikel in Bezug auf asthmaassoziierte Auswirkungen von Bedeutung sind.
Methodik: Nach systematischer Literaturrecherche wurden 33 relevante klinische Studien sowie einige hinzugezogene Reviews identifiziert, die sich thematisch mit dem Zusammenhang Feinstaubpartikel und Asthma-Erkrankungen beschäftigen.
Ergebnisse: Es lassen sich deutliche Zusammenhänge zwischen den Feinstaubgrößen PM2,5 und PM10 sowie verstärkter respiratorischer Entzündungsreaktion, erhöhter bronchialer Hyperreagibilität und oxidativem Stress bei Asthmatikern aufzeigen. Jedoch ist häufig auch von hoher Korrelation der unterschiedlichen Luftschadstoffkomponenten auszugehen. Studien zu Dieselemissionen weisen inkonsistente Ergebnisse auf, wobei in Laborstudien bei Gesunden eine verstärkte Entzündungsreaktion im Gegensatz zu Asthmatikern nachgewiesen wurde. Studien zu verkehrsbedingten Emissionen werfen die Frage auf, inwiefern die Wohnortnähe zu einer nächstgrößeren Fahrbahn in bestimmten Lebenssituationen bedeutender als die eigentliche Feinstaubpartikelkonzentration sein könnte. Die Rolle von Ultrafeinstaub variiert und wurde in einem Großteil der Studien nicht explizit erfasst. Die Tendenz der meisten Studien geht in Richtung eines negativen Einflusses von Ultrafeinstaub auf Asthma-Erkrankungen. Asthmaassoziierte Klinikaufenthalte von Kindern und Erwachsenen und Asthma-Inzidenz konnten mit Feinstaubpartikelgröße PM2,5- und PM10-Exposition in Verbindung gebracht werden.
Diskussion: Umwelt-Organismus-Wechselwirkungen sind hochkomplex und somit auch die Auswirkungen auf das Immunsystem und die Beeinflussung von Asthma-Progression. Isolierte Feinpartikel lassen sich in reellen Situationen häufig nur erschwert untersuchen und korrelieren hochgradig mit anderen Luftschadstoffkomponenten, wodurch signifikante Zusammenhänge einzelner Feinstaubkomponenten größtenteils mit Vorsicht zu interpretieren sind. Dennoch weisen die Ergebnisse generell auf die unumgängliche Notwendigkeit hin, auf politischer Ebene für eine strengere Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte zu plädieren, um damit zusammenhängende Gesundheitsfolgen möglichst weitreichend zu reduzieren.
Autoreninformation
Autoren
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- 1 Berlin,
- 2 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Medizinische Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin
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Rosa von Borries
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10407 Berlin
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Citation
R.M. von Borries und K.-C. Bergmann.Wie wirkt sich Feinstaubexposition auf die Progression von Asthmaerkrankungen aus?. 2020; 46: 289-307. doi: 10.5414/ATX02415.