Die wissenschaftliche Tätigkeit und Forschung auf dem Gebiet der Allergologie in der DDR
D. Stiller1, K.-C. Bergmann2, W. Leupold3, G. Metzner4, W.D. Schneider5, H.-J. Schubert6
1 Praxis Dr. Paetz, Eisenhüttenstadt, 2 Allergie-Centrum-Charité, Charité – Universitätsmedizin Berlin, 3 ehem. Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Dresden, 4 ehem. Medizinische Universitätsklinik Leipzig, 5 ehem. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin, 6 ehem. Hautklinik der Medizinischen Akademie Erfurt
DOI 10.5414/ALP33512
Abstrakt
Die Forschung auf dem Gebiet der Allergologie konzentrierte sich in der DDR in den ersten Jahren nach der Gründung der wissenschaftlichen Gesellschaften auf klinisch-orientierte Fragestellungen und die Epidemiologie. Später kamen Themen der Grundlagenforschung hinzu. Thematisch standen auf internistischer Seite die obstruktiven Atemwegskrankheiten mit Asthma bronchiale und die allergische Rhinitis im Mittelpunkt, verbunden mit den organisatorischen Anstrengungen, um eine an Zeit und Bedingungen angepasste, gute medizinische Versorgung der Asthmatiker zu erzielen. Von hautärztlicher Seite wurden vor allem die Berufsdermatosen und Arzneimittelallergien bearbeitet. Die Bemühungen um eine verbesserte klinisch-allergologische Diagnostik betrafen vor allem die Qualitätsverbesserung der für Haut- und Provokationstests anzuwendenden Allergene hinsichtlich ihrer Charakterisierung und Standardisierung. Dies geschah überwiegend in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Serumwerk Dresden (SSW) und auch in internationaler Absprache. Durch eigenständige Geräteentwicklungen, wie die Immunelektrophorese-Apparatur von Friemel um 1965 oder methodische Weiterentwicklungen der radialen Immundiffusion nach Mancini zur Bestimmung erhöhter IgE-Spiegel im Serum, wurde versucht, das Defizit an Gerätetechnik – gemessen am internationalen Standard – auszugleichen. Auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie war es sehr schwierig, der internationalen Entwicklung zu folgen. Die Entwicklung neuer Präparate erfolgte in der DDR nur in bescheidenem Umfang. Forschungsarbeiten wurden eher in der kontrollierten Anwendung vorhandener Substanzen, zum Beispiel in klinischen Studien, durchgeführt, wobei sich die zentral orientieren Strukturen bzw. Hierarchien für multizentrische Studien nach vorgegebenem Design als Vorteil erwiesen. Dieser “Vorteil” zentraler Strukturen wurde in der epidemiologischen Forschung noch deutlicher, in der auch nach internationalen Maßstäben beachtliche Leistungen erreicht werden konnten. In kaum einem anderen Land gab es so genaue epidemiologische Daten zur Häufigkeit von Kontaktekzemen, Berufsdermatosen, unspezifischer bronchialer Hyperreaktivität und Asthma bronchiale oder zur exogen-allergischen Alveolitis. Bei letzterer, relativ seltener Erkrankung führte das Angebot zur (kostenlosen) Bestimmung IgG-spezifischer Antikörper im Serum bei Verdachtsfällen in einer Untersuchungszentrale für die ganze DDR zu einer umfassenden Übersicht über das Sensibilisierungsspektrum und die Erkrankungshäufigkeit. So entstanden aus dem Mangel an Untersuchungsmöglichkeiten auch – partiell – positive Effekte.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Praxis Dr. Paetz, Eisenhüttenstadt,
- 2 Allergie-Centrum-Charité, Charité – Universitätsmedizin Berlin,
- 3 ehem. Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Dresden,
- 4 ehem. Medizinische Universitätsklinik Leipzig,
- 5 ehem. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin,
- 6 ehem. Hautklinik der Medizinischen Akademie Erfurt
Adresse
PD Dr. med. habil. D. Stiller
Neue Gartenstraße 22
D–15890 Eisenhüttenstadt
Email:
[email protected]
Citation
D. Stiller, K.-C. Bergmann, W. Leupold, G. Metzner, W.D. Schneider und H.-J. Schubert.Die wissenschaftliche Tätigkeit und Forschung auf dem Gebiet der Allergologie in der DDR. 2010; 33: 512-523. doi: 10.5414/ALP33512.