Diagnostik des Analgetika-Intoleranz-Syndroms mittels funktioneller Zelltestung (Analgetika-Intoleranz-Test: AIT)
K. Hecksteden1, D. Schäfer1, B.A. Stuck1
1 HNO-Klinik, Universitätsklinikum Mannheim, 2 Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
DOI 10.5414/ALP26263
Abstrakt
Das klinisch manifeste Analgetika-Intoleranz-Syndrom (AIS) ist typischerweise durch rezidivierende Polyposis nasi, Asthma bronchiale und Analgetika-Unverträglichkeit gekennzeichnet. Es beruht nach gängiger Meinung auf Dysbalancen im Arachidonsäure-Metabolismus, ausgelöst durch die Einnahme von non-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Bisher sind in der Diagnostik des AIS Anamnese und Provokationstests etabliert. Die Methoden der nasalen, bronchialen und oralen Provokationstests sind für die Praxis umfangreich und für die Patienten meist unangenehm und risikobehaftet. Ziel dieser Arbeit war es herauszufinden, inwieweit ein komplikationsloses In-vitro-Verfahren mit funktioneller Zelltestung (Analgetika-Intoleranz-Test: AIT) zur Diagnosesicherung herangezogen werden kann. Hierfür wurde die herkömmliche Diagnostik mit den Ergebnissen des AIT an 50 Patienten mit Verdacht auf Analgetikaintoleranz verglichen. Zur Kontrolle dienten Tests an 38 Patienten mit leerer Anamnese und ohne klinische Zeichen einer Polyposis oder eines Asthma bronchiale. Für die Sensitivität des Tests wurden 100%, für die Spezifität 73,3% berechnet, der negative Vorhersagewert des AIT lag bei 100% und der positive Vorhersagewert bei 71%. Dies erklärt sich durch eine Gruppe von Patienten, bei denen die herkömmliche Diagnostik zu einem negativen, der AIT hingegen zu einem positiven Ergebnis gekommen war. Eine Follow-up-Studie muß klären, ob bei diesen Patienten ein klinisch nicht manifestes AIS vorliegt, oder ob der Test falsch-positive Ergebnisse liefert. Zusammenfassend ist der AIT bisher – trotz der guten Ergebnisse – nicht zur Diagnosesicherung eines AIS ausreichend, betrachtet man aber seine Vorteile in Praktikabilität und Risikominimierung, so ist eine weitere Validierung des Tests zu fordern.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 HNO-Klinik, Universitätsklinikum Mannheim,
- 2 Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden
Adresse
Dr. med. K. Hecksteden
HNO-Klinik
Universitätsklinikum Freiburg
Killianstraße 5
D-79106 Freiburg
Citation
K. Hecksteden, D. Schäfer, B.A. Stuck.Diagnostik des Analgetika-Intoleranz-Syndroms mittels funktioneller Zelltestung (Analgetika-Intoleranz-Test: AIT). 2003; 26: 263-271. doi: 10.5414/ALP26263.