Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 45 (2019) - Oktober (491 - 502)

Schichtarbeit im Gesundheitswesen: Auswirkungen für Ärzte, Pflegepersonal und Patienten
M. Orth1, K. Rasche2
1 Medizinische Klinik III, Klinik für Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik, Mannheim, 2 Bergisches Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Universität Witten/Herdecke, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

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DOI 10.5414/ATX02455

Abstrakt

Schichtarbeit kann zu negativen Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit führen. Hierzu gehören die Unterbrechung biologischer Rhythmen, Schlafstörungen, Gesundheitsstörungen, Leistungseinbußen im Arbeitsleben, vermehrte Unzufriedenheit im Beruf sowie die soziale Isolation. Schichtarbeit und die mit ihr einhergehenden Konsequenzen sind von besonderer Bedeutung in Hochrisikoberufen, wie z.B. im Gesundheitswesen. Dies betrifft vor allem Krankenschwestern und Ärzte und nicht zuletzt die Patienten. Krankenschwestern im Schichtdienst klagen vermehrt über Einschränkungen der Schlafqualität, Schlafstörungen wie Insomnie und exzessive Tages­schläfrigkeit. Besonders betroffen sind die sog. Hochrisikobereiche, wie z.B. Intensivmedizin, Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie und Chirurgie. Eingeschränkte Aufmerksamkeit kann zu verheerenden Fehlern führen, zu denen u.a. Eigenverletzungen und eine erhöhte Unfallneigung im Straßenverkehr sowie Fehler am Patienten, z.B. bei der Verabreichung von Medikamenten, zählen. Krankenschwestern weisen ein erhöhtes Risiko für Depressionen und ein „burnout“ auf. Bei Ärzten nehmen bereits im ersten Ausbildungsjahr die Schlafdauer und Schlafqualität signifikant ab, und es kommt zu vermehrter exzessiver Tagesschläfrigkeit. Schichtarbeit bei Ärzten erhöht das Risiko für Eigenverletzungen (Nadelstiche, Fremdblutkontakt), Verkehrsunfälle, Depressionen und ein „burnout“. Was die Konsequenzen von Schichtarbeit für den Patienten insbesondere die erfolgreiche Behandlung betrifft, ist die Studienlage arbiträr. Sie variieren zwischen keinen Unterschieden im Hinblick auf Komplikationen und Mortalität zwischen Nacht- oder Tagoperationen bei explorativen Laparotomien. Demgegenüber zeigen andere Studien signifikant häufigere Komplikationen, wie Hypotonien. Daneben sind die Sepsisraten und die Mortalität bei Operationen in der Nacht signifikant erhöht. Nicht zuletzt beeinflusst Schichtarbeit die Ausbildung junger Ärzte, insbesondere in der Traumatologie. Aufgrund des Schichtdienstes ist die Teilnahme an elektiven Operationen um 13% reduziert. In Traumazentren kommt es zu einer Reduktion der Teilnahme an elektiven Eingriffen von 15 – 30%. Somit hat Schichtarbeit einen signifikanten Einfluss auf die Ausbildung der jungen Ärzte.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Medizinische Klinik III, Klinik für Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik, Mannheim,
  • 2 Bergisches Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Universität Witten/Herdecke, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

Adresse

Prof. Dr. med. M. Orth
Medizinische Klinik III
Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH
Bassermannstraße 1
68165 Mannheim
Email: [email protected]

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Citation

M. Orth und K. Rasche.Schichtarbeit im Gesundheitswesen: Auswirkungen für Ärzte, Pflegepersonal und Patienten. 2019; 45: 491-502. doi: 10.5414/ATX02455.

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