Tyrosinkinaseinhibitoren als neue Therapieoption beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom
K. Harre, M. Schmidt
Schwerpunkt Pneumologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Julius-Maximilians-Universität, Würzburg
DOI 10.5414/ATP32099
Abstrakt
Gefitinib war der erste selektive EGFR- Tyrosinkinaseinhibitor. Er wurde aufgrund mit konventionellen Chemotherapien vergleichbarer Ansprechraten in Phase-II-Studien bei NSCLC-Patienten mit Stadium IIIb oder IV durch die FDA zugelassen. In der ISEL-Studie, die das Überleben dieser Patientengruppe unter Gefitinib zu Plazebo verglich, ließ sich kein Vorteil für Gefitinib nachweisen, so daß seine Zulassung in Europa zurückgestellt wurde. Dies steht im Widerspruch zu den Ergebnissen der BR.21-Studie, die zeigen konnte, das Erlotinib das Überleben von NSCLC-Patienten in den Stadien IIIb und IV selbst nach 2 vorangegangenen Chemotherapien um 2 Monate gegenüber Plazebo verlängern kann. Daß dies trotz einer Ansprechrate von nur 8,9% gelingt, liegt sicher an der relativ hohen Rate der “stable diseases” von ca. 35%. Hautausschlag korreliert bei Erlotinib zu Ansprechen, progressionsfreiem Intervall und Überleben, so daß er als Surrogatmarker der Substanzaktivität im Tumorgewebe angesehen werden kann. Dem steht eine geringe Toxizität zu anderen gesunden Zellen gegenüber. Insbesondere Patienten mit eingeschränkter Knochenmarkreserve haben diesbezüglich keine weiteren Schädigungen zu befürchten. Weitere prospektive Forschungsarbeit ist zur Identifizierung der verschiedenen molekularen Grundzüge ansprechender und nichtansprechender Malignome notwendig, um Patienten mit einer höheren Ansprechwahrscheinlichkeit vorselektieren zu können, Kosten zu sparen und unnötige Nebenwirkungen zu vermeiden. Die EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren sind keine “Wunderpillen”, aber sie stehen zur Zeit dem NSCLC-Patienten im fortgeschrittenen Stadium und dem onkologisch tätigen Arzt als eine weitere, relativ nebenwirkungsarme, aber der Effektivität konventioneller Chemotherapien vergleichbare Therapieoption zur Verfügung.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- Schwerpunkt Pneumologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Julius-Maximilians-Universität, Würzburg
Adresse
Dr. med. K. Harre
Schwerpunkt Pneumologie
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Julius-Maximilians-Universität
Josef-Schneider-Straße 2
D-97080 Würzburg
Email:
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Citation
K. Harre und M. Schmidt. Tyrosinkinaseinhibitoren als neue Therapieoption beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom. 2006; 32: 99-106. doi: 10.5414/ATP32099.