Atmung und Schlaf bei Mutter und Fetus in der Schwangerschaft
T. Schäfer1, 2, M.E. Schläfke1, 2
1 Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Bochum, 2 HELIOS Klinik Hagen-Ambrock, Klinische Physiologie, Hagen
DOI 10.5414/ATX02194
Abstrakt
Diese Übersicht geht der Frage nach, wie sich die körperlichen und insbesondere hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft auf Atmung und Schlaf auswirken und wie und wann sich Atmung und Schlaf beim Fetus entwickeln. Die Schwangerschaft hat einen erheblichen Einfluss auf Atmungsregulation und Atemmechanik sowie auf die Schlafregulation: Durch seine Größenzunahme schränkt der Uterus zwar die maximale willkürliche Ventilation ein, das Schwangerschaftshormon Progesteron hingegen bewirkt eine kompensierende Bronchodilatation und eine markante Hyperventilation mit arteriellen PCO2- Werten der Schwangeren unter 30 mmHg. Die Schlafqualität nimmt in der Schwangerschaft ab, insbesondere aufgrund steigender Hormonspiegel des Progesterons, einer generellen Stoffwechselsteigerung, Nykturie, fetaler Bewegungen und wegen der Begünstigung schlafbezogener Atmungsstörungen. Beim Embryo entwickelt sich bereits in der 4. Woche die Lungenanlage und reift über ein pseudoglanduläres, kanalikuläres, sakkuläres zum alveolaren Stadium. Ab Schwangerschaftswoche 29 – 30 sezernieren Typ- 2-Alveozyten Surfactant. Ab der Mitte des zweiten Trimenons sind fetale Atembewegungen nachweisbar. Ohne sie fehlte der Stimulus für ein adäquates Lungenwachstum. Sie sind abhängig vom Ruhe-/Aktivitätsrhythmus des Feten und antworten auf erhöhten Kohlendioxidpartialdruck, während sie durch Sauerstoffmangel inhibiert werden. Die innere Uhr entwickelt sich beim Fetus im letzten Trimester und wird durch Zeitgeber der Mutter, zum Beispiel durch den Melatoninspiegel, synchronisiert. In den letzten 10 Wochen der Schwangerschaft lassen sich Phasen ruhigen (NREM-) und aktiven (REM-) Schlafes differenzieren. Schwangerschaft und intrauterine Entwicklung sind von erheblichen Veränderungen von Atmung und Schlaf bei Mutter und Kind begleitet, die Ansatzpunkte pathophysiologischer Entwicklungen sein können.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Bochum,
- 2 HELIOS Klinik Hagen-Ambrock, Klinische Physiologie, Hagen
Adresse
Prof. Dr. med. Thorsten Schäfer
Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät
Universitätsstraße 150
44780 Bochum
Email:
[email protected]
Citation
T. Schäfer und M.E. Schläfke.Atmung und Schlaf bei Mutter und Fetus in der Schwangerschaft. 2016; 42: 542-545. doi: 10.5414/ATX02194.