Verdauungskrankheiten, Jahrgang 32 - Mai/Juni (138 - 146)

Obstipation und Mythos Laxanzienabusus
H. Krammer1, A.K. Thomann1, T. Rustemeyer1, R. Ehehalt2
1 Praxis für Gastroenterologie und Ernährungsmedizin und End- und Dickdarmzentrum Mannheim, 2 IV. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg

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DOI 10.5414/VDX00781

Abstrakt

Die chronische Obstipation ist eine Volkskrankheit: 10 – 15% der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen geben an, unter einer Obstipation zu leiden. Die Beschwerden können zu einer erheblichen Belastung mit Einschränkung der Lebensqualität führen, weswegen die Obstipation nicht als Befindlichkeitsstörung abgetan werden darf. Die Therapie der chronischen Obstipation richtet sich nach Art und Schweregrad der Obstipation. Patienten mit Normal-Transit- Obstipation können von therapeutischen Allgemeinmaßnahmen und diätetischen Maßnahmen profitieren. Darüber hinaus werden Gelbildner wie Flohsamenschalen und bei Bedarf osmotische Laxanzien (Macrogol) oder stimulierende Laxanzien (Bisacodyl, Natriumpicosulfat) angewendet. Patienten mit Slow-Transit-Obstipation (Kolontransitzeit > 72 h) sind auf eine medikamentöse Dauertherapie mit diesen Laxanzien angewiesen. Reichen diese nicht aus, gibt es neue Medikamente wie Prucaloprid oder Linaclotid. Liegt eine Entleerungsstörung (Outlet-Obstipation) vor, kommen Gelbildner und lokale rektale Entleerungshilfen (z. B. CO2-bildende Suppositorien) zum Einsatz. Bezüglich des nicht haltbaren Mythos über einen Laxanzienabusus kann festgehalten werden, dass eine dauerhafte Einnahme von Laxanzien möglich und unbedenklich ist, wenn die empfohlene Dosis eingehalten und individuell an die Bedürfnisse einer Person angepasst wird. Die mit der dauerhaften Einnahme von Laxanzien befürchtete Abhängigkeit und Toleranzentwicklung hat sich in verschiedenen Studien als nichtig dargestellt. Patienten mit chronischer Obstipation profitieren von der medikamentösen Therapie und sie sollte ihnen nicht aus der unbegründeten Angst vor Nebenwirkungen vorenthalten werden.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Praxis für Gastroenterologie und Ernährungsmedizin und End- und Dickdarmzentrum Mannheim,
  • 2 IV. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg

Adresse

Prof. Dr. med. H. Krammer
Praxis für Gastroenterologie und Ernährungsmedizin
End- und Dickdarmzentrum Mannheim
Bismarckplatz 1
D–68165 Mannheim
Email: [email protected]

Citation

H. Krammer, A.K. Thomann, T. Rustemeyer und R. Ehehalt.Obstipation und Mythos Laxanzienabusus. 2014; 32: 138-146. doi: 10.5414/VDX00781.

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