Tacrolimus bei steroidresistentem und steroidabhängigem nephrotischem Syndrom*
T.H. Westhoff1, S. Schmidt1, W. Zidek1, J. Beige1,2, M. van der Giet1
1 Medizinische Klinik IV, Nephrologie, Charité – Campus Benjamin Franklin, Berlin, 2 Abteilung für Nephrologie, Akademisches Lehrkrankenhaus St. Georg, Leipzig
DOI 10.5414/NHP36119
Abstract
Hintergrund: Steroidresistenz und Steroidabhängigkeit stellen bei der Behandlung von Minimal-Change-Erkrankung und fokal-segemntaler Glomerulosklerose (FSGS) ein großes Problem dar. Cyclophosphamid und Cyclosporin haben sich als alternative Immunmodulatoren bewährt, während für FK 506 (Tacrolimus) nur wenige Daten vorliegen. Methoden: Die vorliegende Arbeit zeigt die Daten von 10 Patienten einer offenen, monozentrischen, nicht randomisierten, prospektiven Untersuchung. Bei 5 Patienten mit steroidabhängiger Minimal-Change-Erkrankung, einem Patienten mit steroidrefraktärer Minimal-Change-Erkrankung und 4 Patienten mit steroidrefraktärer FSGS wurde mit der Verabreichung von Tacrolimus begonnen (Talspiegel 5 – 10 µg/l) . Bei Steroidabhängigkeit wurde unter Verwendung von Tacrolimus Prednisolon im Verlauf eines Monats abgesetzt. Ergebnisse: Innerhalb von 6 Monaten wurde bei 5 Patienten (50%) eine komplette und bei 4 Patienten (40%) eine partielle Remission erreicht, woraus sich eine Response-Rate von 90% ergibt. Ein Patient war gegen Tacrolimus primär resistent (steroidrefraktäre Minimal-Change), ein weiterer Patient wurde nach anfänglicher Remission sekundär resistent gegen Tacrolimus (steroidrefraktäre FSGS). Die durchschnittliche Proteinurie verringerte sich signifikant um 77% von 9,5 ± 1,4 auf 2,2 ± 1,1 g/Tag (p < 0,01). Das Serumprotein stieg signifikant von 55,0 ± 1,9 auf 64,6 ± 1,9 g/l (p < 0,01). Des weiteren induzierte Tacrolimus nicht signifikante Erhöhungen des Blutzuckers (von 4,9 ± 0,1 auf 5,1 ± 0,2 mmol/l), systolischem Blutdruck (von 131,4 ± 7,1 auf 139,0 ± 7,6 mmHg) und Kreatinin (von 93,2 ± 13,9 auf 103,2 ± 15,3 mmol/l). Bei 5 Patienten wurde Tacrolimus inzwischen abgesetzt, bei 4 dieser Patienten (80%) trat das nephrotische Syndrom erneut auf. Der Rückfall trat bei Tacrolimus-Spiegeln von 2,6 – 6,9 ng/ml auf. Schlussfolgerungen: Anhand unserer Daten ist davon auszugehen, dass sowohl beim steroidresistenten als auch beim steroidabhängigen nephrotischen Syndrom Tacrolimus eine vielversprechende Alternative zu Cyclosporin darstellt.
*Erstpublikation der englischen Fassung in Clinical Nephrology Band 65, Nr. 6/2006, S. 393-400.
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- 1 Medizinische Klinik IV, Nephrologie, Charité – Campus Benjamin Franklin, Berlin,
- 2 Abteilung für Nephrologie, Akademisches Lehrkrankenhaus St. Georg, Leipzig
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Dr. med. T.H. WesthoffMedizinische Klinik IV – NephrologieCharité – Campus Benjamin FranklinHindenburgamm 30D–12200 Berlin
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T.H. Westhoff, S. Schmidt, W. Zidek, J. Beige, und M. van der Giet.Tacrolimus bei steroidresistentem und steroidabhängigem nephrotischem Syndrom*. 2007; 36: 119-127. doi: 10.5414/NHP36119.