Allergologie, Jahrgang 31 - August 2008 (303 - 313)

Sojaallergie durch Kreuzreaktionen gegen Birkenpollen-Majorallergen Bet v 1
J. Kleine-Tebbe1, D.A. Herold1, S. Vieths2
1 Allergie- und Asthma-Zentrum Westend (AAZW), Berlin, 2 Paul-Ehrlich-Institut, Abteilung Allergologie, Langen

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DOI 10.5414/ALP31303

Abstrakt

Die häufigste Form einer Sojaallergie in Mitteleuropa beruht auf einer birkenpollenassoziierten Kreuzreaktion. Aufgrund ähnlicher Struktur des Birkenpollen-Hauptallergens Bet v 1 und des Sojaallergens Gly m 4 zeigen 75% der Birkenpollenallergiker serologisch IgE-vermittelte Kreuzreaktionen gegen das Sojaprotein aus der Familie der Bet v 1-homologen Pflanzenstress-(“pathogenesis-related”) PR-10-Proteine. Allerdings entwickeln nur 10% der Birkenpollenallergiker klinische Symptome nach Genuss von geringgradig oder unprozessierten Sojaprodukten (Sojaflocken, Sojamilch, Tofu, Diätpulver mit Sojaisolat). Die vorwiegend lokalen, oropharyngealen Symptome können mit ausgeprägten und bedrohlichen Schwellungen im Hals- und Gesichtsbereich einhergehen. Darüber hinaus wurden systemische Reaktionen mit urtikariellen, gastrointestinalen und Kreislaufsymptomen beschrieben. Eine typische Anamnese mit rasch einsetzender Reaktion nach Genuss gering prozessierten Sojaproteins liefert in Verbindung mit einer ausgeprägten Birkenpollensensibilisierung die entscheidenden diagnostischen Hinweise. Native Sojaprodukte eignen sich aufgrund des instabilen Gly m 4 und seines mit 0,01 – 0,1% geringen Anteils am Gesamtsojaprotein besser zum Hauttest als kommerzielle Sojaextrakte. Aus dem gleichen Grund sind Sojagesamtextrakte zur allergenspezifischen IgE-Bestimmung bei Verdacht auf Gly m-4-bedingte Sojaallergie nicht empfindlich genug. Das seit kurzem verfügbare rekombinante Gly m 4 eignet sich wesentlich besser zum IgE-Nachweis. Bei nachgewiesener birkenpollenassoziierter, klinisch relevanter Sojaallergie sollten kaum oder gering prozessierte Sojaprodukte vermieden werden. Entsprechende Verpackungshinweise auf die potentielle Gefährdung von Birkenpollenallergikern durch diese Produkte wären wahrscheinlich hilfreich zur Vermeidung und rascheren Aufklärung der häufig unvermuteten Reaktionen. Erhitzte und stark prozessierte Produkte wie Sojasauce, texturiertes Sojaprotein, geröstete Sojabohnen oder Sojaöl stellen aufgrund ihrer geringen Gly m 4-Gehalte wahrscheinlich keine Gefährdung dar. Die Sojaallergie als Ausdruck einer birkenpollenassoziierten Kreuzreaktion sollte stärker publik gemacht werden.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Allergie- und Asthma-Zentrum Westend (AAZW), Berlin,
  • 2 Paul-Ehrlich-Institut, Abteilung Allergologie, Langen

Adresse

PD Dr. med. J. Kleine-Tebbe; Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Spandauer Damm 130, Haus 9, D-14050 Berlin
Email: [email protected]

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Citation

J. Kleine-Tebbe, D.A. Herold und S. Vieths .Sojaallergie durch Kreuzreaktionen gegen Birkenpollen-Majorallergen Bet v 1 . 2008; 31: 303-313. doi: 10.5414/ALP31303.

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