Erdnußallergie auch in Deutschland ein Problem: Ergebnisse einer Stichprobenanalyse
U. Lepp1, F. Schocker1, M. Suhr1, R. Fölster-Holst2, W.-M. Becker1
1 Medizinische Klinik, Forschungszentrum Borstel, 2 Universitätshautklinik Kiel
DOI 10.5414/ALP25314
Abstrakt
Über Auftreten und Häufigkeit von Erdnußallergien in Deutschland ist im Gegensatz zu den USA oder Großbritannien bisher nichts bekannt. Im Rahmen einer Untersuchung über “Nußallergien” waren 12 von 32 Patienten Erdnußallergiker, deren klinische Erscheinungsbilder erfragt wurde, außerdem wurden ergänzende serologische Untersuchungen durchgeführt. Die Patienten mit anamnestischer Erdnußallergie waren zwischen 12 und 43 Jahre alt. In Zusammenhang mit dem Verzehr von Erdnüssen schilderten 11 Patienten die klassischen Symptome eines OAS, 8 hatten Atemwegsprobleme, 9 Hauterkrankungen, 4 Diarrhöen. Schocksymptome traten anamnestisch bei 5 Patienten auf. Bei 9 der Betroffenen ließen sich zusätzlich Inhalationsallergien (8x Gräserpollen, 3x Baumpollen, 3x Hausstaubmilben) erfragen, 3 Probanden litten unter einer atopischen Dermatitis. Allergien gegen Sojabohne, die wie die Erdnuß zu den Leguminosen gehört, traten, trotz nachweisbaren IgE-Antikörpern in 9 Fällen, bei keinem, gegen Haselnüsse, die nicht verwandt mit den Erdnüssen sind, dagegen bei 9 der Befragten auf. 8 Patienten waren wegen der Erdnußallergie noch nie in allergologischer Behandlung, darunter auch 1 Patientin mit Schocksymptomen. Keiner der Erdnußallergiker hatte ein ausreichendes Notfall-Set, auch diejenigen nicht, die bereits ein Schockerlebnis gehabt hatten. Der Gesamt IgE-Wert betrug zwischen 3693 und 58 kU/l. Nur 1 Patient zeigte keine spezifischen IgE-Antikörper gegenüber Erdnuß, bei den anderen lagen diese im CAP-RAST zwischen den Klassen 2 und 6, ohne daß sich eine Korrelation zwischen der Serumkonzentration von spezifischem IgE und der Stärke der Symptome fand. In Immunoblot-Untersuchungen deutet sich an, daß das spezifische Patienten-IgE qualitativ mit einem breiten Bandenspektrum zwischen 10 und 90 kD reagiert, unabhängig vom Ausmaß der Symptomatik. Zusammenfassend gesagt, muß auch in Deutschland mit Erdnußallergien gerechnet werden. Weitere epidemiologische Studien zur Häufigkeit dieser Allergie sind notwendig.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Medizinische Klinik, Forschungszentrum Borstel,
- 2 Universitätshautklinik Kiel
Adresse
Dr. med. Ute Lepp
Medizinische Klinik
Forschungszentrum Borstel
Parkallee 35
D-23845 Borstel
Citation
U. Lepp, F. Schocker, M. Suhr, R. Fölster-Holst und W.-M. Becker.Erdnußallergie auch in Deutschland ein Problem: Ergebnisse einer Stichprobenanalyse. 2002; 25: 314-320. doi: 10.5414/ALP25314.