SEB-Oktapeptide induzieren eine enterotoxinspezifische T-Zellantwort bei atopischer Dermatitis
K. Breuer1,2, S. Dubinker2, A. Kapp1,2, T. Werfel2
1 Nordseeklinik Norderney, 2 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover
DOI 10.5414/ALP29383
Abstrakt
Hintergrund: Staphylogene Enterotoxine sind mittlerweile in ihrer Eigenschaft als Triggerfaktoren der atopischen Dermatitis gut untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass Enterotoxine wie das staphylogene Enterotoxin B (SEB) nicht nur als Superantigene, sondern auch als Allergene fungieren, welche spezifische IgE-Antikörper induzieren. Der Nachweis enterotoxinspezifischer IgE-Antikörper bei Patienten mit atopischer Dermatitis ist hinweisend auf die Existenz enterotoxinspezifischer T-Zellen, welche in ihrer Funktion als T-Helferzellen bei der Synthese spezifischer IgE-Antikörper Hilfe leisten und darüber hinaus durch die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine zur kutanen Entzündung direkt beitragen könnten. Da Enterotoxine in ihrer Eigenschaft als Superantigene zu einer unspezifischen T-Zellaktivierung führen, ist es nicht möglich, in vitro zwischen einer enterotoxinreaktiven (superantigenmediierten) und einer enterotoxinspezifischen (allergenmediierten) T-Zellantwort zu unterscheiden. Wir haben daher die T-Zellantwort gegenüber 30 sequentiellen Oktapeptiden des SEB-Moleküls untersucht. Aufgrund ihrer Struktur reflektiert eine Antwort gegenüber diesen Peptiden eine SEB-spezifische T-Zellantwort. Methoden: Mononukleäre Zellen aus peripherem Blut von Patienten mit atopischer Dermatitis und einer Sensibilisierung gegenüber dem SEB-Molekül (bestimmt mittels CAP FEIA) sowie gesunden Kontrollen wurden mit SEB-Peptiden inkubiert. Die Proliferation wurde mittels Vibrant CFDA SE Cell Tracer Assay bestimmt. Peptidreaktive T-Zellklone wurden mittels der Grenzwertverdünnungsmethode (“limiting dilution”) aus peripherem Blut und läsionaler Haut von Patienten gewonnen, die im Proliferationsassay eine Reaktion gegenüber mindestens einem Oktapeptid gezeigt hatten. Die Frequenz der peptidreaktiven T-Zellen in peripherem Blut und läsionaler Haut wurde berechnet. Ergebnisse: 70% der gegenüber SEB sensibilisierten Patienten zeigten eine proliferative Antwort gegenüber mindestens einem der 30 Peptide. Wir konnten 2 Peptide identifizieren, welche besonders häufig eine T-Zellaktivierung induzierten. Die Frequenzen der peptidreaktiven T-Zellen in peripherem Blut und läsionaler Haut waren mit 0,1 – 0,5% aller isolierten T-Zellen im Vergleich zu etablierten Allergenen unter diesen Kulturbedingungen eher niedrig. Es konnten peptidspezifische T-Zellklone aus peripherem Blut und läsionaler Haut generiert werden. Die Restimulation dieser T-Zellklone mit den entsprechenden Oktapeptiden führte zu eher niedrigen Stimulationsindices. Die meisten der peptidreaktiven T-Zellklone waren CD4+ und wiesen ein TH0- oder TH1-Zytokinprofil auf. Schlussfolgerungen: Diese Daten zeigen, dass eine enterotoxinspezifische T-Zellantwort bei Patienten mit atopischer Dermatitis und einer Sensibilisierung gegenüber staphylogenen Enterotoxinen in läsionaler Haut und peripherem Blut nachweisbar ist, welche aber wahrscheinlich von deutlich geringerer klinischer Bedeutung ist als die durch Superantigene induzierte T-Zellantwort.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Nordseeklinik Norderney,
- 2 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover
Adresse
Dr. med. Kristine Breuer
Nordseeklinik Norderney
Bülowallee 6
D-26548 Norderney
Email:
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Citation
K. Breuer, S. Dubinker, A. Kapp, und T. Werfel.SEB-Oktapeptide induzieren eine enterotoxinspezifische T-Zellantwort bei atopischer Dermatitis. 2006; 29: 383-392. doi: 10.5414/ALP29383.