Motivation zur Umsetzung von Hautschutz- und Pflegemaßnahmen von Patienten mit Handekzem im Rehabilitationsverfahren Haut
R.F. Ofenloch, E. Weisshaar
Sektion Berufsdermatologie, Zentrum Hautklinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
DOI 10.5414/DBX00492
Abstrakt
Chronische Handekzeme gehören zu den häufigsten berufsbedingten Hauterkrankungen und stellen Betroffene sowohl körperlich als auch psychosozial vor erhebliche Herausforderungen. Das Rehabilitationsverfahren Haut bietet eine umfassende berufsdermatologische Versorgung, die medizinische Diagnostik und Behandlung mit edukativen Elementen zur Förderung von Hautschutzverhalten kombiniert. Klinische Beobachtungen deuten auf einen Rückgang der Schutzmotivation bei Patientinnen und Patienten hin, was die langfristige Umsetzung der erlernten Maßnahmen gefährden könnte. Auf Basis einer retrospektiven Sekundärdatenanalyse wurden Daten von 801 Patientinnen und Patienten ausgewertet, die zwischen 2019 und 2024 am Rehabilitationsverfahren Haut (Tertiäre Individualprävention, TIP) des Universitätsklinikums Heidelberg teilgenommen hatten. Die Schutzmotivation am Ende des stationären Aufenthalts wurde durch Dermatologinnen und Dermatologen eingeschätzt. Neben deskriptiven Verfahren kamen univariate und multivariate logistische Regressionsanalysen zur Anwendung, um Einflussfaktoren auf die Schutzmotivation zu identifizieren. Das Patientenkollektiv hat sich im Zeitverlauf signifikant verändert: Das Durchschnittsalter stieg, ebenso die Zahl der Begleiterkrankungen und die Dauer der Handekzemerkrankung. Parallel nahm der Anteil von Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung deutlich zu. Trotz dieser Veränderungen konnte bei rund 80% der Patientinnen und Patienten eine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität am Ende der Maßnahme erzielt werden. Der Anteil nicht motivierter Personen stieg signifikant an – von 7,3 % im Jahr 2019 auf 22,9 % im Jahr 2024. Die stärksten Prädiktoren für fehlende Schutzmotivation waren geringe Selbstwirksamkeit, männliches Geschlecht und niedriger Bildungsstatus. Die Ergebnisse legen nahe, dass psychosoziale und demographische Faktoren die Schutzmotivation stärker beeinflussen als der medizinische Schweregrad der Erkrankung bei Aufnahme. Die Selbstwirksamkeit sollte gezielt gefördert und standardisiert erhoben werden, um langfristige Erfolge sicherzustellen.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- Sektion Berufsdermatologie, Zentrum Hautklinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
Adresse
Prof. Dr. med. Elke Weisshaar
Universitätsklinikum Heidelberg
Sektion Berufsdermatologie
Zentrum Hautklinik
Voßstraße 2
69115 Heidelberg
Email:
[email protected]
Citation
R.F. Ofenloch und E. Weisshaar.Motivation zur Umsetzung von Hautschutz- und Pflegemaßnahmen von Patienten mit Handekzem im Rehabilitationsverfahren Haut. 2026; 74: 65-72. doi: 10.5414/DBX00492.