Allergologie, Jahrgang 40 (2017) - Oktober (422 - 456)

Kurzfassung der AWMF-Leitlinie medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen
G.A. Wiesmüller1,2, B. Heinzow3, U. Aurbach4, K.-C. Bergmann5, A. Bufe6, W. Buzina7, O.A. Cornely8, S. Engelhart9, G. Fischer10, T. Gabrio11, W. Heinz12, C.E.W. Herr13,14, J. Kleine-Tebbe15, L. Klimek16, M. Köberle17, H. Lichtnecker18, T. Lob-Corzilius19, R. Merget20, N. Mülleneisen21, D. Nowak22, U. Rabe23, M. Raulf20, H.P. Seidl24, J.-O. Steiss25,26, R. Szewzyk27, P. Thomas28, K. Valtanen27, J. Hurrass2
1 Inst. für Hygiene und Umweltmedizin, Uniklinik RWTH Aachen, 2 Abt. Infektions- und Umwelthygiene, Gesundheitsamt der Stadt Köln, 3 Ehemals: Landesamt für soziale Dienste (LAsD) Schleswig-Holstein, Kiel, 4 Abteilung Mikrobiologie und Mykologie, Labor Dr. Wisplinghoff, Köln, 5 Allergie-Centrum-Charité, Charité Universitätsmedizin Berlin, 6 Experimentelle Pneumologie, Ruhr-Universität Bochum, 7 Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin, Medizinische Universität Graz, Österreich, 8 Klinik I für Innere Medizin und Cologne Excellence Cluster on Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases (CECAD), Universität zu Köln, 9 Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Universitätsklinikum Bonn, 1  0 Landesgesundheitsamt Baden- Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart, 1  1 ehemals: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart, 1  2 Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Infektiologie, Universitätsklinikum Würzburg, 1  3 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München, 1  4 Ludwig- Maximilians-Universität München, apl. Prof. „Hygiene und Umweltmedizin“, 1  5 Allergieund Asthma-Zentrum Westend, Berlin, 1  6 Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, 1  7 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München, 1  8 Medizinisches Institut für Umwelt- und Arbeitsmedizin MIU GmbH, Erkrath, 1  9 Christliches Kinderhospital Osnabrück, 2  0 Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), 2  1 Asthma und Allergiezentrum Leverkusen, 2  2 Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Mitglied Deutsches Zentrum für Lungenforschung, Klinikum der Universität München, 2  3 Zentrum für Allergologie und Asthma, Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen GmbH, Treuenbrietzen, 2  4 ehemals: Lehrstuhl für Mikrobiologie sowie Dermatologische Klinik der Technischen Universität München, 2  5 Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Gießen, 2  6 Schwerpunktpraxis Allergologie und Kinder-Pneumologie Fulda, 2  7 Umweltbundesamt, FG II 1 . 4  Mikrobiologische Risiken Berlin, 2  8 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München

Add to Cart  

 

DOI 10.5414/ALX1975

Abstrakt

Die von der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) federführend erstellte Leitlinie „Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“ ist Gegenstand des vorliegenden Abschnitts. Schimmelpilzwachstum im Innenraum ist als ein potenzielles Gesundheitsrisiko zu betrachten, auch ohne dass ein quantitativer und/oder kausaler Zusammenhang zwischen dem Vorkommen einzelner Arten und Gesundheitsbeschwerden gesichert werden kann. Abgesehen von der Allergischen Bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA) und den durch Schimmelpilze kausal verursachten Mykosen, liegen lediglich ausreichende Evidenzen für folgende Assoziationen von Feuchte-/Schimmelpilzschäden und unterschiedlichen Gesundheitseffekten vor: allergische Atemwegserkrankungen, Asthma (Manifestation, Progression, Exazerbation), allergische Rhinitis, Exogen Allergische Alveolitis, Begünstigung von Atemwegsinfekten/Bronchitis. Dabei ist das sensibilisierende Potenzial von Schimmelpilzen im Vergleich zu anderen Umweltallergenen deutlich geringer einzuschätzen. Aktuelle Studien zeigen europaweit eine vergleichsweise geringe Sensibilisierungsprävalenz von 3 – 10% gemessen an der Gesamtbevölkerung. Eingeschränkte oder vermutete Evidenz für eine Assoziation liegt vor hinsichtlich „mucous membrane irritation“ und Atopischen Ekzems (Manifestation, Progression, Exazerbation). Inadäquate oder unzureichende Evidenz für eine Assoziation liegt vor für COPD, akute idiopathische pulmonale Hämorrhagie bei Kindern, Rheuma/Arthritis, Sarkoidose und Krebserkrankungen. Das Infektionsrisiko von den in Innenräumen regelmäßig vorkommenden Schimmelpilzarten ist für gesunde Personen gering, die meisten Arten sind in die Risikogruppe 1 und wenige in 2 (Aspergillus fumigatus, A. flavus) der Biostoffverordnung eingestuft. Nur Schimmelpilze, die potenziell in der Lage sind, Toxine zu bilden, kommen als Auslöser einer Intoxikation in Betracht. Ob im Einzelfall eine Toxinbildung im Innenraum stattfindet, entscheiden die Umgebungs- und Wachstumsbedingungen und hier vor allem das Substrat. Von Geruchswirkungen und/oder Befindlichkeitsstörungen kann bei Feuchte-/Schimmelpilzschäden im Innenraum grundsätzlich jeder betroffen sein. Hierbei handelt es sich nicht um eine Gesundheitsgefährdung. Prädisponierende Faktoren für Geruchswirkungen können genetische und hormonelle Einflüsse, Prägung, Kontext und Adaptationseffekte sein. Prädisponierende Faktoren für Befindlichkeitsstörungen können Umweltbesorgnisse, -ängste, -konditionierungen und -attributionen sowie eine Vielzahl von Erkrankungen sein. Besonders zu schützende Risikogruppen bezüglich eines Infektionsrisikos sind Personen unter Immunsuppression nach der Einteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und Personen mit Mukoviszidose (Zystischer Fibrose), bezüglich eines allergischen Risikos Personen mit Mukoviszidose (Zystischer Fibrose) und Personen mit Asthma bronchiale. Die rationale Diagnostik beinhaltet die Anamnese, eine körperliche Untersuchung, eine konventionelle Allergiediagnostik einschließlich gegebenenfalls Provokationstests, vereinzelt sind auch zelluläre Testsysteme indiziert. Zum Vorgehen bei Schimmelpilzinfektionen wird auf die angemeldete AWMF-Leitlinie Diagnose und Therapie invasiver Aspergillus- Infektionen verwiesen. Hinsichtlich Mykotoxine existieren zurzeit keine brauchbaren und validierten Testverfahren, die in der klinischen Diagnostik eingesetzt werden könnten. Präventivmedizinisch ist wichtig, dass Schimmelpilzbefall in relevantem Ausmaß aus Vorsorgegründen nicht toleriert werden darf. Zur Beurteilung des Schadensausmaßes und zum Vorgehen wird auf den „Schimmelpilzleitfaden“ des Umweltbundesamtes verwiesen.

*Erstpublikationen: AWMF-Schimmelpilzleitlinie (AWMF-Register- Nr. 161/001 – Kurzfassung) erfolgte in: Letzel S, Nowak D (Hrsg.); Handbuch der Arbeitsmedizin. Loseblattwerk, 43. Ergänzungslieferung 12/16. ecomed Verlag, Landsberg am Lech.

Autoreninformation

Autoren

Abteilungen

  • 1 Inst. für Hygiene und Umweltmedizin, Uniklinik RWTH Aachen,
  • 2 Abt. Infektions- und Umwelthygiene, Gesundheitsamt der Stadt Köln,
  • 3 Ehemals: Landesamt für soziale Dienste (LAsD) Schleswig-Holstein, Kiel,
  • 4 Abteilung Mikrobiologie und Mykologie, Labor Dr. Wisplinghoff, Köln,
  • 5 Allergie-Centrum-Charité, Charité Universitätsmedizin Berlin,
  • 6 Experimentelle Pneumologie, Ruhr-Universität Bochum,
  • 7 Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin, Medizinische Universität Graz, Österreich,
  • 8 Klinik I für Innere Medizin und Cologne Excellence Cluster on Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases (CECAD), Universität zu Köln,
  • 9 Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Universitätsklinikum Bonn,
  • 1 
  • 0 Landesgesundheitsamt Baden- Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart,
  • 1 
  • 1 ehemals: Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart,
  • 1 
  • 2 Medizinische Klinik und Poliklinik II, Schwerpunkt Infektiologie, Universitätsklinikum Würzburg,
  • 1 
  • 3 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München,
  • 1 
  • 4 Ludwig- Maximilians-Universität München, apl. Prof. „Hygiene und Umweltmedizin“,
  • 1 
  • 5 Allergieund Asthma-Zentrum Westend, Berlin,
  • 1 
  • 6 Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden,
  • 1 
  • 7 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München,
  • 1 
  • 8 Medizinisches Institut für Umwelt- und Arbeitsmedizin MIU GmbH, Erkrath,
  • 1 
  • 9 Christliches Kinderhospital Osnabrück,
  • 2 
  • 0 Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA),
  • 2 
  • 1 Asthma und Allergiezentrum Leverkusen,
  • 2 
  • 2 Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Mitglied Deutsches Zentrum für Lungenforschung, Klinikum der Universität München,
  • 2 
  • 3 Zentrum für Allergologie und Asthma, Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen GmbH, Treuenbrietzen,
  • 2 
  • 4 ehemals: Lehrstuhl für Mikrobiologie sowie Dermatologische Klinik der Technischen Universität München,
  • 2 
  • 5 Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Gießen,
  • 2 
  • 6 Schwerpunktpraxis Allergologie und Kinder-Pneumologie Fulda,
  • 2 
  • 7 Umweltbundesamt, FG II
  • 1 .
  • 4  Mikrobiologische Risiken Berlin,
  • 2 
  • 8 Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München

Adresse

Prof. Dr. Gerhard A. Wiesmüller
Abteilung Infektions- und Umwelthygiene
Gesundheitsamt der Stadt Köln
Neumarkt 15-21
50667 Köln
Email: [email protected]

Citation

G.A. Wiesmüller, B. Heinzow, U. Aurbach, K.-C. Bergmann, A. Bufe, W. Buzina, O.A. Cornely, S. Engelhart, G. Fischer, T. Gabrio, W. Heinz, C.E.W. Herr, J. Kleine-Tebbe, L. Klimek, M. Köberle, H. Lichtnecker, T. Lob-Corzilius, R. Merget, N. Mülleneisen, D. Nowak, U. Rabe, M. Raulf, H.P. Seidl, J.‑O. Steiss, R. Szewzyk, P. Thomas, K. Valtanen und J. Hurrass.Kurzfassung der AWMF-Leitlinie medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen. 2017; 40: 422-456. doi: 10.5414/ALX1975.

###article_not_exists_msg###

Warenkorb Übersicht

Warenkorb Übersicht
Typ Anz Rabatt MwSt Preis
Der Warenkorb ist leer
Ihr Warenkorb