Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 38 - März (117 - 124)

Thrombotische Mikroangiopathie bei einem 17-jährigen Patienten: TTP, HUS oder etwas von beidem?
J. Gerth1, M. Busch1, F. Oyen2, R. Schneppenheim2, T. Keller3, U. Budde4, H.-J. Groene5, G. Wolf1
1 Klinik für Innere Medizin III, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, 2 Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 3 Helios-Klinikum, Erfurt, 4 Koagulationslabor, Laborgemeinschaft Professor Arndt und Partner, Hamburg, 5 Abteilung für Zell- und Molekularpathologie, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Add to Cart  

 

DOI 10.5414/NHP38117

Abstract

Thrombotische Mikroangiopathien sind charakterisiert durch die Entstehung von hyalinen Thromben in den kleinen Gefäßen, was zu Thrombozytopenie, mikroangiopathischer Hämolyse und Organversagen führt. Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) und hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) sind zwei der wichtigsten klinischen Syndrome der thrombotischen Mikroangiopathien. Obwohl die Differenzialdiagnose zwischen TTP und HUS üblicherweise durch den klinischen Rahmen bestimmt wird, lassen neuere Ergebnisse auf wesentliche pathophysiologische Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen schließen. Autoimmune Inhibitoren oder Genmutationen einer den von-Willebrand-Faktor (vWF) sparltenden Metalloprotease (ADAMTS13) führen bei der TTP zur Akkumulation von ungewöhnlich großen multimeren Formen des vWF, was die Anhaftung von Blutplättchen und die Entstehung von Mikrothromben ermöglicht. Im Gegensatz dazu wird die HUS klassischerweise durch eine Infektion mit verotoxinproduzierenden Bakterien verursacht. Dieses Toxin induziert endotheliale Verletzungen, Apoptosen und Entzündungen. Die Verletzung des Endothels verursacht eine erhöhte Schubspannung, die die Spaltung des vWF unterstützt, dennoch entsteht schließlich eine Thrombose. Man könnte annehmen, dass die Differentialdiagnose von TTP oder HUS durch eine Messung der ADAMTS13-Aktivität und/oder den Nachweis von Verotoxin einfach wäre. Wir berichten hier aber über einen jungen Patienten mit thrombotischer Mikroangiopathie und Nierenbeteiligung mit niedrigen ADAMTS13-Konzentrationen, die nicht gut auf die Plasmapheresetherapie ansprach, im Anschluss an den Nachweis von verotoxinproduzierenden E. coli des Serotyps O157:H7 jedoch gut auf eine Antibiotikatherapie reagierte. Die Sequenzierung des ADAMTS13-Gens zeigte keine Mutationen und es konnten keine Anti-ADAMTS13-Antikörper nachgewiesen werden. Dieser Fall, zeigt, dass sich Präsentation und Ätiologie von TTP und HUS überschneiden können. Diese Tatsache wird durch ein neueres Tiermodell unterstrichen, bei dem Verotoxin die Entstehung von TTP bei ADAMTS13-defizienten Mäusen auslöste.

Author Details

Authors

Departments

  • 1 Klinik für Innere Medizin III, Friedrich-Schiller-Universität, Jena,
  • 2 Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,
  • 3 Helios-Klinikum, Erfurt,
  • 4 Koagulationslabor, Laborgemeinschaft Professor Arndt und Partner, Hamburg,
  • 5 Abteilung für Zell- und Molekularpathologie, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Address

Prof. Dr. med. G. Wolf; Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinik Jena, Erlanger Allee 101, D-07747 Jena
Email: [email protected]

Citation

J. Gerth, M. Busch, F. Oyen, R. Schneppenheim, T. Keller, U. Budde, H.-J. Groene und G. Wolf.Thrombotische Mikroangiopathie bei einem 17-jährigen Patienten: TTP, HUS oder etwas von beidem?. 2009; 38: 117-124. doi: 10.5414/NHP38117.

###article_not_exists_msg###

Shopping Overview

Shopping Overview
Type Qtty Discount VAT Price
Your basket is empty
View Cart