Die akute Nierenschädigung H. Karakizlis, P. Boide Universitätsklinikum Giessen und Marburg, Standort Giessen, Medizinische Klinik II, SP Nephrologie
DOI 10.5414/IBX00455
Abstrakt
Die akute Nierenschädigung (ANS) ist charakterisiert als ein schneller Funktionsverlust der Niere mit reduzierter glomerulärer Filtrationsrate und Erhöhung von harnpflichtigen Substanzen. Neuere Klassifikationssysteme wie RIFLE-Klassen oder KDIGO-Klassifikation ermöglichen eine klare Definition und Zuordnung unterschiedlicher Schweregrade. Mit zunehmendem Schweregrad der ANS steigt auch das Risiko, zu versterben, und die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie an. In den letzten 25 Jahren hat, auch aufgrund eines immer älter werdenden Patientenkollektivs, die Inzidenz der ANS zugenommen. Je nach Patientenkollektiv sind zwischen 3% und 90% betroffen. Die wesentlichen Ursachen einer ANS bei Krankenhauspatienten sind renale Minderperfusion (z.B. hypovolämer Schock), exogen-toxische Schädigung (z.B. Kontrastmittel) und postrenale Obstruktion. Die klinischen Symptome reichen von einer klinisch asymptomatischen strukturellen Nierenschädigung bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen durch Hypervolämie sowie Elektrolytentgleisung. Risikofaktoren für die Entwicklung einer ANS sind z.B. die chronische Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus und Herzinsuffizienz. Trotz zahlreicher Fortschritte in der (Intensiv)-Medizin inklusive Entwicklung neuerer Nierenersatzverfahren ist die Mortalität der Patienten mit einer dialysepflichtigen ANS weiterhin hoch. Daher gewinnt die Prävention und Früherkennung einer ANS im klinischen Alltag zunehmend an Bedeutung. Wichtige Schritte zur Diagnosestellung stellen die Anamnese und klinische Untersuchung dar. Kreatinin, Harnstoff und Urinausscheidung sind die wichtigsten laborchemischen Parameter zur Diagnosestellung. Obligat ist weiterhin auch die bildgebende Diagnostik mittels Sonografie der Nieren. Bei unklaren Befunden besteht die Indikation zur Nierenbiopsie, um die Entität der ANS zu klären. Nach Erstdiagnose einer ANS sollten engmaschige Verlaufskontrollen des Serumkreatinin und der Urinproduktion durchgeführt werden und entsprechend der KDOQI-CKD-Leitlinien behandelt werden. Eine kausale Therapie besteht derzeit nicht. Derzeit steht eine symptomatische Therapie mit Behandlung der im Rahmen der ANS auftretenden Komplikationen im Vordergrund. Wichtig ist ein konsequentes Volumenmonitoring und bei konservativ nicht mehr beherrschbaren Hyperkaliämien und Volumenüberladung die Durchführung einer Nierenersatztherapie.
Universitätsklinikum Giessen und Marburg, Standort Giessen, Medizinische Klinik II, SP Nephrologie
Adresse
Dr. med. Hristos Karakizlis
und
Dr. med Philipp Bolde
Universitätsklinikum Giessen und Marburg
Standort Giessen
Medizinische Klinik II, SP Nephrologie
Klinikstraße 33
D–35392 Giessen Email: [email protected] und [email protected]
Citation
H. Karakizlis und P. Boide.Die akute Nierenschädigung.2015; 40: 95-102. doi: 10.5414/IBX00455.
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