Sexualität bei obstruktivem Schlafapnoe- Syndrom
M. Orth1, K. Rasche2
1 Medizinische Klinik III, Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik GmbH, Mannheim, 2 Bergisches Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Universität Witten/Herdecke, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal
DOI 10.5414/ATX02348
Abstrakt
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert sexuelle Gesundheit als einen Zustand des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens im Hinblick auf die Sexualität. Voraussetzungen sind ein positiver und respektvoller Umgang mit der Sexualität und mit sexuellen Beziehungen, ebenso wie die Möglichkeit, angenehme und sichere sexuelle Begegnungen zu haben, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt. Zahlreiche Erkrankungen, insbesondere auf dem internistischen Fachgebiet, haben Auswirkungen auf die Vita sexualis. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen. Die Prävalenz der erektilen Dysfunktion steigt physiologischerweise mit dem Lebensalter. Bei Patienten mit OSAS beträgt das relative Risiko für eine erektile Dysfunktion bis 9,4, 95% CI 6,4 – 13,7. Noch höher ist das relative Risiko bei jungen Männern mit OSAS: OR 10,4, 95% CI 5,9 – 18,4. Verschiedene Faktoren werden ursächlich für das Auftreten einer erektilen Dysfunktion bei OSAS diskutiert. Hierzu gehören der Schweregrad des OSAS, Depressionen und Lebensqualität, hormonelle Einflüsse, die endotheliale Dysfunktion, Störungen bzw. Veränderungen des autonomen Nervensystems, der Zytokinstoffwechsel sowie das höhere Lebensalter. Verschiedene therapeutische Optionen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei Männern mit OSAS stehen zur Verfügung: Testosterongabe, kontinuierliche positive Drucktherapie (CPAP), PDE-5-Hemmer, chirurgische Maßnahmen am Oropharynx sowie Protrusionsschienen. Die Studienlage im Hinblick auf die genannten Therapiemethoden ist nicht einheitlich, insbesondere wenn es um die Besserung der erektilen Dysfunktion geht. Die Störungen der Sexualität bei OSAS sind jedoch kein ausschließlich männliches Problem, vielmehr leiden auch Frauen mit OSAS unter Störungen der Vita sexualis und benötigen genauso wie Männer eine adäquate Behandlung. Auf der Basis der epidemiologischen Daten zum Thema OSAS und Störungen der sexuellen Gesundheit sollten nicht nur Schlafmediziner bzw. Somnologen, sondern auch andere Fachdisziplinen wie zum Beispiel Urologen oder Andrologen das OSAS in ihr differenzialdiagnostisches und -therapeutisches Management bei Störungen der Vita sexualis integrieren.
Autoreninformation
Autoren
Abteilungen
- 1 Medizinische Klinik III, Pneumologie, Pneumologische Onkologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik GmbH, Mannheim,
- 2 Bergisches Lungenzentrum, Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Universität Witten/Herdecke, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal
Adresse
Prof. Dr. med. Maritta Orth
Innere Medizin III
Pneumologie, Pneumologische Onkologie,
Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin
Theresienkrankenhaus und St. Hedwig Klinik GmbH
Bassermannstraße 1
68165 Mannheim
und
Prof. Dr. med. Kurt Rasche
Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin
Helios Universitätsklinikum Wuppertal
Universität Witten/Herdecke
Heusnerstraße 40
42283 Wuppertal
Email:
[email protected] und [email protected]
Citation
M. Orth und K. Rasche.Sexualität bei obstruktivem Schlafapnoe- Syndrom. 2018; 44: 425-450. doi: 10.5414/ATX02348.