Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 38 - März (85 - 95)

Einfluss des Dialyseeffektivitäts-Parameters single pool spkt/V auf die renale Anämie und den Verbrauch von erythropoiesestimulierenden Faktoren (ESF)
R.E. Winkler1, W. Pätow1, P. Ahrenholz2, K. Freivogel3, A. Wiggenhauser4, R. Brunkhorst5
1 Praxisverbund für Dialyse und Apherese, Rostock, 2 BioArtProducts GmbH, Rostock, 3 Analytica International GmbH, Lörrach, 4 Roche AG, Grenzach, 3 Abteilung Nieren-, Hochdruck- und Gefäßkrankheiten, Klinikum Hannover Oststadt

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DOI 10.5414/NHP38085

Abstract

Hintergrund: Die Dialysedosis, ausgedrückt in der Maßzahl spkt/V, gilt als Parameter der Effektivität der chronischen Dialysetherapie. Dabei werden Dialysezeit, Clearance der Dialysemembran und Verteilungsvolumen der wasserlöslichen Substanz Harnstoff in Relation gesetzt. Mit der rasanten Entwicklung der Dialysetechnologie, des Einsatzes ultrapuren Dialysewassers, biokompatibler High-flux-Membranen und der Nutzung der Online-Hämodiafiltration (HDF) erscheint eine Beschreibung der Dialyseeffektivität durch spkt/V nicht mehr hinreichend, da Aspekte der Inflammation, des Ernährungszustands, der Entfernung hydrophober und proteingebundener Substanzen keine Beachtung finden. Material und Methode: Es wurde eine retrospektive, multizentrische, nichtrandomisierte, deskriptive Analyse in drei unterschiedlichen Dialyseeinrichtungen durchgeführt. 233 Patienten konnten in die Untersuchung eingeschlossen werden. Die Patienten waren durchschnittlich 63,8 Jahre alt, 55% der Patienten waren Männer. Der Analyse wurden die routinemäßig erhobenen Laborparameter zugrundegelegt: Hämoglobin (Hb), Albumin (Alb), C-reaktives Protein (CRP), single pool k × t/V (spkt/V) und der durchschnittliche Verbrauch an erythropoiesestimulierenden Faktoren (ESF). Ferritin (Fer) und Transferrinsättigung (TSAT) dienten der Einschätzung des Eisenstoffwechsels. Es erfolgte keine Kohortenbildung nach low/high flux, Komorbidität, Krankheitsverlauf, Dauer an der Dialyse, Dialysezeit. Es wurde der Einfluss der Parameter auf renale Anämie und ESF-Verbrauch untersucht. Die statistische Auswertung erfolgte deskriptiv und mittels Wilcoxon-Test. Die Korrelation wurde durch Spearman Rangtest ermittelt. Ergebnisse: 185 Patienten erhielten in allen Dialyseeinrichtungen mindestens 1 Dosis ESF. In Dialyseeinrichtung 1 wurden weniger Patienten mit ESF behandelt als in den Dialyseeinrichtungen 2 und 3 (61 vs. 89 und 93%). Der Anteil der Patienten mit HDF ist in der Dialyseeinrichtung 1 am höchsten (57 vs. 8 und 29%). Der Hb-Wert war in Dialyseeinrichtung 1 am höchsten, der ESF-Verbrauch und die Hb-Variabilität am geringsten. Die Albuminkonzentration war in Dialyseeinrichtung 1 signifikant höher als in 2 und 3 (40,28 vs. 39,44 vs. 38,81). CRP unterschied sich in allen Einrichtungen nicht signifikant. Spkt/V war in allen Dialyseeinrichtungen vergleichbar > 1,2. Betrachtet man die HDF-Gruppe, so zeigen sich ein signifikant geringerer CRP-Wert und höhere Albuminkonzentration vs. HD-Gruppe (HDF 9,96 vs. HD 16,07, respektive HDF 40,63 vs. HD 39,11). Der Hb-Wert war insgesamt negativ mit dem CRP-Wert, positiv mit dem Albumin korreliert. Es besteht eine signifikante Korrelation für die Höhe der Albuminkonzentration, Hämoglobin und ESF-Verbrauch/Woche. Für spkt/V konnte kein Zusammenhang zu Hämoglobinkonzentration und ESF-Verbrauch/Woche gefunden werden. Diskussion: Spkt/V hat keinen Einfluss auf Hämoglobin und ESF-Verbrauch in der chronischen Hämodialyse; vielmehr spielt die Inflammation eine relevante Rolle. Die mittleren CRP-Werte unterschieden sich in den Dialyseeinrichtungen in der Gesamtheit nicht, jedoch die Albuminkonzentrationen. Werden Patienten mit Hämodialyse (HD) und Hämodiafiltration (HDF) unterschieden, findet man signifikante Unterschiede in allen Parametern (Hb, CRP, Albumin, ESF-Verbrauch) außer dem kt/V. Durch die HDF ist es möglich, pro- und mikroinflammatorische Substanzen zu entfernen. Zusätzlich können hydrophobe Mittelmoleküle und ein Teil proteingebundener urämischer Toxine durch den auftretenden Albuminverlust beseitigt werden. Aufgrund der niedrigeren Inflammation (CRP) kann Albumin mit gesteigerter Rate neu synthetisiert werden. Die Ergebnisse spiegeln auch die Resultate einer großen deutschen Datenbank wider (AENEAS). Die ESF-Dosierung und der Hb-Wert korrelierten ausschließlich mit der Albuminkonzentration. ESF und kt/V waren nicht signifikant (p = 0,37, Wilcoxon), aber relevant mit Albumin (p = 0,03) verbunden. Die Zeit in einem definierten Hb-Zielbereich (Hb > 11 g/dl) zeigte bei den Albumingruppen (> 4,0 g/dl vs. < 4,0 g/dl) signifikante Differenzen (chi2-Test, p < 0,0001), dagegen war kein Einfluss des kt/V nachweisbar (chi2-Test, p = 0,28). Schlussfolgerungen: Der Dialyseeffektivitäts-Parameter kt/V wird aktuell als Maß der Quantität und Qualität der Dialysetherapie angesehen. Diese Maßzahl berücksichtigt die effektive Entfernung eines wasserlöslichen Moleküls aus einem definierten Kompartiment. Allein die Verwendung der Watson-Formel zur Bestimmung des Gesamtkörperwassers birgt die Gefahr der Fehleinschätzung (normale Verteilung von Muskel- und Fettmasse wird vorausgesetzt). Weiterhin werden durch den Parameter Langzeitanforderungen der chronischen Dialysetherapie wie Inflammation, Ernährung ebensowenig berücksichtigt wie die relevanten Detoxifikationsstrategien der High-flux-Dialyse und der Online-HDF. Die Bedeutung des Parameters kt/V für die Langzeitanforderungen ist kritisch neu zu bewerten.

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  • 1 Praxisverbund für Dialyse und Apherese, Rostock,
  • 2 BioArtProducts GmbH, Rostock,
  • 3 Analytica International GmbH, Lörrach,
  • 4 Roche AG, Grenzach,
  • 3 Abteilung Nieren-, Hochdruck- und Gefäßkrankheiten, Klinikum Hannover Oststadt

Address

Dr. med. R.E. Winkler; Praxisverbund für Dialyse und Apherese, St. Petersburger Straße 18c, D-18107 Rostock
Email: [email protected]

Citation

R.E. Winkler, W. Pätow, P. Ahrenholz, K. Freivogel, A. Wiggenhauser und R. Brunkhorst.Einfluss des Dialyseeffektivitäts-Parameters single pool spkt/V auf die renale Anämie und den Verbrauch von erythropoiesestimulierenden Faktoren (ESF). 2009; 38: 85-95. doi: 10.5414/NHP38085.

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