Werkzeuge für die Diagnostik einer berufsbedingten Typ I-Allergie
M. Raulf
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
DOI 10.5414/ATX01931
Abstrakt
Die Diagnostik berufsbedingter allergischer Erkrankungen vom Soforttyp ist häufig schwierig, da mittlerweile mehr als 250 Arbeitsstoffe als „atemwegssensibilisierend“ beschrieben sind, aber nur wenige standardisierte Testsubstanzen dafür zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist auch die Wirkung vieler Substanzen nicht eindeutig geklärt. Der Differentialdiagnostik, bestehend aus Anamnese, Hauttest, In-vitro-Diagnostik und Provokationstest, kommt daher eine zentrale Bedeutung zu. Die zweifellos wichtigste und praxistauglichste In-vitro-Untersuchung ist die Bestimmung von allergenspezifischen IgE-Antiköpern (sIgE) im Serum. Der Nachweis von sIgE – ebenso wie ein positiver Hauttest – bedeutet, dass eine spezifische Sensibilisierung gegenüer den entsprechenden Allergenen vorliegt, der Nachweis einer klinisch-relevanten Allergie ist damit nicht erbracht. Die Aussagekraft der Allergiediagnostik ist eindeutig von der Qualität der verwendeten Allergenextrakte und der Methoden abhängig. Verwendete Antigene/Allergene müssen charakterisiert und standardisiert werden. Rekombinante Allergene gewinnen zunehmend an Bedeutung, aber nur wenige sind für Berufsallergene kommerziell verfügbar. Da auch viele Berufsallergene, insbesondere diejenigen pflanzlichen Ursprungs (zum Beispiel Naturlatex, Hölzer), kreuzreaktive Kohlenhydratdeterminanten besitzen können, kann die Spezifität der In-vitro-Diagnostik durch diese beim Nachweis einer beruflichen Typ I-Allergie nachteilig beeinflusst werden. Allergenspezifisches IgG spielt daher keine Rolle in der Pathogenese allergischer Typ I-Reaktionen, gilt aber als diagnostisches Kriterium bei einer exogen-allergischen Alveolitis. Ergänzend können bei unklaren Befunden zelluläre Testsysteme, z.B. basierend auf der allergenspezifischen Basophilenaktivierung, hilfreich sein. Für die einzelnen Teste sind allerdings Standardprotokolle inklusive Ringversuchen und entsprechenden Qualitätskontrollen zu fordern.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Adresse
Prof. Dr. rer. nat. Monika Raulf
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der
Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Kompetenz-Zentrum Allergologie/Immunologie
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
D-44789 Bochum
Email:
[email protected]
Citation
M. Raulf.Werkzeuge für die Diagnostik einer berufsbedingten Typ I-Allergie. 2014; 40: 128-137. doi: 10.5414/ATX01931.