Nierentransplantation vor und nach der Wiedervereinigung – Beispiel: Region Erfurt
H. Thieler1, K. Hof1, S. Sippel1, H. Sperschneider2, G. May3, U. Oltmanns1, I. Brauns4, Th. Franke4, Th. Gööck4, N. Jung4, F. Kirchner4, H.-C. Kuchenbecker4, M. Marx4, K. Ochlich4, H.P. Rau4, A. Schip4, H. Göbel1, E. Opfermann, D. Voigt, L. Winkelma
1 HELIOS-Klinikum Erfurt, 2 Universitäts-Klinikum Jena, 3 Campus Virchow, Charité Berlin, 4 Nephrologische Praxen und KfH-Zentren in Thüringen
DOI 10.5414/NHP32539
Abstrakt
Im Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung kam es zu eindrucksvollen Veränderungen in den Neuen Bundesländern, auch auf dem Gebiet der Nierentransplantation (NT). Diese sollen hier aus der Sicht der regionalen Nephrologen für die transplantierten Patienten aus dem Bezirk Erfurt/Thüringen (1,2 Mio. Einwohner) im Vergleich der 80er und 90er Jahre geschildert werden. Die Zahl der Ersttransplantationen nahm von 166 auf 257 (155%) zu, die Zahl aller NT (Wiederholungs-NT eingeschlossen) von 189 auf 312 (165%). Der Anteil von Lebendspendenieren stieg von 1% auf 8%, der von Nieren-/Pankreastransplantationen von 0 auf 2,6%. Von den 3.910 Patienten-Jahren in chronischer Nierenersatztherapie verbrachten die insgesamt 423 ersttransplantierten Patienten 53% dieser Zeit (bis Ende 2000) mit funktionierenden Transplantaten und 47% der Zeit in Dialysebehandlung. Die NT erfolgten in den 80er Jahren in Halle (50%), Berlin-Friedrichshain (37%), Rostock (11%) und Charité (2%), in den 90er Jahren im neuen NT-Zentrum Jena (40%), in Hannoversch-Münden (19%), Berlin-Steglitz (11%) und 15 weiteren NTZ. Das durchschnittliche Lebensalter zum Zeitpunkt der Erst-NT nahm von 37,5 auf 45,5 Jahre zu. Der Anteil der Grundkrankheiten änderte sich von den 80er zu den 90er Jahren: Glomerulonephritiden 62 vs. 45%, diabetische Nephropathie 3 vs. 12%. HBs-antigenpositive Patienten nahmen von 17% auf 2,3% ab. Die Wartezeit auf die Erst-NT verlängerte sich von 21,5 auf 45 Monate. Nach NT verblieben in den 80er Jahren 26,5% der Patienten, in den 90er Jahren 9% in Dialysebehandlung. Die Funktionsrate der Leichennieren-Ersttransplantate war nach einem Jahr 65 vs. 85%, nach 5 Jahren 44 vs. 75% (Signifikanz). Innerhalb von 3 Monaten nach NT verstarben in den 80er Jahren 8%, in den 90er Jahren 2,5% der Patienten. In den 80er Jahren dominierten septische Todesursachen. Die Patientenüberlebensrate nach LeichennierenErst-NT war in den 80er bzw. 90er Jahren nach einem Jahr 88 vs. 96%, nach 5 Jahren 74 vs. 90% (Signifikanz). Beim Vergleich der 80er und 90er Jahre nahmen entzündlich-septische Todesursachen insgesamt ab (43 vs. 17%) und kardiovaskuläre (37 vs. 65%) zu. In den 80er Jahren hatten 39%, in den 90er Jahren 61% der verstorbenen Patienten funktionierende Transplantate. Die Prävalenz von Patienten mit funktionierenden Transplantaten stieg von 97 Patienten p.m.p. Ende 1990 auf 228 Patienten p.m.p. Ende 2000 (235%), die Prävalenz von Patienten mit funktionslosen Transplantaten, die wieder dialysiert wurden, von 29 auf 57 Patienten p.m.p. Als Ursachen für die positive Entwicklung sind zu nennen: der wesentlich größere Pool von Dialysepatienten, die Einrichtung neuer und die Wahlmöglichkeit zwischen den NT-Zentren, die besseren Organgewinnungs- und Allokationsbedingungen, der Einsatz von Ciclosporin (und Tacrolimus), ATG, monoklonalen Antikörpern und modernen Antibiotika, die bessere Intensivtherapie und die stärkere Einbeziehung der regionalen Nephrologen.
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- 1 HELIOS-Klinikum Erfurt,
- 2 Universitäts-Klinikum Jena,
- 3 Campus Virchow, Charité Berlin,
- 4 Nephrologische Praxen und KfH-Zentren in Thüringen
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H. Thieler, K. Hof, S. Sippel, H. Sperschneider, G. May, U. Oltmanns, I. Brauns, Th. Franke, Th. Gööck, N. Jung, F. Kirchner, H.-C. Kuchenbecker, M. Marx, K. Ochlich, H.P. Rau, A. Schip, H. Göbel, E. Opfermann, D. Voigt und L. Winkelma.Nierentransplantation vor und nach der Wiedervereinigung – Beispiel: Region Erfurt. 2003; 32: 539-546. doi: 10.5414/NHP32539.