Kenntnisse von Herzgruppen-Teilnehmern über Risikofaktoren, Notfälle, Notrufeinrichtungen und Zuständigkeiten – Ergebnisse der KZEN-Folgestudie in Rheinland-Pfalz
J. Schmidt1, B. Haaff2, T. Luiz3, M. Keck4, R. Nübling1
1 Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen GbR (GfQG), Karlsruhe, 2 Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Westpfalz-Klinikum GmbH, Kaiserslautern,
3 Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin 1 , Westpfalz-Klinikum GmbH,
Kaiserslautern, 4 Landesverband für Prävention und Rehabilitation Rheinland-Pfalz
e.V., Koblenz
DOI 10.5414/PRX00544
Abstrakt
Hintergrund: Verschiedene Studien zeigen, dass der Wissensstand der Bevölkerung bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen und kardiovaskulärer Notfälle unzureichend ist. Die sogenannte KZEN-Studie [1] an einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe der Westpfalz machte deutlich, dass großen Teilen der befragten Personen Notrufnummern und die Zuständigkeiten bei Notfällen unbekannt und das Wissen um typische Notfallsymptome mangelhaft war.
Methodik und Fragestellung: Die Ergebnisse der KZEN-Studie sowie weitere Wissensparameter wurden an einem für kardiovaskuläre Erkrankungen hochprävalenten Kollektiv (Herzgruppen-Teilnehmer) mittels einer Fragebogenstudie überprüft. Eine Annahme bestand darin, dass dieses Kollektiv bessere Kenntnisse zeigen sollte.
Ergebnisse: Die Notrufnummer des Rettungsdienstes 112 (Euronotruf) war den Herzgruppen-Teilnehmern deutlich bekannter als der Allgemeinbevölkerung (60 – 65% vs. 30%). Je nach Berechnung konnten etwa 15 – 25% der Befragten kein einziges Leitsymptom eines Herzinfarktes und etwa 31 – 41% kein einziges Leitsymptom eines Schlaganfalls korrekt benennen. In vorgegebenen Fallbeispielen hätten 95% der Befragten bei einem Kreislaufstillstand den Rettungsdienst alarmiert, bei einem Myorkadinfarkt (ACS) war das bei 78% und bei einem Schlaganfall bei 86% der Fall. Es zeigte sich weiterhin, dass etwa 34 – 48% der Teilnehmer keinen einzigen Risikofaktor der koronaren Herzerkrankung korrekt benennen konnten. Etliche Risikofaktoren wurden von weniger als 10% bzw. von weniger als 5% genannt. 63% der Befragten meinten, dass es einen LDL-Zielwert gäbe. Die genannten Zielwerte machten jedoch deutlich, dass dieses vermeintliche Wissen mehrheitlich eher fehlerhaft war. Der 2017 gültige LDL-Zielwert für Hochrisiko-Patienten (< 70 mg/dl) wurde nur von etwa 14% der „Wissenden“ genannt. Die ermittelten Kenntnisstände wurden teilweise von demographischen und krankheitsbezogenen Merkmalen der Teilnehmer beeinflusst (zum Beispiel Geschlecht, Alter, Bildung, kardiovaskuläre Ereignisse in der Vorgeschichte).
Schlussfolgerung: Die Annahme, dass der Kenntnisstand der Herzgruppen-Teilnehmer besser als derjenige der Normalbevölkerung ist, trifft nur teilweise zu. Auch bei Herzgruppen-Teilnehmern zeigen sich deutliche Wissensdefizite, die zwar zum Beispiel bei Notrufnummern geringer ausfallen als in der Allgemeinbevölkerung, in anderen Bereichen – etwa Kenntnis der Leitsymptome kardiovaskulärer Notfälle oder der Häufigkeit „richtiger“ Reaktionen in Notfallsituationen – jedoch ähnlich defizitär ausgeprägt sind wie in der Normalbevölkerung. Angesichts der Bedeutung des Risikofaktorwissens, der Kenntnis der Leitsymptome kardiovaskulärer Ereignisse und des Handlungswissens in Notfallsituationen muss die Effektivität und die Nachhaltigkeit der Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen, die in der ambulanten Versorgung, in der kardiologischen Rehabilitation, in der Betreuung von Herzgruppen und in der allgemeinen Prävention zur Anwendung kommen, kritisch hinterfragt werden.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen GbR (GfQG), Karlsruhe,
- 2 Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Westpfalz-Klinikum GmbH, Kaiserslautern,
- 3 Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin
- 1 , Westpfalz-Klinikum GmbH,
Kaiserslautern, - 4 Landesverband für Prävention und Rehabilitation Rheinland-Pfalz
e.V., Koblenz
Adresse
Dr. Jürgen Schmidt
Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen (GfQG) GbR
Wendtstr. 1
76185 Karlsruhe
Email:
[email protected]
Citation
J. Schmidt, B. Haaff, T. Luiz, M. Keck und R. Nübling.Kenntnisse von Herzgruppen-Teilnehmern über Risikofaktoren, Notfälle, Notrufeinrichtungen und Zuständigkeiten – Ergebnisse der KZEN-Folgestudie in Rheinland-Pfalz. 2020; 32: 56-75. doi: 10.5414/PRX00544.