Wieviel Schlafmedizin braucht der Pneumologe? K.H. Rühle, G. Nilius Klinik für Pneumologie, HELIOS-Klinik Ambrock, Hagen
DOI 10.5414/ATP34204
Abstrakt
In diesem Überblick werden die Argumente zusammengetragen, die für die Erfordernis einer intensiven Beschäftigung des Pneumologen mit schlafmedizinischen Fragestellungen sprechen. Da für viele Patienten, die sich in einer pneumologischen Praxis beziehungsweise Klinik vorstellen, der nicht erholsame Schlaf im Vordergrund steht, sollte dem Pneumologen ein breites diagnostisches Spektrum zur Verfügung stehen. Bei der Einordnung grenzwertiger Krankheitsbilder hilft die Polysomnographie bei der Beurteilung der Relevanz, aber auch bei differenzialtherapeutischen Überlegungen. Eine Untersuchung aus der Versorgungspraxis weist darauf hin, dass bei alleiniger Polygraphie 6% der Patienten mit behandlungsbedürftigem Schlaf-Apnoe-Syndrom fälschlicherweise unbehandelt blieben, hingegen 11% der Patienten übertherapiert würden, bei denen keine Behandlung erforderlich ist. Vor allem bei Patienten mit schlechter Schlafqualität und Begleiterkrankungen wie COPD und Herzinsuffizienz wird der Schweregrad der schlafbezogenen Atemstörung falsch eingeschätzt. Eine aktuelle Studie zeigt zum Beispiel, dass 25% von Patienten mit Herzinsuffizienz durch die ambulante Polygraphie falsch negativ eingestuft würden. Besondere Erfahrung sollte der Pneumologe auf dem Gebiet der objektiven und subjektiven Einschätzung von Schläfrigkeit mitbringen, insbesondere im Hinblick auf die Beurteilung der Fahrtüchtigkeit. Schlussfolgernd kann der Pneumologe erst durch die Kombination von pneumologischem und schlafmedizinischem Repertoire den genannten Anforderungen gerecht werden.
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