Allergologie, Jahrgang 29 - August 2006 (322 - 331)

Adaptive Desaktivierung bei ASS-intoleranten Patienten mit Polyposis nasi et sinuum – Möglichkeiten eines neuen Therapieprinzips mit intravenöser Applikation
O. Pfaar1,2, M. Spielhaupter1,2, H. Wrede1,2, C. Barth1,2, D. Schäfer2, B.A. Stuck2, R. Mösges3, H. Hanschmann1,4, K. Hecksteden5, K. Hörmann2, L. Klimek1,2
1 Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 2 HNO-Universitätsklinik Mannheim, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg, 3 IMSIE, Universität zu Köln, 4 Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universität Marburg, 5 HNO-Universitätsklinik, Fr

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DOI 10.5414/ALP29322

Abstrakt

Überempfindlichkeitsreaktionen auf Acetylsalizylsäure (ASS-Intoleranz) und andere nichtsteroidale Antiphlogistika sind in Kombination mit einer Polyposis nasi und einem Asthma bronchiale unter dem Begriff Samter-Trias (Morbus Samter, Morbus Widal) bekannt. Die adaptive Desaktivierung ist die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit von Patienten mit ASS-Intoleranz. Derzeit wird diese Therapie üblicherweise mit oraler Applikation von ASS repetitiv in aufsteigender Dosierung eingeleitet. Dies ist die erste Studie, die einen intravenösen Applikationsweg im Rahmen der initialen Dosissteigerungsphase bei der adaptiven Desaktivierung untersucht. In dieser prospektiven, offenen Studie wurden die Durchführbarkeit sowie die Sicherheitsaspekte einer intravenösen Applikation von Lysin-ASS im Rahmen der Dosissteigerung bei adaptiver Desaktivierung herausgearbeitet. Bei 36 Patienten mit ASS-Intoleranz (20 Frauen, 16 Männer) im Alter von 20 – 64 Jahren (Altersdurchschnitt 34,3 ± 6,9 Jahre) wurden hierzu die während der Dosissteigerungsphase auftretenden Nebenwirkungen analysiert. Die Gesamtzahl der systemischen Reaktionen betrug n = 27 entsprechend 6,6% aller Therapiedosierungen. Hiervon waren 20 (74%) Sofortphasenreaktionen, 6 (22%) Spätphasenreaktionen und 1 (4%) sowohl eine Sofort- als auch Spätphasenreaktion. Von allen systemischen Reaktionen entsprachen 81% einer Allgemeinreaktion ersten Grades und 19% einer Allgemeinreaktion zweiten Grades. Reaktionen entsprechend Grad 3 und 4 wurden nicht beobachtet. Zusammenfassend konnte die vorliegende Studie demonstrieren, daß die intravenöse Desaktivierung mit Lysin-ASS in der initialen Dosissteigerungsphase unter stationären Bedingungen möglich ist. Unserer Erfahrung nach unterscheidet sich die Nebenwirkungsrate nicht von der oralen Aufdosierung. Einen wichtigen Vorteil sehen wir in der Möglichkeit der sofortigen Unterbrechung der intravenösen Allergenzufuhr bei den ersten Zeichen von Nebenwirkungen. Bezüglich der optimalen Dosierung dieses Vorgehens und des direkten Vergleichs mit der peroralen Dosissteigerung sind weitere Studien mit einer größeren Fallzahl geplant.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden,
  • 2 HNO-Universitätsklinik Mannheim, Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg,
  • 3 IMSIE, Universität zu Köln,
  • 4 Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universität Marburg,
  • 5 HNO-Universitätsklinik, Fr

Adresse

Dr. med. O. Pfaar
Zentrum für Rhinologie und Allergologie
An den Quellen 10
D-65183 Wiesbaden
Email: [email protected]

Citation

O. Pfaar, M. Spielhaupter, H. Wrede, C. Barth, D. Schäfer, B.A. Stuck, R. Mösges, H. Hanschmann, K. Hecksteden, K. Hörmann und L. Klimek.Adaptive Desaktivierung bei ASS-intoleranten Patienten mit Polyposis nasi et sinuum – Möglichkeiten eines neuen Therapieprinzips mit intravenöser Applikation. 2006; 29: 322-331. doi: 10.5414/ALP29322.

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