Funktionelle Anatomie des Anorektum T. Wedel Zentrum für Klinische Anatomie, Anatomisches Institut, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
DOI 10.5414/VDX00863
Abstrakt
Die Diagnostik und Behandlung proktologischer Erkrankungen gelingt umso erfolgreicher, desto besser das Verständnis für die funktionelle Anatomie des Anorektum ist. Deshalb gibt der folgende Beitrag eine Übersicht über die klinisch relevanten anatomischen Strukturen, die an der Vermittlung der wesentlichen Aufgaben des Anorektum beteiligt sind – die anale Kontinenz und Defäkation. Der anorektale Kontinenzapparat setzt sich zusammen aus der Rektumampulle, dem oberen und unteren Analkanal einschließlich des Anoderms, dem analen Schließmuskelkomplex und der Beckenbodenmuskulatur sowie dem Hämorrhoidalplexus (Corpus cavernosum recti). Während die Grobkontinenz durch das Zusammenspiel des autonom innervierten, glattmuskulären Sphincter ani internus und willkürlichen Sphincter ani externus vermittelt wird, gewährleistet der Hämorrhoidalplexus die Feinkontinenz. Sowohl anatomisch als auch klinisch muss das Hämorrhoidalleiden klar abgegrenzt werden von Erkrankungen perianaler Venen, wie z.B. der Perianalvenenthrombose. Kryptoglanduläre Abszesse und perianale Fisteln lassen sich häufig auf entzündlich veränderte Proktodealdrüsen zurückführen, können sich infra- und supralevatorisch ausbreiten und damit die Funktion des anorektalen Kontinenzapparates gefährden.
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