Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 36 - Juli 2007 (269 - 278)

Asymptomatische Bakteriurie*
R. Fünfstück1, G. Stein2
1 Klinik für Innere Medizin 1 , Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar, 2 Universitätsklinikum Jena

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DOI 10.5414/NHP36269

Abstract

Der Begriff “asymptomatische Bakteriurie” beschreibt einen Zustand, der das Auftreten von pathogenen oder fakultativ pathogenen Mikroorganismen im Harn kennzeichnet, ohne dass dieser Befund von einer klinischen Symptomatik begleitet wird. Die Infektionserreger sollten in mindestens 2 konsekutiven Urinkulturen mit ³ 105 Keimen/ml nachweisbar sein. Eine gleichzeitige Leukozyturie mit ³ 10 Leukozyten/GSF weist auf eine lokale Wirtsabwehrreaktion hin. In Abhängigkeit vom Lebensalter wird eine asymptomatische Bakteriurie bei Frauen und Männern unterschiedlich häufig beobachtet. Bei Störungen wirtsspezifischer Abwehrreaktionen kann sich aus einer asymptomatischen Bakteriurie eine symptomatische Harnwegsinfektion entwickeln. Besonders gefährdet sind Patienten mit Diabetes mellitus, Schwangere und Patienten nach einer Organtransplantation. Bei Dauerkatheterträgern wird fast regelmäßig eine Bakteriurie beobachtet, ohne dass dieser Zustand eine pathogenetische Relevanz besitzt. Nach dem 85. Lebensjahr ist damit zu rechnen, dass bei einer von 10 Frauen und bei einem von 20 Männern eine asymptomatische Bakteriurie auftritt. Die häufigsten Mikroorganismen sind E.-coli-Stämme, sie neigen zu einer langen Persistenz im Harntrakt und sind meist für akute Infektexazerbationen verantwortlich. Grampositive Bakterien werden oftmals spontan aus dem Harntrakt eliminiert, ohne dass es zur Entwicklung einer klinischen Symptomatik kommt. Der Geno- und Phänotypus eines potentiellen Infektionserregers prägt das klinische Bild einer Infektion. Die Entscheidung zu einer therapeutischen Intervention bei einer asymptomatischen Bakteriurie muss sich am individuellen Risiko des Patienten orientieren. Im Vordergrund stehen Maßnahmen zur Stabilisierung der lokalen Mikroflora und der lokalen Abwehrfähigkeit (Supplementierung der Laktobazillenflora, Änderung des Urinmilieus, Sicherung einer effizienten Diurese, Blockade der bakteriellen Rezeptoren an den Uroepithelien). Bei Gravidität, nach einer Organtransplantation sowie bei einer dekompensierten Stoffwechselsituation oder bei einer progredient dekompensierenden Niereninsuffizienz sollte eine antibiotische Behandlung erfolgen. In jedem Fall muss die Therapieentscheidung unter Beachtung der potentiellen Risiken einer Antibiotikaverordnung (Nebenwirkungsprofil, Resistenzentwicklung) getroffen werden.

*Nach einem Vortrag anläßlich des Internationalen Symposiums “Harnwegsinfektionen”, 22. – 24. Juni 2006, Weimar.

Author Details

Authors

Departments

  • 1 Klinik für Innere Medizin
  • 1 , Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar,
  • 2 Universitätsklinikum Jena

Address

Prof. Dr. med. R. Fünfstück
Klinik für Innere Medizin 1
Klinikum Weimar
Henry-van-de-Velde-Straße 2
D-99425 Weimar
Email: [email protected]

Citation

R. Fünfstück und G. Stein.Asymptomatische Bakteriurie*. 2007; 36: 269-278. doi: 10.5414/NHP36269.

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