Der Niedergang der Allergologie in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation und Lösungsvorschläge
F. Ruëff1, W. Wehrmann2, A. Schnuch3, G. Hofer4, B. Przybilla1
1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, AllergieZENTRUM, Ludwig-Maximilians-Universität München, 2 Hautärztliche Gemeinschaftspraxis, Münster, 3 Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), Institut an der Georg-August-Universität Göttingen, 4 Stallergenes GmbH, Kamp-Lintfort
DOI 10.5414/ALX01535
Abstrakt
Etwa 20% der deutschen Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an allergischen Erkrankungen, die überwiegend die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen, zu verminderter beruflicher Leistungsfähigkeit führen und zum Teil einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen können. Während auf der einen Seite allergische Erkrankungen häufig sind und, sofern Vergleichszahlen vorliegen, deren Zunahme nachweisbar ist, gibt es auf der anderen Seite Indikatoren für eine zunehmende Verschlechterung der Versorgung. Bereits im Medizinstudium ist das Querschnittsfach Allergologie nicht berücksichtigt, die Erlangung der Zusatzbezeichnung Allergologie kann im ungünstigsten Fall mit nur 6 Monaten Weiterbildung erworben werden. Durch von Jahr zu Jahr schwankende, regional unterschiedliche Vergütungsregelungen kann sich im ambulanten Bereich ergeben, dass diejenigen Ärzte besser gestellt werden, die für gesetzlich versicherte Patienten keine allergologischen Leistungen erbringen. Ein Rückgang der Verordnungen von Hyposensibilisierungsextrakten lässt sich in Deutschland seit 2008 nachweisen. Finanzielle Sanktionen führen offensichtlich auch zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Bevorzugung subkutaner gegenüber sublingualer Immuntherapie. Im stationären Bereich ist der Aufwand allergologischer Diagnostik und Therapie in der DRG-Bewertung nicht angemessen dargestellt, folgerichtig wird eine leitliniengerechte Versorgung der Patienten hier entweder nicht mehr durchgeführt oder rationiert. Die jüngsten Novellen des Arzneimittelgesetzes haben dazu geführt, dass die Herstellung von Diagnostika für den Hauttest aufgrund des formalen Aufwands und der damit hohen Kosten kurz vor dem Aus steht. Zur Verbesserung der Versorgung allergiekranker Patienten sind dringlich geeignete Maßnahmen angezeigt.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, AllergieZENTRUM, Ludwig-Maximilians-Universität München,
- 2 Hautärztliche Gemeinschaftspraxis, Münster,
- 3 Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), Institut an der Georg-August-Universität Göttingen,
- 4 Stallergenes GmbH, Kamp-Lintfort
Adresse
Prof. Dr. med. Franziska Ruëff
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
AllergieZENTRUM
Ludwig-Maximilians-Universität
Frauenlobstraße 9 – 11
D–80337 München
Email:
[email protected]
Citation
F. Ruëff, W. Wehrmann, A. Schnuch, G. Hofer und B. Przybilla.Der Niedergang der Allergologie in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation und Lösungsvorschläge. 2012; 35: 473-479. doi: 10.5414/ALX01535.