Intensiv- und Notfallbehandlung, Jahrgang 47 (2022) - 4. Quartal (176 - 177)

Frühzeitige Tracheotomie bei COVID-19-Patienten – eine retrospektive Analyse und mathematische Risikoabschätzung
T. Mertke1, 5, G. Danziger2, 5, S. Mang2, 5, A. Becker2, 5, C. Metz2, 5, A. Raddatz1, 5, A. Westheider2, 5, H. Wehrfritz2, 5, D.Horn3, 5, R.M. Muellenbach4, T. Volk1, 5, R. Bals2, 5, F. Seiler2, 5, P.M. Lepper2, 5
1 Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, 2 Klinik für Innere Medizin V – Pneumologie, Allergologie und Intensivmedizin, 3 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, 4 Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Campus Kassel der Universität Southampton, Kassel, 5 Interdisziplinäres COVID- 1  9 -Behandlungszentrum des Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg

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DOI 10.5414/IBX0592

Abstrakt

Leitlinien zur Langzeitbeatmung kommen zum Schluss, dass die Tracheotomie Vorteile in der Patientenbehandlung bietet. In der Corona-Virus 19 (COVID19)-Pandemie wird die Tracheotomie jedoch allgemein als eine unsichere und riskante Prozedur angesehen. Um dieses Risiko zu quantifizieren haben wir die bei uns durchgeführten Tracheotomien evaluiert und ein mathematisches Modell zur Risikoevaluierung erstellt. Die Tracheotomien wurden sowohl von erfahrenen Intensivmedizinern, als auch Weiterzubildenden unter Aufsicht durchgeführt. Bei der Durchführung der Tracheotomien wurde eine persönliche Schutzausrüstung (PPE) getragen. Die Patienten oder ihre rechtlichen Vertreter gaben ihr Einverständnis für die Prozedur. Des Weiteren erfolgte die Berechnung des theoretischen Infektionsrisikos mittels Monte-Carlo-Simulation für aerogene Übertragungen, basierend auf der Wells-Riley-Gleichung. Unsere theoretischen Berechnungen ergaben ein Infektionsrisiko zwischen 0,08 ± 0,03% und 2,5 ± 0,8%, abhängig von den angestellten Vermutungen (z. B. Menge der generierten infektiösen Aerosole, Expositionsdauer, Art der Schutz­ausrüstung). Die Monte-Carlo-Simulation ergab ein niedriges bis sehr niedriges Infektionsrisiko, wenn die persönliche Schutzausrüstung korrekt genutzt wird. Die tracheotomierten Patienten waren im Durchschnitt 61 Jahre alt (Median 60 ± 7 Jahre), der durchschnittliche BMI war 31,3 kg/m² (Median 29,6 ± 6,9 kg/m²). Sämtliche Tracheotomien wurden als dilatative Tracheotomie (PDT) durchgeführt. Es kam zu keinen Komplikationen oder Todesfällen durch die Prozedur. Die Gesamtmortalität der tracheotomierten COVID-19-Patienten war 6 von 16 (37,5%). An den Tracheotomien waren insgesamt 59 Personen beteiligt, es konnte keine Infektion nachgewiesen werden. Das theoretische Risiko einer Infektion bei einer dilatativen Tracheotomie ist gering. Technisch erfolgt die Tracheotomie wie sonst auch, der einzige Unterschied besteht in der persönlichen Schutzausrüstung.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie,
  • 2 Klinik für Innere Medizin V – Pneumologie, Allergologie und Intensivmedizin,
  • 3 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg,
  • 4 Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Campus Kassel der Universität Southampton, Kassel,
  • 5 Interdisziplinäres COVID-
  • 1 
  • 9 -Behandlungszentrum des Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg

Adresse

Prof. Dr. med. Philipp M. Lepper
Department of Pneumology, Allergology and Intensive Care Medicine
Saarland University Hospital
Kirrberger Strasse 100
66421 Homburg/Saar
Email: [email protected]

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Citation

T. Mertke, G. Danziger, S. Mang, A. Becker, C. Metz, A. Raddatz, A. Westheider, H. Wehrfritz, D.Horn, R.M. Muellenbach, T. Volk, R. Bals, F. Seiler und P.M. Lepper. Frühzeitige Tracheotomie bei COVID-19-Patienten – eine retrospektive Analyse und mathematische Risikoabschätzung. 2022; 47: 176-177. doi: 10.5414/IBX0592.

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