Was ändert sich mit den ESH-Leitlinien 2023?
B. Yazdani, B.K. Krämer
V. Medizinische Klinik (Nephrologie, Hypertensiologie, Endokrinologie, Rheumatologie, Pneumologie), Universitätsmedizin Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Mannheim
DOI 10.5414/NHX02360
Abstract
Während die Blutdruckdefinitionen vom normalen Blutdruck bis Grad-3 Hypertonie unverändert geblieben ist, wurden Blutdruckstadien festgelegt, die bestehende hypertensive Organschäden berücksichtigen: Arterielle Hypertonie im Stadium 1 ist eine unkomplizierte Hypertonie ohne hypertoniebedingten Organschaden oder kardiovaskuläre Erkrankung inklusive einer chronischen Nierenkrankheit im CKD-Stadium 1 und 2, bei Hypertonie im Stadium 2 liegt bereits ein hypertoniebedingter Organschaden oder eine chronische Nierenkrankheit CKD 3 oder ein Diabetes mellitus vor, bei Hypertonie im Stadium 3 besteht bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung oder eine chronische Nierenkrankheit im CKD-Stadium 4 oder 5. Ein Hypertoniescreening soll ab dem 40. Lebensjahr zumindest jährlich erfolgen. Die standardisierte oszillometrische Praxis- oder Heimblutdruckmessung bleibt das Messverfahren der Wahl, wohingegen die nichtbeobachtete, automatisierte Praxis-Blutdruckmessung nicht empfohlen wird und manschettenlose Blutdruckmessgeräte zur verlässlichen Blutdruckmessung als ungeeignet anzusehen sind. Neu wird die kaliumreiche Kost als ein Bestandteil von Lebensstiländerungen betont. Patienten mit Hypertonie und CKD sollen generell einen Blutdruck < 140/90 mmHg erreichen und die meisten (Albuminurie > 300 mg/g Kreatinin, jüngeres Lebensalter (~ < 60 Jahre), hohes CV-Risiko, Z. n. NTx) einen Zielblutdruck < 130/80 mmHg. Bei der Antihypertensiva-Therapie erleben die Betablocker eine formale Renaissance als Erstlinien-Antihypertensiva, und zwar wie bisher schon bei kardialen Koindikationen, auch wenn RAAS-Hemmer, Kalziumantagonisten und Thiazide/thiazidähnliche Diuretika weiter als primäre, bevorzugte Kombinationspartner anzusehen sind und unverändert bei den meisten Hypertonikern eine primäre Kombinationstherapie dieser Antihypertensiva in einem 2-fach oder 3-fach-Kombinationspräparat („Single-pill“) erfolgen soll. SGLT2-Inhibitoren nehmen einen besonderen Stellenwert ein bei gleichzeitigem Vorliegen von CKD, DM und Herzinsuffizienz. Bei CKD im Stadium 1 – 3 (eGFR ≥ 30 mL/min/1,73m2) werden Thiazide bzw. thiazidähnliche Diuretika, aber auch bei therapieresistenter Hypertonie Spironolacton empfohlen, wohingegen bei CKD im Stadium 4 – 5 (eGFR < 30 mL/min/1,73m2) vorzugsweise Schleifendiuretika, ggf. auch Chlorthalidon bei therapieresistenter Hypertonie, aber kein Spironolacton zum Einsatz kommen sollen. Zur Abschätzung des CV-Gesamtrisikos wird empfohlen, den SCORE2-(49 – 88 Jahre) bzw. SCORE2-OP (für > 89-Jährige)-Risikoscore der ESC zu verwenden.
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- V. Medizinische Klinik (Nephrologie, Hypertensiologie, Endokrinologie, Rheumatologie, Pneumologie), Universitätsmedizin Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Mannheim
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Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard Krämer
V. Medizinische Klinik
Universitätsmedizin Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
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Citation
B. Yazdani und B.K. Krämer.Was ändert sich mit den ESH-Leitlinien 2023?. 2023; 52: 437-442. doi: 10.5414/NHX02360.