Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Jahrgang 49 (2020) - Oktober (452 - 460)

Die aktuelle Mindestmengenregelung verbessert die Qualität nach Nierentransplantation nicht – Eine Analyse auf Basis der Qualitätssicherungsdaten 2015 – 2018
B.K. Krämer1*, B. Krüger1*, K. Schwenke2, P. Schnülle1, 3, C. Hugo4, J. Galle5, 6, J. Floege7**, B. Banas8, 9**
1 V. Medizinische Klinik (Nephrologie, Hypertensiologie, Endokrinologie, Diabetologie, Rheumatologie) & Transplantationszentrum Mannheim, 2 Abteilung für Gefäßchirurgie & Transplantationszentrum Mannheim, Universitätsmedizin Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Mannheim, 3 Nephrologische Praxis Weinheim, 4 Nephrologie & Transplantationszentrum Dresden, Universitätsklinikum Dresden, 5 Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren, Klinikum Lüdenscheid, 6 Deutsche Gesellschaft für Nephrologie DGfN (für den Vorstand), 7 Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten & Transplantationszentrum, Universitätsklinikum Aachen, RWTH Aachen, 8 Abteilung für Nephrologie & Universitäres Transplantationszentrum Regenburg, Universitätsklinikum Regensburg, Universität Regensburg, 9 Deutsche Akademie für Transplantationsmedizin, München

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DOI 10.5414/NHX02148

Abstract

Hintergrund: Krankenhausbehandlungsvolumina werden seit Jahrzehnten als mögliche Prädiktoren der Operationssterblichkeit und der Ergebnisqualität diskutiert. Mindestmengenregelungen sollen eine Patientengefährdung reduzieren. In Deutschland sind Mindestmengen für Nierentransplantationen in Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses seit mehr als 15 Jahren festgelegt, jedoch ohne ausreichende, wissenschaftliche Begründung. Der Effekt der Zentrumsgröße bei der soliden Organtransplantation ist bislang unklar und organtypabhängig. Wir haben den Effekt der Zentrumsgröße/Mindestmenge auf das Patientenüberleben nach 1, 2 und 3 Jahren und die Nierenfunktion nach Nierentransplantation in einer aktuellen, deutschlandweiten Analyse untersucht.
Methodik: Die Tätigkeitsberichte nach § 11 Abs. 5 TPG im Rahmen der externen vergleichenden Qualitätssicherung der Jahre 2015 – 2018 für die Nierentransplantation wurden analysiert und zwar das 1-, 2- und 3-Jahres Überleben jeweils bei bekanntem Status und unbekanntem Status („Worst-Case-Szenario“) nach Nierentransplantation und die gute Qualität der Transplantatfunktion nach postmortaler Spende bei Entlassung, sowie 1, 2 und 3 Jahre nach Transplantation.
Ergebnisse: Das 1-, 2- und 3-Jahres Patientenüberleben jeweils bei bekanntem Status und unbekanntem Status („Worst-Case-Szenario“) nach Nierentransplantation korrelierte nicht mit der Zahl der jährlich durchgeführten Nierentransplantationen. Ebenfalls fand sich kein Effekt der Zentrumsgröße auf die Qualität der Transplantatfunktion nach postmortaler Spende bei Entlassung, sowie 1, 2 und 3 Jahre nach Transplantation.
Schlussfolgerungen: Die Zentrumsgröße hatte in einer aktuellen, deutschlandweiten Analyse von Qualitätssicherungsdaten keinen Einfluss auf das kurz- und mittelfristige Patientenüberleben und auf die Qualität der Transplantatfunktion nach Nierentransplantation. Somit besteht nicht nur keine Grundlage an der aktuellen Mindestmengenregelung für die Nierentransplantation festzuhalten, sondern diese kann über Fehlanreize die Risiken für Patienten sogar erhöhen.

*gleicher Beitrag als Erstautor, **gleicher Beitrag als Letztautor

Author Details

Authors

Departments

  • 1 V. Medizinische Klinik (Nephrologie, Hypertensiologie, Endokrinologie, Diabetologie, Rheumatologie) & Transplantationszentrum Mannheim,
  • 2 Abteilung für Gefäßchirurgie & Transplantationszentrum Mannheim, Universitätsmedizin Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Mannheim,
  • 3 Nephrologische Praxis Weinheim,
  • 4 Nephrologie & Transplantationszentrum Dresden, Universitätsklinikum Dresden,
  • 5 Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren, Klinikum Lüdenscheid,
  • 6 Deutsche Gesellschaft für Nephrologie DGfN (für den Vorstand),
  • 7 Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten & Transplantationszentrum, Universitätsklinikum Aachen, RWTH Aachen,
  • 8 Abteilung für Nephrologie & Universitäres Transplantationszentrum Regenburg, Universitätsklinikum Regensburg, Universität Regensburg,
  • 9 Deutsche Akademie für Transplantationsmedizin, München

Address

Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard K. Krämer
V. Medizinische Klinik (Nephrologie, Hypertensiologie, Endokrinologie, Diabetologie, Rheumatologie) &
Transplantationszentrum Mannheim
Universitätsmedizin Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim

Citation

B.K. Krämer, B. Krüger, K. Schwenke, P. Schnülle, C. Hugo, J. Galle, J. Floege und B. Banas.Die aktuelle Mindestmengenregelung verbessert die Qualität nach Nierentransplantation nicht – Eine Analyse auf Basis der Qualitätssicherungsdaten 2015 – 2018. 2020; 49: 452-460. doi: 10.5414/NHX02148.

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